05. April 2017, 22:20 Uhr

Höchste Zeit

05. April 2017, 22:20 Uhr
JU

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft soll die Bundeswehr Deutschland beschützen. Und jetzt ganz ausdrücklich auch im Internet. Die neue Cyber-Truppe, die eine Stärke von bis zu 15 000 Soldaten erreichen soll, steht auf Augenhöhe mit Heer, Marine und Luftwaffe. Damit reagiert das Verteidigungsministerium – wenn auch sehr, sehr spät – auf eine militärhistorische Zeitenwende.

Kriegerische Bedrohung erreicht heute eine ganz neue, eine vierte Dimension. Land- und Seestreitkräfte gibt es seit Jahrtausenden. Luftstreitkräfte spielen erst seit vergleichsweise kurzer Zeit eine größere Rolle: Unmittelbar nach dem ersten erfolgreichen Motorflug der Brüder Wright 1903 erkannte das Militär das kriegerische Potenzial der neuen Technik. Schon im Ersten Weltkrieg kamen Flugzeuge zum Einsatz.

Das Internet hat nun nicht nur die Möglichkeiten der weltweiten Kommunikation revolutioniert, sondern auch ungeahnte Bedrohungsszenarien ermöglicht. Ungeahnt? Vor den Gefahren des weltweiten Datennetzes, dessen Entstehung ja auch auf Forschungen des US-Militärs zurückgeht, warnen Experten inzwischen schon seit Jahrzehnten.

Doch was die Politik zu lange als Science-Fiction-Schauermärchen abgetan hat, ist längst Realität. Geheimdienste, die einst mühsam Spione in Ministerien oder Rüstungsfirmen einschleusen mussten, erbeuten Staatsgeheimnisse heute per Hackerangriff. Fremde Mächte streuen Propaganda, beeinflussen Wahlen und sabotieren die technische Infrastruktur.

Niemand kann ausschließen, dass es feindlich gesinnten Ländern oder Kriminellen gelingt, etwa in die Steuerung deutscher Atomkraftwerke oder Waffensysteme der Bundeswehr einzudringen. Selbst Staaten wie der Iran oder Nordkorea gelten heute als extrem kompetent im Umgang mit Cyberwaffen.

Es war also höchste Zeit, dass sich die Bundeswehr nicht nur punktuell, sondern in ihrer ganzen Organisation auf die neue Dimension der Gefahr einstellt. Doch nun sucht die Truppe händeringend nach entsprechend qualifizierten Soldaten. Weil IT-Kräfte auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt sind, wird kein Weg daran vorbeiführen, die Spezialisten selbst heranzuziehen. So wie etwa die dringend benötigten Militärärzte schon das Studium finanziert bekommen und anschließend für einen festgelegten Zeitraum vertraglich an die Bundeswehr gebunden sind.

Die Schaffung entsprechender Studiengänge an den Bundeswehr-Universitäten ist ein erster Schritt dazu. Und für Cyber-Krieger müssen auch nicht dieselben sportlichen Einstellungshürden gelten, wie für Fallschirmjäger. Wer Deutschland am Bildschirm verteidigt, darf ruhig Plattfüße haben.

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