Kino

Krieg und Frieden

Eigentlich müsste »Die irre Heldentour des Billy Lynn« ein herausragender Film sein: Ang Lee (»Brokeback Mountain«) führt Regie und wagt sich an beeindruckende neue 3-D-Technik. Ben Fountain liefert eine Buchvorlage, die für viele zu den wichtigsten Romanen der vergangenen 15 Jahre zählt. Kristen Stewart und Garrett Hedlund bringen Tiefe vor der Kamera, Newcomer Joe Alwyn ist in der Hauptrolle eine echte Entdeckung. Und doch ist die Summe des Films nicht größer als ihre Teile. Alwyn spielt Billy Lynn, einen Heimkehrer aus dem Irak-Krieg, der unfreiwillig als Held gefeiert wird. Er hat während eines Gefechts sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, um einen Kameraden zu retten und wird deshalb vom US-Militär zu Werbezwecken herumgereicht.
01. Februar 2017, 20:35 Uhr
DPA
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Billy Lynn (Joe Alwyn) wird unfreiwillig als Held gefeiert. (Foto: dpa)

Eigentlich müsste »Die irre Heldentour des Billy Lynn« ein herausragender Film sein: Ang Lee (»Brokeback Mountain«) führt Regie und wagt sich an beeindruckende neue 3-D-Technik. Ben Fountain liefert eine Buchvorlage, die für viele zu den wichtigsten Romanen der vergangenen 15 Jahre zählt. Kristen Stewart und Garrett Hedlund bringen Tiefe vor der Kamera, Newcomer Joe Alwyn ist in der Hauptrolle eine echte Entdeckung. Und doch ist die Summe des Films nicht größer als ihre Teile. Alwyn spielt Billy Lynn, einen Heimkehrer aus dem Irak-Krieg, der unfreiwillig als Held gefeiert wird. Er hat während eines Gefechts sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, um einen Kameraden zu retten und wird deshalb vom US-Militär zu Werbezwecken herumgereicht.

Ang Lee, der schon in »Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger« fantastische Bildwelten schuf, inszeniert diesen Stoff in einer neuartig gefilmten 3-D-Technik. Während ein normaler Film aus etwa 24 Bilder pro Sekunde besteht, hatte »Der Hobbit« 48 Bilder. Für »Billy Lynn« nutzt Lee 120 Einzelbilder pro Sekunde. Der Effekt für die Zuschauer ist vergleichbar mit dem hyperrealen Aussehen von HD-Spielfilmen auf großen Fernsehern – und leider sind bisher nur wenige Kinos so ausgestattet, dass sie den Film in seiner vollen Pracht zeigen können.

Schauspielerisch wird das Thema in »Billy Lynn« gut abgehandelt, wenn auch naturgemäß nicht so nuanciert wie in der Buchvorlage. Lynn sagt Sätze wie »Ich habe mich daran gewöhnt, das zu sagen, was die Leute hören wollen«, oder »Ich wünschte, es gäbe einen Weg, dass du stolz auf mich wärst«. Damit wird zwar die Gemütslage seines Soldaten gut angedeutet, aber letztlich kratzen diese Aussagen nur an der Oberfläche. Es bleibt also ein Film, für den Lee zweifelsohne Anerkennung gebührt - kein anderer Regisseur setzt sich derzeit so sehr dafür ein, dass im Kino auch abseits von Animationsfilmen ernsthafte Dramen mit neuen Mitteln erzählt werden. Auch der Film selbst zeigt eine wichtige Geschichte. Letztlich werden viele Zuschauer auf ihrem Weg nach Hause aber eher über dessen technische Gimmicks als über die Handlung sprechen.

Ang Lees 3-D-Spektakel ist zu sehen in Gießen (Kinocenter) und in Marburg (Capitol).

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/kino/Kino-Krieg-und-Frieden;art507,205080

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