26. Januar 2022, 08:45 Uhr

Paukenschlag im Fußballkreis Büdingen

Rohrbacher SV tauscht SG-Partner aus

Der Rohrbacher Sportverein und der KSV Aulendiebach bilden in der neuen Saison eine Fußball-Spielgemeinschaft. Der SV Büches, aktueller Partner der Rohrbacher, steht vor einem Neuanfang.
26. Januar 2022, 08:45 Uhr
TFR
Ali Haiahem trainiert die neue Spielgemeinschaft Rohrbach/Aulendiebach. FOTO: SEZ

Nach fast 20 Jahren Zusammenarbeit trennen sich am Ende der aktuellen Runde die Wege der Rohrbacher und Bücheser Fußballer. »Sportliche Zielsetzungen sowie Bemühungen diese zu erreichen, stehen nicht im Einklang der beiden Vereine«, begründet Rohrbachs Sportlicher Leiter Heiko Schneider die Entscheidung des RSV-Vorstands, der mit dem aktuellen Tabellenvierten der Kreisliga A Büdingen gerne an sportlich erfolgreichere RSV-Tage anknüpfen und dafür mehr als der SVB tun möchte (auf dieser Seite finden Sie einen Extra-Artikel über die Pläne des SV Büches).

Ali Haiahem trainiert das Team

Deshalb steht für Schneider fest, »dass wir mit der neuen Spielgemeinschaft bei entsprechender sportlicher Qualifikation auf jeden Fall in der Kreisoberliga antreten werden«. Dazu müsste Kreisoberligist Aulendiebach die Klasse halten oder Rohrbach/Büches das Titelrennen in der Kreisliga A für sich entscheiden. Das B-Team der zukünftigen Spielgemeinschaft würde dann - je nach Zugehörigkeit der ersten Mannschaft - in der Kreisliga B Gruppe 2 oder in der Kreisliga A Reserven spielen.

Trainieren wird die neue SG der aktuelle Rohrbacher Spielertrainer Ali Haiahem (39). Der aktuelle Coach des Kreisoberligisten KSV Aulendiebach, Jürgen Niedenthal (Eckartshausen), scheidet am Saisonende aus. »Wir waren und sind mit der Arbeit von Jürgen Niedenthal sehr zufrieden, doch er versteht, dass wir sportlich etwas Neues eingehen wollen und auch, dass wir innerhalb der neuen SG einen Spielertrainer bevorzugen«, erklärt Aulendiebachs Spielausschuss-Vorsitzender Leandro Theis. Niedenthal hatte zu Beginn der Saison 2020/21 die Nachfolge von Spielertrainer Christoph Werner angetreten.

Weil die Trainerfrage bereits geklärt ist, streben beide Vorstände zeitnah Gespräche mit dem aktuellen Kader an. »Die Spieler aller Vereine sind informiert. Wir hoffen natürlich, dass der Großteil der Aulendiebacher und Rohrbacher mit uns gemeinsam das neue Abenteuer angeht«, so Schneider, der zudem mit einigen Sommerneuzugängen rechnet.

Das sagt der KSV Aulendiebach

Interessant: Die erste Kontaktaufnahme stellte der KSV Aulendiebach bereits im vergangenen Jahr her. »Wir sind anfangs noch von einer möglichen Dreierspielgemeinschaft ausgegangen, die ja auch im Alt-Herren-Bereich in dieser Form schon besteht. Keinesfalls soll der Eindruck entstehen, dass wir den SV Büches rausgedrängt haben. Uns wurde vom Rohrbacher SV kommuniziert, dass der SV Büches nach erfolgter interner Diskussion keinerlei Position bezogen hat und die Zusammenarbeit zwischen Rohrbach und Büches nicht mehr wunschgemäß verlaufen würde«, erzählt Theis. In den vergangenen Wochen hätten sich die Gespräche mit dem künftigen Spielgemeinschaftspartner konkretisiert. Der KSV agierte in den vergangenen Jahren zwar eigenständig, betritt mit dem Zusammenschluss mit den Nachbarn aus Rohrbach aber kein Neuland, da der KSV in früheren Jahren bereits mit dem FSV Wolf in einer Spielgemeinschaft agierte. Eine immer dünner werdende Personaldecke im Kader, aber auch bei den ehrenamtlich Engagierten, habe laut Theis den Wunsch nach einer neuen SG forciert. »Eine SG bedeutet schließlich auch Arbeitsteilung«, so Theis. Die Aulendiebach Verantwortlichen sehen mit dem RSV nicht nur wegen der geographischen Nähe zwischen den Ortschaften einen idealen Partner.

Rohrbach will keine Dreier-SG

Rohrbach wollte keine Dreier-Spielgemeinschaft, »weil diese aus wirtschaftlichen Gründen nicht tragbar ist«, betont Heiko Schneider. Die Rohrbacher entschieden sich schließlich für ein Bündnis mit dem KSV, weil sich laut Schneider »die Schnittmengen mit Aulendiebach zu 100 Prozent erfüllen«.

Heißen wird die Spielgemeinschaft übrigens SG Rohrbach/Aulendiebach. »Womöglich kann man in den kommenden Jahren beim SG-Namen die Positionen der Orte hin und wieder verändern«, ergänzt Leandro Theis. Die Tinte unter den Verträgen ist jedenfalls schon trocken, die Spieler beider Vereine sowie Kreisfußballwart Jörg Hinterseher wurden von der neuen Fußballehe der beiden Büdinger Stadtteilvereine bereits informiert.

Aber jetzt geht es für Schneider erst einmal darum, das nächste Halbjahr relativ geräuschlos und mit beiden Mannschaften über die Bühne zu bringen. Gerne hätte er das noch gemeinsam mit Büches getan. »Jedoch haben sich der SV Büches und deren Spieler dafür entschieden, ab sofort nicht mehr zur Verfügung zu stehen.« Zum Boykott des Noch-Spielpartners möchte der Sportliche Leiter nichts sagen. »Das akzeptieren wir kommentarlos.«

Frank Schneider und Torben Frieborg

Das sagt der SV Büches

Büches. Rund 20 Jahre durchlebten der Rohrbacher Sportverein und der SV Büches in einer Spielgemeinschaft fußballerische Höhen und Tiefen. Die einstige gute Beziehung der Vereine hat nun tiefe Risse bekommen. Überrascht und enttäuscht haben die Verantwortlichen des SV Büches die Entscheidung des Rohrbacher Vorstands aufgenommen, künftig mit dem aktuellen Kreisoberligisten KSV Aulendiebach gemeinsame Sache zu machen und die Zusammenarbeit mit dem SVB zum Saisonende aufzukündigen.

Hintergrund: Die SG Rohrbach/Büches war erst im vergangenen Jahr verlängert und vom Hessischen Fußball-Verband bis zum Jahr 2024 genehmigt worden. Hinsichtlich ehrlicher Kommunikation scheint es - gewollt oder ungewollt - in den vergangenen Wochen gehakt zu haben, vonseiten des SV Büches ist gar von einem abgekarteten Spiel die Rede.

»Die Art und Weise, wie man uns vor vollendete Tatsachen gestellt und den SVB bei allen Beteiligten dargestellt hat, ist hinterhältig und entspricht einfach nicht der Wahrheit«, sagt der stellvertretende Vorsitzende des SV Büches, Sascha Lang.

Erst vergangene Woche schenkte der Vorstand des Rohrbacher SV dem (Noch)-Spielgemeinschaftspartner reinen Wein ein, parallel dazu sollen in den Vereinsheimen in Aulendiebach und Rohrbach die Spieler der jeweiligen Vereine über die neue Spielgemeinschaft informiert worden sein. »Beim Rohrbacher SV waren sogar auserwählte Spieler des SV Büches ohne unser Wissen eingeladen«, kritisiert Lang.

Rückblende: Vor 20 Jahren war es der SV Büches, der den damals nach einer Partnerschaft suchenden Rohrbachern den Beitritt in die damalige Zweierspielgemeinschaft mit dem SV Orleshausen ermöglicht hat, jetzt wird diese Beziehung jäh geschieden. Offiziell am Saisonende, doch eigentlich schon sofort, da der Bruch zwischen den Vereinen nicht mehr zu kitten scheint. »Wir werden als SV Büches das jetzige sportliche Konstrukt nicht mehr tatkräftig unterstützen und den Klassenleiter bitten, die in der Rückrunde eigentlich in Büches vorgesehenen Partien in Rohrbach anzusetzen«, so Lang.

Bücheser Spieler wollen nicht mehr

Rückendeckung erhielt der SV Büches von den eigenen Spielern, die laut Lang und der Vereinsvorsitzenden Silke Montag die von Rohrbacher Seite forcierte Entscheidung ebenfalls nicht nachvollziehen können und in der Rückrunde nicht mehr für die SG aktiv ins Spielgeschehen eingreifen wollen. Bislang lief es für die SG Rohrbach/Büches aktuell in der Kreisliga A Büdingen sportlich rund, als Tabellenvierter hat die Truppe von Spielertrainer Ali Haiahem sogar noch theoretische Aufstiegschancen.

Das bevorstehende SG-Aus sei nicht im Sinne des SV Büches »Wir wären auch hinsichtlich einer Dreierspielgemeinschaft gesprächsbereit gewesen, doch unserer aktueller Spielgemeinschaftspartner teilte uns vor Wochen mit, dass weder an einer Dreier-SG noch an einer Spielgemeinschaft mit dem KSV Aulendiebach Interesse bestünde«, erzählt Sascha Lang. Die für seinen Verein bittere Wahrheit stellt sich nun anders dar. »Als ein Trennungsgrund hat man uns die schlechte Infrastruktur in Büches genannt. Wir hätten kein Flutlicht und keinen Ausweichplatz mehr«, ergänzt Lang. Der kleine Trainingsplatz des SVB hat bekanntlich der neuen Umgehungsstraße weichen müssen.

Dass es zwischen den Vereinen KSV Aulendiebach, SV Rohrbach und SV Büches keine Gespräche in großer Runde gegeben hat, bedauert Lang im Nachhinein, gerade weil die Vereine aktuell sowohl im Jugend- als auch im Alt-Herren-Bereich zusammenarbeiten. »Wir müssen die Entscheidung so akzeptieren, denn wir können ja niemanden zwingen mit uns zusammenzuarbeiten und einen perfekten Zeitpunkt für eine Trennung zu finden, ist sicher schwierig. Die Begleitumstände sind für uns aber das Allerletzte. Das hätten wir nach einer solch langen Zusammenarbeit von diesen Leuten niemals erwartet«, meint der stellvertretende Vorsitzende.

Viele offene Zukunftsfragen

Die große Frage ist, wie es nun beim SV Büches sportlich weitergeht? Wir wollen den Spielbetrieb auf jeden Fall aufrechterhalten«, gibt sich Sascha Lang kämpferisch. Für konkrete Pläne, auch hinsichtlich der künftigen Spielklasse, sei es noch zu früh, erst einmal müssten entsprechende Gespräche geführt werden. Demnach sei es völlig ergebnisoffen, ob der 1975 gegründete Verein in der kommenden Runde eigenständig oder womöglich innerhalb einer anderen Spielgemeinschaft am Spielbetrieb teilnehmen wird.

Frank Schneider



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