16. Mai 2022, 19:50 Uhr

Handballer mit Herz und Seele

16. Mai 2022, 19:50 Uhr
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Aus der Redaktion
In der Saison 1958/59 präsentieren sich die Büdinger Handball-Pioniere mit Werner Reitz (rechts), der die HC-Vereinsgeschichte prägt. FOTO: HC

Als der Handball-Club Büdingen am 15. April 1987 dem damaligen Handball-Bundesligisten und mehrfachen Deutschen Meister TV Großwallstadt vor 800 Zuschauern in der Büdinger Wilhelm-Lückert-Halle einen aufopferungsvollen Pokal-Fight lieferte, saß er als Coach wieder an der Seitenlinie der Büdinger Handballer. Die Rede ist von Werner Reitz, der heute im kleineren Kreis der Familie in Dortmund seinen 100. Geburtstag feiert.

Eigentlich hatte Werner Reitz bereits 1984 sein über Jahrzehnte währendes, intensives Engagement für den Handballsport abgeschlossen. Doch als der HCB im Abstiegskampf der Regionalliga (heutige 3. Liga) um Unterstützung bat, da war er sofort zur Stelle. Gegen den TV Großwallstadt verlor der HC Büdingen das Pokalspiel, aber wenige Wochen später konnte er gemeinsam mit der Mannschaft und Spielertrainer Ulrich Wacker, den Klassenerhalt feiern.

Kefenröder Wurzeln

Über Jahrzehnte hat der gebürtige Kefenröder den Handballsport in der östlichen Wetterau geprägt und gefördert. Die Anfänge des Handballsports in Büdingen und der Region sind nach dem Zweiten Weltkrieg deshalb auch ganz eng mit seinem Namen verbunden. Von Kefenrod zog er mit seinen Eltern vor dem Zweiten Weltkrieg nach Borsdorf und Offenbach. Als Leichtathlet und Handballer war er aktiv. Mit der TG Offenbach spielte er in der höchsten hessischen Spielklasse.

Als 18-Jähriger musste Werner Reitz in den Weltkrieg, nach dessen Ende er im Sommer 1945 nach Nidda kam, wohin seine Eltern evakuiert worden waren. 1946 absolvierte er die Lehrerprüfung, kam im selben Jahr als Lehramtsanwärter nach Büdingen und 1947 auf seine erste Lehrerstelle in Borsdorf. Dort trat er sozusagen in die Fußstapfen seines Vaters.

Pädagoge

Anschließend war Werner Reitz als Lehrer in Büdingen und Nidda sowie als Rektor in Holzheim tätig und danach als Direktor der Gesamtschulen in Hungen und Schotten bis zu seiner Pensionierung 1984.

Neben diesen beruflichen Stationen prägte der Sport und das Ehrenamt sein Leben. Ein Handballer mit Herz und Seele, der 1946 zum Mitbegründer der Handballabteilungen der Niddaer Viktoria und später des TV Nidda wurde. Auf Funktionärsebene wurde er zum ersten Spielwart des Handball-Kreises Büdingen. Im Jahr 1951 übernahm er als Abteilungsleiter und Spielertrainer die Handball-Abteilung der Büdinger Turnerschaft. Bis 1960 blieb er aktiver Handballer in Büdingen.

Trainer-Stationen

Trainer-Stationen in Münzenberg und in den Reihen des MTV Gießen folgten. Von 1974 bis 1984 war er als Lehrwart des Hessischen Handball Verbandes für die Ausbildung der Übungsleiter zuständig. In den Jahren 1975 bis 1977 übernahm er nochmals die Trainingsleitung des HC Büdingen und feierte mit Spielern wie Günter Knaf, Peter Pührer, Uwe Madalinski, Wolfgang Wilke, Ulrich Wacker und vielen anderen den Meistertitel in der Kreisklasse. Es war der erste Erfolg einer Büdinger Handballer-Generation, die wenige Jahre später mit vielen Eigengewächsen den Aufstieg in die Regionalliga Südwest schaffen sollte.

Mit diesen Erfolgen ist nicht zuletzt auch der Name des langjährigen HCB-Managers Fritz Konrad verbunden, der 1951 einer der Schüler von Werner Reitz war, als dieser seine besagte Lehrerstelle in Büdingen antrat. Hier schließt sich der Kreis zu den Anfängen des Büdinger Handballs, der durch das große Engagement von Werner Reitz und das Wirken seines ehemaligen Schülers Fritz Konrad zum sportlichen Aushängeschild des Wetteraukreises werden sollte.

Fest steht aber auch: Zu umfangreich wäre es, den gesamten Lebenslauf des Jubilars zu schildern. Neben seinem Engagement für den Handballsport war Werner Reitz viele Jahre Vorsitzender des Vogelsberger Höhenclubs. 1989 wurde er Ehrenvorsitzender des Vereins und erhielt im Januar 1989 das Bundesverdienstkreuz.

Im Jahr 2005 zog Werner Reitz gemeinsam mit seiner (2014 verstorbenen) Ehefrau nach Dortmund. Dort lebt seit vielen Jahrzehnten seine Tochter. Für Werner Reitz war es immer wichtig, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sich neue Herausforderungen und Aufgaben zu stellen Bis zum heutigen Tag lebt er in Dortmund in seiner eigenen Wohnung.

Trotz der Entfernung ist Werner Reitz der Region Büdingen noch immer in einem besonderen Maße verbunden. Begeistert informiert er sich als treuer Kreis-Anzeiger Abonnent über die sportlichen Entwicklungen in der Heimat und dürfte dabei auch ein Auge auf den Handballsport in Büdingen haben.

Werner Reitz hat in seiner Rede zum 25-jährigen Vereinsjubiläum des HC Büdingen im Jahr 1993 einen wichtigen Schlusssatz gesprochen: »Leistung und Erfolg sind zweifelsohne wichtiger Bestandteil sportlichen Strebens, aber ich wünsche dem HCB, dass er in seinen Reihen auch denjenigen Jungen und Mädchen, Männer und Frauen Beachtung schenkt, die ohne Leistungsstreben sich sportlich betätigen wollen, die eine liebenswürdige und tolerante Gemeinschaft suchen und als vollwertige Mitglieder integriert werden wollen.«

»Dieser Satz beschreibt sehr gut die Ziele der Büdinger Handballer-Familie. Wir gratulieren Werner Reitz auf das Herzlichste zu seinem 100. Geburtstag und senden liebe Grüße nach Dortmund«, teilt Thomas Appel als 1. Vorsitzender des HC Büdingen mit.



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