09. August 2022, 18:48 Uhr

Ausgeprägter Frustfaktor

09. August 2022, 18:48 Uhr
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Aus der Redaktion

Region (cd). Auch am Tag nach dem ernüchternden Auftakt hatte sich Matthias Georgs Laune nicht gebessert. »Schlecht« fühle es sich an, sagte der Geschäftsführer der Offenbacher Kickers mit Blick auf die 0:1-Pleite im Meisterschaftsspiel der Fußball-Regionalliga Südwest bei Aufsteiger Wormatia Worms, die er als »Schuss vor den Bug« bezeichnete. »Das war sehr, sehr weit weg von dem, was wir uns vorgestellt hatten«, gab Georg zu, betonte aber auch: »Man darf jetzt nicht alles in Frage stellen, sondern muss es sauber aufarbeiten.«

Dass OFC-Trainer Alexander Schmidt die Niederlage bei der Pressekonferenz nach der Partie auch mit der Aussage begründet hatte, dass man sich dem Niveau des Gegners angepasst habe (»Die waren nur auf Zerstören aus und haben fast jeden Ball hoch noch vorne gespielt«), wollte Georg nicht überbewerten. »Da war viel Frust dabei. Auch er wird daraus lernen. 80 Prozent der Gegner werden so gegen uns spielen. Es war klar, dass wir viel Ballbesitz haben würden.« Doch daraus wurde viel zu wenig gemacht. »Man muss Geduld haben, die Qualität ausspielen.« Vor allem aber dürfe das Gegentor nie passieren. Man habe sich danach von der Hektik anstecken lassen. Das neu formierte Team müsse sich »noch finden«, sagt Georg, weiß aber auch: »Wir haben nicht ewig Zeit, müssen schnell in die Spur kommen.« Die Qualität hätte reichen müssen, um Worms zu besiegen. »Das war von fast allen zu wenig. So darf man sich am ersten Spieltag nicht präsentieren. Das weiß die Mannschaft. Jeder ist gefrustet.«

Immerhin zeigten sich die Spieler einsichtig. »Ich fühle mich leer und enttäuscht«, sagte Torwart David Richter. »Wir haben die Vorteile, die wir in der zweiten Hälfte hatten, nicht umgemünzt. Der Gegner hat es uns vorgemacht.« Zugang Björn Jopek ergänzte: »Worms hat auf die eine Chance gehofft und sie genutzt. Wir haben das in dieser Szene nicht gut verteidigt.« Die Niederlage sei insofern »selbst verschuldet« und »bitter«. Zumal der OFC auch in der Offensive vieles schuldig blieb. »Bei uns hat das Tempo gefehlt. Wir sind auch zu wenig in die Tiefe gegangen«, kritisierte der erfahrene Mittelfeldspieler.

Die Folge war eine keineswegs unverdiente Niederlage und das gegen Feierabend-Kicker wie den Ex-Offenbacher Jannik Sommer, der nach abgeschlossenem Lehramtsstudium auf einen Platz als Referendar wartet. Er habe »nur nach Vereinen gesucht, die nicht vormittags trainieren, weil es mir dann unmöglich wäre, meinen Beruf auszuüben«, hatte er der Wormser Zeitung vor einigen Wochen gesagt. Haperte es bei den Offenbacher Vollprofis also an der Einstellung? Nein, diese habe gestimmt, meint Georg und verweist unter anderem auf die Laufdaten. Doch beim Fußball kommt es bekanntlich in erster Linie aufs Toreschießen an. Und da sah die Datenlage anders aus - 0:1.

»Für die Fans tut es mir am meisten leid«, sagte der Geschäftsführer. »Die Euphorie ist nun erst mal etwas abgekühlt«. Nach dem Heimspiel am Freitagabend (19 Uhr) gegen 1899 Hoffenheim II werde das hoffentlich anders sein, so Georg. Dafür ist aber eine Steigerung in vielen Bereichen nötig. »Wir müssen uns so aufstellen, dass wir als Team funktionieren. Da nehmen wir alle in die Pflicht.«

Eine Erfolg versprechende Änderung könnte die Rückkehr zur »besten Abwehr der Liga« sein - mit Vetter, Zieleniecki, Breitenbach und Marcos.

Von diesem Quartett hatte gegen Worms zu Beginn lediglich Abwehrchef Zieleniecki auf dem Platz gestanden. Ronny Marcos, der im Pokal gegen Düsseldorf Probleme hatte, vergangene Saison jedoch Stammkraft war, kam gar nicht zum Einsatz. Der unter der Woche angeschlagene Vetter und Breitenbach wurden eingewechselt. In der Folgezeit lief es etwas besser. Luft nach oben haben freilich alle Spieler.

Die Offenbacher Kickers und Marijan Kovacevic (48) haben ihre Zusammenarbeit beendet. Der OFC wollte den ehemaligen Assistenten des nach der vergangenen Saison freigestellten Cheftrainers Sreto Ristic eigentlich als Scout für sich arbeiten lassen. Zuletzt war Kovacevic allerdings rund vier Wochen krankgeschrieben, sagte OFC-Geschäftsführer Matthias Georg: »Wir haben den Vertrag vergangene Woche in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst.«

Wie extrem die Fallhöhe bei Kickers Offenbach sein kann, hat Jakob Zitzelsberger innerhalb weniger Tag am eigenen Leib erlebt. Nach dem DFB-Pokalspiel gegen Düsseldorf (1:4) hatte der Zugang - trotz des Stellungsfehlers, der zum 0:1 führte - viel Lob für seinen couragierten Auftritt erhalten. Im ersten Punktspiel bei Wormatia Worms wurde er nun jedoch bereits nach 54 Minuten vom Platz genommen.

Nicht nur beim Gegentor hatte der Innenverteidiger schlecht ausgesehen (18.), sondern auch in mehreren Situationen danach. In der 54. Minute sah sich Trainer Alexander Schmidt veranlasst, zu reagieren. Zitzelsbergers Fehler sei »kein Drama« gewesen. Aber: »Der Kader ist so ausgeglichen, da muss jeder konzentriert seine Leistung bringen.«

Für Jakob Zitzelsberger kam schließlich Jayson Breitenbach, der vergangene Saison als Innenverteidiger überzeugt hatte, von Schmidt aber bisher zumeist rechts in der Abwehr eingesetzt wurde. »Er hat das sehr gut gemacht, als er reinkam«, lobte der Trainer. Breitenbach machte unterdessen keinen Hehl daraus, dass er sich über die anfängliche Reservistenrolle geärgert hatte: »Ich kann nur meine Leistung bringen.«

Er war allerdings auch der einzige Ersatzmann, der für diese Position infrage kam.



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