30. Juli 2022, 08:45 Uhr

KA-Serie »Meine Traumelf«

Aufstiegshelden und ein Sprint-Ass

»Es war keine leichte Entscheidung. Schließlich habe ich schon in etlichen Teams gespielt und einige Aufstiege miterleben dürfen«, gesteht Niklas Laumer, der seine Wunschformation zusammenstellt.
30. Juli 2022, 08:45 Uhr
TFR
Sven Diedrich (links) ist laut Niklas Laumer ein außergewöhnlicher Fußballer und steht deshalb in der Traumelf. FOTO: RLE

In der Tat: Niklas Laumers Werdegang kann sich sehen lassen. Der aktuell Spieler des Büdinger Fußball-A-Ligisten SG Rohrbach/Aulendiebach durfte schon insgesamt sechs Aufstiege feiern. Zwei mit der SG Büdingen, zwei mit dem SV Altwiedermus, einen mit dem SSV Lindheim und einen mit der SG Rohrbach/Büches. »Den schönsten Aufstieg erlebte ich in der Saison 2012/13 mit der SG Büdingen von der A-Klasse in die Kreisoberliga. Wir hatten nicht nur sportlichen Erfolg, auch der Zusammenhalt war sensationell. Wir saßen nach jedem Training und nach jedem Spiel stundenlang zusammen«, berichtet der selbstständige Handwerker aus Büdingen.

Wohlfühlte sich der heute 33-Jährige, der in der Jugend für seinen Heimatklub Rohrbacher SV und die Sportfreunde Oberau spielte, bei jedem Verein. Selbst an das halbe Verbandsliga-Jahr in Aßlar denkt er gerne zurück. »Weil ich meinen Studiumsmittelpunkt von Gießen nach Frankfurt verlegt hatte, musste ich Aßlar leider schon wieder nach so kurzer Zeit verlassen«, begründet Laumer diesen Wechsel. Verbandsliga spielte er schließlich auch in Altwiedermus, Gruppenliga-Luft schnupperte er im Trikot des SC Viktoria Nidda und der SG Büdingen.

Seit 2019 ist Laumer wieder für seinen Heimatverein aktiv. In der kommenden Saison dann mit einem neuen Spielgemeinschaftspartner - Rohrbach trennte sich vom SV Büches und geht nun mit dem KSV Aulendiebach an den Start. »Wenn zwei Vereine zusammengewürfelt werden, müssen diese sich erst finden. Ich denke trotzdem, dass wir oben mitmischen und unter die besten drei Teams kommen können.» Laumers Traum: ein weiterer Aufstieg mit Rohrbach. Höher als Kreisoberliga will der 33-Jährige nicht mehr spielen. »Das schaffe ich beruflich nicht.« Zudem sei er mittlerweile etwas lauffaul. »Früher spielte ich Rechtsverteidiger oder Sechser. Jetzt lieber hinter den Spitzen, das ist nicht ganz so intensiv.»

Warum sich Laumer schließlich für diese Traumelf entschied? »Es ist eine Kombination aus Qualität und entstandenen Freundschaften nach den Spielen. Mit dieser Truppe würde ich gerne einmal ein Spiel bestreiten.«

So charakterisiert Niklas Laumer die nominierten Spieler seiner Traumelf (in Klammern stehen die Vereine, in den Laumer zusammen mit den ausgewählten Akteuren spielte):

Tor

Philipp Wolf (SG Büdingen, SV Alwiedermus, SG Rohrbach/Büches): Kam damals von Eintracht Frankfurt (U23) zu uns nach Büdingen. Einfach nur verrückt, welch ein Torwart er ist. Auch menschlich eine absolute Granate. Wir haben ein paar Jahre erfolgreich zusammengespielt und drei Aufstiege gefeiert (zweimal mit Altwiedermus und einmal mit Büdingen). Egal wo, er war auch immer der DJ. Kein anderer durfte sein Handy mit der Anlage verbinden.

Abwehr

Max Harmann (SG Rohrbach/Büches): Einer von mehreren jungen Talenten aus unserem aktuellen Kader in Rohrbach. Max besteht zwar nur aus Haut und Knochen, gewinnt aber gefühlt 99 Prozent seiner Zweikämpfe. Mein Spitzname für ihn ist Robocop. Bin echt froh, ihn hinter mir stehen zu haben - und nicht vor mir als Gegenspieler.

Christoph Pilch (SSV Lindheim, SG Büdingen): Kennengelernt haben wir uns in Lindheim und später war Christoph mein Trainer in Büdingen. Er ist ein echter Motivator, immer ehrlich und korrekt. Auf dem Platz ein richtiger Kämpfer, der immer 100 Prozent gibt - unabhängig vom Spielstand. Ich glaube, er wurde auch noch nie wegen einer Verletzung ausgewechselt. Christoph spielte immer einfach weiter.

Julian Purcell (SSV Lindheim, SG Büdingen): »Julio« war in Lindheim mein persönlicher Sprint-Trainer. Ich glaube, er schafft die 100 Meter sogar unter zehn Sekunden. Wenn er den Ball am gegnerischen Strafraum verloren hatte, eroberte er ihn noch locker vor der Mittellinie zurück. Eine richtig gute Pressingmaschine. Auf diesem Weg: Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die Verbandsliga mit Seligenstadt!

Cedric Liuzzo (SV Altwiedermus): »Ceddi« war extrem zweikampfstark und sehr verbissen gegen den Mann, er ließ nie locker. Und wenn es sein musste, jagte er seinen Gegenspieler über den ganzen Platz. Gegen ihn war es für jeden Stürmer sehr unangenehm. Auf dem Platz ein Kämpfer, neben dem Platz einer der liebsten Menschen.

Mittelfeld

Sven Diedrich (SC Viktoria Nidda): Wir duellierten uns früher oft in der Jugend (JSG Limeshain gegen Spfr. Oberau) und spielten dann beim Adidas-Cup das erste Mal zusammen, als ich in seinem Team aushalf. Er wechselte danach zum OFC, 2011 spielten wir dann endlich noch mal in Nidda zusammen. Er ist ein großer Freund des Kurzpassspiels. In meinen Augen ein außergewöhnlicher Fußballer. Sven hätte es auf jeden Fall verdient gehabt, Profi zu werden. Fußballerisch sowieso, aber auch menschlich top.

Mimoun Attanin (SV Altwiedermus): Mimo ist ein Liebhaber vom »Tiki-Taka-Fußball«, am liebsten mit 90 Prozent Ballbesitz. Er hat immer ein Auge für seine Mitspieler, ist nicht eigensinnig und spielt richtig geniale Pässe. Er befreit sich aus jeder Situation auf dem Platz. Egal wie eng und kritisch, er hat eine Lösung.

Waldemar Kaufmann (SG Büdingen, VfB Aßlar, SV Altwiedermus): Mein Freund Waldi. Wenn man ihn nicht sieht, hört man ihn - entweder am Dribbeln oder am Meckern. Bei Freistößen, Elfmeter und Ecken immer »Erster Alles«. Hat eine sehr gute Technik und war schnell unterwegs auf der Außenbahn. Noch viel lieber spielte ich mit Waldi in der Halle, da gewannen wir die Hallenkreismeisterschaft mit der SG 05 Büdingen. Heute kicken wir lieber mal im Garten mit seinem Junior.

Emanuel Becker (SV Eintracht Altwiedermus): Keiner schießt auf Linksaußen so viele Tore wie »Manosch«. Sein Antritt und der Torabschluss sind einfach brutal. Wenn es keine Lösung gab, diagonal auf ihn ging immer. Und nach dem Training oder dem Spiel konnte man immer mit ihm gemeinsam lachen.

Marcel Schwalm (SG Büdingen, SSV Lindheim, Viktoria Nidda, SV Altwiedermus): Marcel ist mein treuester Weggefährte, mit keinem habe ich so lange zusammen in einer Mannschaft gespielt - wir waren fast unzertrennlich. Das erste Mal in Lindheim, als er vom OFC zu uns kam. Er war schon damals in der Vorbereitung immer lauffaul. Und sobald ein Ball dabei war, konnte er auf einmal rennen! Seine Technik und die Ruhe am Ball hatte sonst niemand. Niemand hatte eine Chance auf den Ball, wenn er seinen Körper reinstellte. Zusammen mit Sven Diedrich eine Ausnahme in unserem Fußballkreis.

Sturm

Michael Kohnke (SV Altwiedermus): Michi machte auf dem Platz mit jedem Gegenspieler, was er wollte. Wenn er richtig Lust hatte, war er in Altwiedermus nicht mehr aufzuhalten. Es gab keinen Trick, den er nicht konnte. Seine Schusstechnik war brutal, fast jeder Freistoß bis 25 Meter war ein sicheres Tor. Zudem war er pfeilschnell, einfach ein genialer Kicker.

Joker

Rodney-Dean Kurz (SG Büdingen): Einfach ein richtiger Stürmer. Schnell und stark im Abschluss. Rodney spielte einfach, ging mit Tempo am Gegenspieler vorbei und suchte schnell den Abschluss. Ihm war es auch egal, wie schön seine Tore aussahen. Hauptsache, das Ding war drin. Charakterlich ein ehrlicher und feiner Mensch.

Farid Affo (SSV Lindheim): Farid war in Lindheim ein vorbildlicher Fußballer, genau wie sein Bruder Moubi - sie lebten regelrecht dafür. Farid gab in jeder Einheit immer 100 Prozent, egal was gemacht wurde. Er hatte einen starken Antritt, war sehr schnell mit Ball und echt dribbelstark. Ich habe ihn auch nie meckern gehört, immer ein fairer Sportsmann und ein toller Mitspieler.

Franz Handlos (Rohrbacher SV): Schnelligkeit und Dribbling waren seine größten Stärken, zudem war er auch noch torgefährlich. Viele behaupten, dass ich genau so viele Kreise im Spiel drehe wie er damals. Wären nicht seine zahlreichen Verletzungen aufgetreten, würden wir heute wahrscheinlich noch die Doppel-Sechs bilden.

Trainer

Daniel Steuernagel (SSV Lindheim): Daniel war leider nur für kurze Zeit mein Trainer in Lindheim. Aber vom fußballerischen Verstand her auf einem anderen Level. Einen Trainer dieser Art hatte ich später nicht mehr. Ein Taktikfuchs und guter Motivator. Daniel war immer sachlich und hat alles detailliert analysiert. Seine Trainingseinheiten gingen teilweise stundenlang. Jeder Spieler auf dem Platz wusste in jeder Situation, was der andere macht - es hat alles gepasst.

Von Torben Frieborg

Zur Serie: In unserer Lokalsportserie »Meine Traumelf« stellen Fußballer eine Mannschaft aus Spielern zusammen, auf die sie in der Regel während ihrer aktiven Zeit getroffen sind. Dabei muss es sich nicht zwingend um Mitspieler handeln - es können auch Gegner sein, die in Erinnerung geblieben sind. Heute: Teil 27 mit Niklas Laumer. TFR



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