21. Juni 2022, 17:12 Uhr

Von der Pole Position ins Ziel

21. Juni 2022, 17:12 Uhr
OMS
Gewinnen können sie, aber auch einen Aufstieg feiern: DIe Landesliga-Meister des TV Hüttenberg II. Foto: Röczey

. Was war das für eine Saison, die die U23 des TV Hüttenberg da aufs Parkett gezaubert hat? Denn das Team von Dirk Happel und Tim Spengler konnte allen Widrigkeiten dieser ewig langen Handballrunde trotzen, sicherte sich ohne jeden Punktverlust die Meisterschaft in der Männerhandball-Landesliga Mitte und schaffte nach dem Abstieg 2019 auf eindrucksvolle Art und Weise die Rückkehr in die Oberliga Hessen.

Verlassen mussten die Hüttenberger Hessens höchste Spielklasse vor gut drei Jahren als abgeschlagener Letzter, ehe Happel/Spengler für den Neuanfang in der Landesliga installiert wurden. Dort landeten die Hüttenberger in der Abbruchssaison 2019/20 zwar nur auf dem neunten Platz, aber der Rang täuschte ein wenig über die wahre Leistungsstärke hinweg, da der TVH nur drei Zähler hinter Platz vier lag und die Topteams bis dato schon alle »abgespielt« hatte.

»Um Rang vier herum hätte ich uns schon noch einlaufen sehen, sodass wir für das Jahr darauf schon die Top Drei ins Visier genommen haben. Leider fiel die letzte Saison dann ja aus, sodass der jungen Mannschaft schon ein wichtiges Jahr verloren gegangen war, in dem es auf dem Feld hätte Erfahrungen sammeln können. In dieser Beziehung hatte Lumdatal uns doch einiges voraus, weshalb sie für mich vor dieser Saison auch klar der Favorit waren«, erinnert sich TVH-Coach Happel.

Doch schon über das vergangene Jahr, in dem bis zum Restart im Herbst keine Punktspiele ausgetragen werden konnten, beeindruckten die Hüttenberger mit sehr viel Trainingsfleiß und hoher Eigenmotivation. Einheiten dauerten teilweise bis zu zwei Stunden, Fünf-Kilometer-Läufer wurden vorangestellt. Der hohe Trainingsfleiß und die enorm hohen Beteiligungen an den Einheiten waren wahrscheinlich der Schlüssel für die sich anschließende meisterhafte Saison.

In Hauptrunden-Gruppe eins legten die Hüttenberger den Grundstein des späteren Erfolges. Vor allem der 32:29-Erfolg im Dezember bei den favorisierten Lumdataler ließ aufhorchen und war mehr als nur ein Fingerzeig, in welche Richtung es gehen könnte. Und nachdem im Februar zum Abschluss auch ein überzeugender 33:25-Sieg im Rückspiel gelang, war nicht nur die makellose Hauptrunde perfekt, sondern der bis dato Verfolger mächtig auf Distanz gehalten.

Es folgten zwei Monate spielfreie Zeit, ehe die Meisterrunde Ende April startete. Doch obwohl der TVH von der Pole Position aus ins Rennen ging, war der hauchdünne 21:20-Sieg zum Auftakt gegen den TuS Holzheim ein klares Zeichen dafür, dass der Aufstieg alles andere als ein Selbstläufer wird. »Man muss ganz klar sagen, dass wir es über die gesamten Partien der Meisterrunde nicht mehr geschafft haben, an unseren Handball aus der Hauptrunde anzuknüpfen. Wir hatten zwar viel zu gewinnen, aber als Tabellenführer nun auch etwas zu verlieren. Wir waren von Anfang an die Gejagten, und natürlich hat das die junge Truppe dann auch beschäftigt, während die Gegner gegen uns ja keinerlei Druck hatten. Aber es spricht umso mehr für das Team, dass wir dennoch Wege gefunden haben, die Spiele zu gewinnen, und da zu sein, als es darauf ankam. Entscheidend war unsere bärenstarke Deckung, die absolute Fitness der Mannschaft und auch, dass wir immer wieder von der Bank nachlegen konnten. Jeder hat seine Rolle gespielt und erfüllt. Wir waren auch unheimlich schwer auszurechnen«, beschreibt Happel, der nach Erfolgen »auch gerne mit am Kabel zieht aber auch mal eingreift, wenn es mir nötig erscheint.« Neben Teamgeist genießt die Disziplin für Hüttenbergs Trainer einen extrem hohen Stellenwert.

Und so folgte dem einzig klaren Erfolg bei der HSG EppLa (24:17) sowohl der wichtige 24:23-Heimsieg gegen den ersten Verfolger HSG VfR/Eintracht Wiesbaden als auch eine Woche später der entscheidende 25:24-Erfolg beim TuS Holzheim nach langem Rückstand. Und dank des vierten Ein-Tore-Sieges im fünften Spiel verwandelte der TV Hüttenberg beim 24:23 gegen EppLa vor der prächtigen Kulisse von 550 Zuschauern direkt seinen ersten Matchball und feierte die Meisterschaft.

Kader bekommt das Vertrauen

So geht es für das Hüttenberger Team, in das die A-Jugendlichen Tom Naumann und Finn Herrmann aufrücken werden, in der kommenden Saison wieder um Punkte in der Oberliga Hessen. Und nach dem Abstieg vor gut drei Jahren will die U23 diesmal eine wesentlich bessere Rolle spielen. »Das Team hat es sich auf jeden Fall verdient, seine Chance in dieser Klasse zu bekommen. Deshalb wird es auch kaum Änderungen geben. Aber ich denke schon, dass wir in dieser Klasse, die aber natürlich stark aufgestellt sein wird, kein Kanonenfutter sind. Die Truppe hat sich in der letzten Runde als Einheit präsentiert, in der jeder dem anderen auch den Erfolg gönnt. Das Ziel ist natürlich, viele Mannschaften zu ärgern und den Klassenerhalt zu schaffen. Über allem steht aber nach wie vor, die Jungs weiterzuentwickeln«, blickt Happel schon voraus.

Und dass die Hüttenberger U23 in dieser Hinsicht bereits zuletzt große Schritte gemacht hat, beweist die makellose Meistersaison natürlich eindrucksvoll.



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