08. August 2022, 16:36 Uhr

Sind ja erst 270 Minuten

08. August 2022, 16:36 Uhr
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Aus der Redaktion
Ist das jetzt gut, mittel oder eher mäßig? Deniz Vural vom FC Gießen scheint sich über die Bilanz nach drei Spieltagen nicht ganz sicher zu sein. Foto: Bär

. Eins darf man schon nach erst drei absolvierten Spieltagen sagen: Die Fußball-Hessenliga hat es faustdick hinter den nicht vorhandenen Ohren. Auch wenn 270 Minuten reine Spielzeit für jeden Verein noch kein Maßstab für die exorbitante 20er-Liga sein können, ist die höchste hessische Amateurklasse bis dato offensichtlich für jede Überraschung gut.

So offenbarte der 5:0-Befreiungsschlag des FSV Fernwald gegen den TSV Steinbach-Haiger II tatsächlich, was in der hochgehandelten Mannschaft von Trainer Daniyel Bulut steckt. Die Fernwalder fingen dort an, wo sie zuvor im Gießener Waldstadion (noch äußerst unglücklich) aufgehört hatten. Das Potenzial, das auswärts in den letzten 20 Minuten steckte, wurde nun über 90 Minuten abgerufen. Was nicht nur Bulut erleichtert zur Kenntnis nahm, sondern auch die Tabelle mittlerweile relativierend aussagt: Denn auf Platz eins steht völlig überraschend der SV Steinbach, der am ersten Spieltag in Fernwald mit 3:1 überraschte. Ist der Abstiegskandidat der vergangen Saison auf einmal ein Geheimtipp? Denn die Osthessen siegten nun auch in Alzenau glatt mit 3:0. Und die Bayern sind in Hessen alles andere als Laufkundschaft, sondern gehören zum illustren Kreis der allerersten Aufstiegskandidaten. Was sie noch beweisen müssen. Nächsten Samstag bereits beim FC Gießen.

Ein guter Start jedenfalls sieht anders aus -- wie im Übrigen auch beim absoluten Top-Favoriten, die mit viel Verve und Vorschusslorbeeren ins Rennen geschickte U-Auswahl der Frankfurter Eintracht. Die hat schon zwei Niederlagen auf dem Konto. Das 1:2 beim Hanauer FC dürfte bei den Adlerträgern einige Bauchschmerzen verursachen. Denn so war das Kapitel der Rückbesinnung nicht gedacht. Schließlich strebt die Eintracht, nach dem Trugschluss, auch ohne 2. Mannschaft eine vernünftige Basis unterhalb der Bundesliga-Beletage schaffen zu können, höhere Ziele an. Spieler, wie der vom FC Bayern München gewechselte Marcel Wenig jedenfalls werden sich auf Dauer mit der 5. Liga nicht zufriedengeben. Aber diesmal, in Hanau, stahl ihm ein gewisser Cem Kara die Show. Kara? Da war doch was. Ja, der Doppeltorschütze der Hanauer hat sich auch beim FC Gießen - damals in der Aufstiegssaison gen Regionalliga - einen vortrefflichen Namen gemacht. Vor allem mit seinem präzisen Abschluss aus der Distanz und seinen eleganten Tempo-Dribblings bestach er bei der Elf von Daniyel Cimen.

Jener Cimen hätte am Samstag sicher gerne einen Kanonier der Marke Kara auf dem Platz gehabt. Nach der 0:1-Partie in Weidenhausen, 138 Kilometer entfernt in Hessens hohem Norden, musste der FC Gießen nach dem doch imposanten Auftritt vor eigenem Publikum gegen Fernwald, feststellen, dass die Bäume schon am Hohen Meißner nicht in den Himmel wachsen. Das alte Lied der mangelnden Chancenverwertung, in der Regionalliga als Gassenhauer Woche für Woche gesungen, liegt wieder auf dem FC-Plattenteller. Wie schon gegen Fernwald, so war auch in Weidenhausen der Abschluss unbefriedigend. Übrigens auch beim SC Waldgirmes, der doch etwas enttäuschend, aber zur Begründung immerhin auch personell gebeutelt, in die Hessenliga reingestolpert ist. Ein Unentschieden, zwei Niederlagen stehen in der Lahnaue zu Buche. Aber drei Spieltage von deren 38 sind weiß Fußballgott noch kein Maßstab.

Fernwalds Trainer Daniyel Bulut jedenfalls sah im Ausblick auf die Saison zwar einen gelungen Start (»wie man in die Runde reinklommt, ist entscheidend«) als ausgesprochen wichtig an, datierte diesen aber auf acht bis neun Spiele. Nächste Woche wissen wir mehr, Denn dann ist schon mal die Hälfte von Buluts Einstiegsthese gespielt.



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