01. August 2022, 15:48 Uhr

Mit Kutschfahrt und einer Turner-Torte

01. August 2022, 15:48 Uhr
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Aus der Redaktion
Schöner Abschied für die TV-Ikone: Norbert Junker.

»Danke Norbert« stand auf der Turner-Torte zum Abschied von Norbert Junker zu lesen. Doch nicht nur der Schriftzug, sondern vor allem die Turngeräte auf der Torte sorgten für große Gesichte. Ob es nun wirklich daran lag oder einen anderen Grund hatte, die Torte wurde restlos verspeist.

Mit Kutschfahrt und einer Turner-Torte wurde Norbert Junker nach 52 Jahren als Turn-Übungsleiter beim TV Großen-Linden verabschiedet. Abteilungsleiterin Christel Sarges dankte für »mehr als ein halbes Jahrhundert Einsatz für das Leistungsturnen in Großen-Linden«.

»Kein großes Brimborium« hatte sich der einen Tag nach seinem 82. Geburtstag als Übungsleiter aufhörende Junker gewünscht und diesem wurde auch gerne Folge geleistet. Und dennoch waren einstige Turnschüler aus Heidelberg, Weilburg, Niedergirmes, Wetzlar und Butzbach zur kleinen Abschiedsfeier gekommen. Zusammen mit Ferdinand Jelli gilt Junker als »Turn-Vater« des erfolgreichen Männer-Leistungsturnen beim TV Großen-Linden, dessen Turnteam sich mittlerweile in der 2. Turn-Bundesliga etabliert hat. Der Grundstock dafür wird in der Jugendarbeit gesetzt und über Jahrzehnte hinweg trainierte Norbert Junker die männlichen Leistungsturner von 9 bis 14 Jahre. Es werden rund 100 männliche Jugendturner gewesen sein, die unter Junker trainierten. Sein Paradeschüler ist dabei der 23-jährige Nico Horvath, der beim Turnteam Linden in der 2. Bundesliga zum Einsatz kommt.

Alles begann im Frühjahr 1970 und die ersten Turnstunden in der vereinseigenen TV-halle fanden dienstags und freitags statt. 1972 legte Junker an der Landessportschule erfolgreich die Prüfung zum Übungsleiterschein ab - und dann folgte ein schwieriger Spagat. »Arbeitsplatz in Frankfurt und turnen in der TV-Halle - das war nur möglich durch die große Ünterstützung durch meine Frau Heidi«, blickt Junker zurück und steckte mit seiner Übungsleiterbegeisterung auch seien Frau an, die wiederum 1974 den Übungsleiterschein machte und für ein Jahrzehnt das Mutter-Kind-Turnen im TV übernahm.

Gau-Wettkämpfe waren jährlich die sportlichen Höhepunkte. Und hier wollte Norbert Junker gemeinsam mit Horst Schaum, der ihn als Übungsleiter geworben hatte, bessere Erfolge erzielen und das Leistungsturnen beim Turnverein forcieren.

Durch die Erfolge auf Gauebene folgte der nächste Schritt mit der Qualifikation zu den Hessenmeisterschaften der Mannschaft wie auch auf Landesebene für Finalwettkämpfe. »Zu den Höhepunkten im Turnerleben gehört auch der Besuch von Landesund Bundesturnfesten. Und wir waren eigentlich immer mit einer beachtlichen Delegation vertreten. Erfolgreich waren wir nun auf Hessenebene. Martin Weber holte mit einer Mannschaft den ersten Hessischen Schülermeistertitel und Martin Friedrich und ich ließen noch weitere Titel- und Spitzenplatzierung folgen«, so Junker im Rückblick.

Verdienstkreuz

Doch bei all den sportlichen Meriten dürfen jene Erfolge - und eine Niederlage - neben der Matte nicht unerwähnt bleiben. In bester Erinnerung ist Junker die Japanfahrt mit der Deutschen Sportjugend im Simultanaustausch 1979, sein Mitwirken in der Baukommission beim Bau der Lindener Stadthalle 1981, wo aktuell die Wettkämpfe der 2. Turn-Bundesliga stattfinden. Nicht von Erfolg gekrönt war das 1984 erstmals veranstaltete Lindener Pokalturnen für Jugend und Schüler. Teilnehmer aus Mittel- und Südhessen kamen nach Linden, zeigten großartige Leistungen, doch das Interesse war gering. Wiederholungen 1985 und 1986 fanden ebenfalls kein Interesse in der Bevölkerung. Heute füllen bei den Turn-Wettkämpfen der 2. Bundesliga bis zu 500 Besucher die Halle.

Seine bei der Baukommission der Stadthalle gewonnen Erfahrungen brachte Junker dann 2010 mit ein, als es darum ging, die abgebrannte TV-halle wieder aufzubauen.

Das in all den Jahrzehnten auch zahlreiche Ehrungen erfolgten, soll nicht unerwähnt bleiben. So wurde Junker zuletzt 2017 die Ehrennadel in Silber des Hessischen Turnverband (HTV) verliehen, nachdem er bereits 1988 die Bronzene Ehrennadel des Deutschen Turner Bund (DTB) erhielt und für sein ehrenamtliches Wirken erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande 1991.



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