11. August 2022, 17:33 Uhr

IM INTERVIEW

»Gießen hat das gleiche Problem«

11. August 2022, 17:33 Uhr
TSU
Vorfreude: Trainer Angelo Barletta gastiert mit Bayern Alzenau in Gießen. Foto: Imago

. Eine Zeitreise in die Saison 2018/19: Der FC Gießen und der FC Bayern Alzenau, die heute aufs Neue aufeinandertreffen, waren das Top-Duo der Hessenliga. Am Ende stand der größtmögliche Erfolg, denn beide schafften es in die 4. Liga.

»Da kann kommen, was will, das bleibt im Kopf«, sagt Angelo Barletta, in der Aufstiegssaison Trainer der Alzenauer und nach Engagements bei den Offenbacher Kickers und dem FSV Frankfurt seit dem Winter wieder im Amt bei den »kleinen Bayern«. Was er damit meint: Es exisitert für ihn kein vorstellbares Szenario im Waldstadion, dass das hoch dramatische Erlebnis mit Happy End aus dem Mai 2019 toppen könnte.

Gießen war vor dem letzten Spieltag bereits aufgestiegen, die Alzenauer benötigten im direkten Duell einen Punkt, um Rang zwei und damit die Teilnahme an der Aufstiegsrunde (in der anschließend der Klassensprung bejubelt werden durfte) einzutüten.

Danach sah es nach 85 Minuten beileibe nicht aus - der FCG schoss da das 2:0. Im Interview spricht Barletta über dieses denkwürdige Match, aber auch über die Gegenwart und Zukunft seiner Mannschaft sowie den FC Gießen.

Herr Barletta, welche Erinnerungen haben Sie an die damalige Partie?

Dieses Spiel war so prägend, ganz besonders, weil eben so viel daran hing. Gießen war durch, sie mussten nicht, aber sie haben ein sehr faires und fokussiertes Spiel abgeliefert. Wir hatten nicht die Gießener Qualität, haben trotzdem mutig gespielt. Das 0:1 werde ich nicht vergessen, ein abgefälschter Schuss von Cem Kara. Nach dem 0:2 gingen alle Köpfe runter, mich hat das sehr aufgeregt, auch die Bank hat resigniert, ich habe gepoltert. Wahnsinn: dann ist alles zusammgekommen mit den beiden späten Toren in der Nachspielzeit - das 2:2 in der 90. Minute plus vier. Ich weiß nicht, ob es das ein zweites Mal geben wird. Jedenfalls fahre ich seitdem immer mit einem sehr guten Gefühl nach Gießen.

Der FCG hatte seinerzeit das Profitum etabliert und große Ambitionen. Daraus ist nichts geworden, die professionellen Bedingungen sind Geschichte und der Club möchte in der Hessenliga erstmal eine gute Rolle spielen. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Ich bin weit weg, von daher ist das für mich sehr schwierig zu beurteilen. Zunächst einmal schätze ich Daniyel Cimen sehr, er hat in Gießen sehr gute kontinuierliche Arbeit geleistet. Von Spielern hat man gehört, dass es wirtschaftliche Probleme gab. Nach der Fusion haben sie sich sicher mehr erträumt, da wirkte das auch sehr gut mit einer echten Struktur dahinter, sodass du auch mal auf die 3. Liga schielen kannst. Nun haben sie keine festen Strukturen, keinen richtigen Vorstand, und das macht es auch schwierig, sportlichen Erfolg zu generieren.

Daniyel Cimen war gezwungen, den Kader für diese Saison komplett neu aufzubauen. Worauf stellen Sie Ihre Mannschaft ein und was trauen Sie dem FCG für die Runde insgesamt zu?

Gießen hat einige junge, aber auch einige gestandene Spieler geholt. Das ist ein ähnlicher Mix wie bei uns. Wenn Leute wie Michael Fink oder Denis Mangafic ausfallen, kann das Probleme geben. Meine Jungs muss ich gegen einen Ex-Regionalligisten nicht motivieren. Da hat Gießen übrigens das gleiche Problem wie wir: alle sind gegen die ehemaligen Viertligisten hoch motiviert. Nach einem Abstieg ist es immer schwierig. Den Gießenern kann es gelingen, sich freizuschwimmen. Falls nicht, kann die Saison auch ungemütlich werden.

Welche Ziele hat Bayern Alzenau in diesem Jahr?

Wir sind in der Vorsaison in der Abstiegsrunde dem Abstieg entflohen. Es wird Jahre brauchen, dieses Jahr sind wir am Entwickeln.

Strebt der Club denn perspektivisch die Rückkehr in die Regionalliga an?

Ja, definitiv. Ich mag keine Stagnation. Wir haben tolle Leute hintendran und hätten schon für diese Saison die Möglichkeit gehabt, einen Kader auf die Beine zu stellen, der um den Aufstieg mitspielt. Aber es gibt auch die Themen Kabinen, Trainingsplätze, VIP-Räumlichkeiten. Da müssen wir jetzt nicht alles für die Mannschaft auf den Kopf hauen. Und so dauert es eben ein, zwei Jahre länger, ist dann aber in Sachen Infrastruktur gesund.



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