29. April 2022, 17:39 Uhr

Trainer

»Erstmal von Vereinsfußball erholen«

Im Blickpunkt: Peter Antschischkin legt nach langer und erfolgreicher Tätigkeit erst einmal eine Pause ein.
29. April 2022, 17:39 Uhr
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Peter Antschischkin mit Ansprache an Hanna Wudy. Foto: Bär

. Peter Antschischkin macht im Sommer bei Eintracht Lollar als Trainer der ersten Frauenmannschaft nach zwei Jahren Schluss. Seine Nachfolgerin steht bereits fest: Die 35 Jahre alte Marisoll Cassandra Thielmann, Betreuerin der Regionalauswahl Gießen/Marburg im Bereich U12 und U14 übernimmt die Betreuung des Hessenligisten. Antschischkin betont, man sei nicht im Bösen geschieden. Sowohl zur Mannschaft, als auch zum Vorstand bestehe nach wie vor ein gutes Verhältnis.

Der 67-Jährige, der auf zahlreiche Stationen als Trainer und auch als Spiel zurückblicken kann, bleibt damit seinem Grundsatz treu, der da lautet: Zwei oder drei Jahre als Trainer in einem Verein reichen. Dann habe sich das Verhältnis abgenutzt, neue Impulse müssen her. Aktuell konzentriert er sich auf ein gutes Abschneiden der Mannschaft in der Aufstiegsrunde der Hessenliga. Ob, und wenn ja wie, es dann weitergeht, weiß er noch nicht. Erstmal will er sich »vom Vereinsfußball erholen«.

Fußball spielt für Antschischkin im Augenblick nicht die erste Geige. Er ist entsetzt über die Bilder vom russischen Überfall auf die Ukraine. Da seine Eltern Ende des Zweiten Weltkriegs, also vor seiner Geburt, in der Nähe von Bad Hersfeld, aus der Ukraine flüchten mussten - seine Mutter war deutschstämmig - hat er ein besonders Verhältnis zu dem osteuropäischen Land.

Dem runden Leder jagt Peter Antschischkin von Kindesbeinen an nach. Anfangs kickte er auf der Straße. Später, mit zehn Jahren, spielte er im Verein in Schenklengsfeld. Die knapp fünf Kilometer zum Training fuhr er mit dem Fahrrad. Schmunzelnd erinnert sich Antschischkin an seinen ersten Auftritt: »Mir hatte niemand erklärt, was abseits ist. Ich bin ständig hineingetappt.« Das änderte sich schnell. Im Alter von 16 Jahren spielte Antschischkin bei Hessen Hersfeld in der Verbandsliga, damals die höchste hessische Spielklasse, in der A-Jugend, später in der ersten Herren-Mannschaft im defensiven Mittelfeld. Seine Spezialität waren Fernschüsse und Kopfbälle. Mit 18 verwandelte er eine Ecke direkt - ein Highlight.

Die Bundeswehr verschlug Antschischkin nach der Grundausbildung 1974 zunächst nach Ingolstadt, dann nach Lich, wo der Vater eines Sohns und einer Tochter noch heute mit seiner Frau lebt. Nach der Verpflichtung als Berufssoldat stieg er in der Luftwaffe die Karriereleiter bis zum Hauptmann empor. Einsatzorte waren Köln, Iserlohn, Fürstenfeldbruck und nahe Nürnberg, bevor Antschischkin erneut in Lich in einer Flugabwehreinheit landete. Das Regiment wurde jedoch nach einem Jahr aufgelöst und er nach Haiger-Burbach verlegt. Zwölf Jahre lang pendelte er täglich 80 Kilometer. Als das Regiment aufgelöst wurde, ließ er sich 2004 nach 30 Dienstjahren im Alter von 50 Jahren frühpensionieren und konzentrierte sich auf die Trainertätigkeit im Herrenbereich, die er 1986 begonnen hatte.

VfB-A-Jugend höchstes Niveau

Stationen im heimischen Raum: 1992 Bezirksliga VfR Lich, 1994 Spielertrainer in Oberbessingen/Münster, 1996 Spielertrainer beim TuS Rockenberg Bezirksliga, VfR Lich Landesliga, Inheiden, Langsdorf, Kinzenbach, SV Garbenteich, SG Laubach/Wetterfeld/Ruppertsburg Aufstieg in Gruppenliga, Bessingen Kreisoberliga. Die zwei Jahre A-Jugend des VfB Gießen in der Hessenliga waren für Peter Antschischkin »vom Niveau her mit das Beste meiner Laufbahn«. 2017 folgte der Wechsel zu den Frauen des Verbandsligisten TSV Klein-Linden, 2020 zu Eintracht Lollar.

Nach der Bundeswehrzeit übernahm der Fußballbesessene 2005 auch die Regionalauswahl Gießen/Marburg der Mädchen U12 und U14. Aktuell ist der 67-Jährige Co-Trainer der U16-Hessenauswahl. Seit zwölf Jahren ist er zudem mit dem DFB-Mobil unterwegs. Ziel ist der Brückenschlag zwischen Schulen und Vereinen.

Während seiner Trainerlaufbahn hat Peter Antschischkin viel erlebt. Der Umgang mit den Spielern habe sich stark verändert, vor allem hinsichtlich der Fähigkeit, mit Kritik umzugehen. »Darauf muss man als Trainer reagieren«, sagt Antschischkin. Er legt zwar großen Wert auf körperliche Fitness, aber die Medizinbälle bleiben mittlerweile zu Hause und extensive Waldläufe sind auch nicht mehr angesagt. Die Frage, ob er einen Kasernenton auf dem Platz pflegt, verneint der ehemalige Zeitsoldat, der für seine kurzen, knappen Ansagen und klaren Worte bekannt ist. Damit wolle er vermeiden, die Spieler mit zu komplexen Aufgaben zu überfordern. Wichtig ist ihm Kreativität und Flexibilität. Jeder Spieler soll mehrere Positionen bekleiden.

Aufgrund seiner Erfahrungen ist Antschischkin überzeugt, dass ein Trainer geschlechterspezifisch unterschiedliche Formen der Ansprache wählen muss. »Frauen und Mädchen hören grundsätzlich konzentrierter zu als Männer und Jungen und hinterfragen viel«, sagt er. »Oft denken sie aber viel zu weit voraus. Das macht die Arbeit manchmal kompliziert.« Aber jetzt hat Peter Antschischkin sowieso erst einmal Pause.



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