30. Dezember 2020, 16:00 Uhr

Silvesterlauf

Virtuelles Wagnis

Der Silvesterlauf erfindet sich neu und wendet sich mit einem komplett virtuellen Angebot an die mittelhessische Szene. Die Theimer-Brüder vom LAZ Gießen erklären im Interview das Konzept.
30. Dezember 2020, 16:00 Uhr
Die Zwillingsbrüder Martin (r.) und Jörg Theimer arbeiten beim Silvesterlauf seit jeher eng zusammen. PM

Auch 2020 steigt am letzten Tag des Jahres der Sparkasse-Gießen-Silvesterlauf. Das Traditionsevent fällt trotz Corona nicht aus und erlebt seine 48. Auflage am Donnerstag in virtueller Form. Der Anmeldeschluss (laz-giessen.de) ist bis Mittwoch (12 Uhr) verlängert worden. Hinter der Organisation stehen seit Jahren die Zwillinge Martin und Jörg Theimer. Im Gespräch erklären die Vereinsvertreter des LAZ Gießen das neue Ausrichtungskonzept.

Martin Theimer, Sie sind seit einigen Jahren der LAZ-Vorsitzende. Wie kam es zur Idee, den Silvesterlauf virtuell auszurichten?

Martin Theimer: Wir haben es als einziger Verein in Mittelhessen gewagt, etwas Virtuelles zu machen. Als im März der Frühjahrslauf der LGV Marathon abgesagt wurde, habe ich schon zu meinem Bruder gesagt, dass wir uns rechtzeitig eine Alternative überlegen sollten. Zusammen mit einem Partner aus Österreich haben wir dann das Projekt gestartet. Es ist uns wichtig, dass wir auch für unsere langjährigen Partner eine Präsenz zeigen, dies gilt besonders für den Namensgeber der Veranstaltung.

Warum gerade mit einem Partner aus dem Nachbarland?

Jörg Theimer: Ich bin schon seit fast drei Jahren berufsbedingt Teilzeit-Wiener und bin vor Ort des Öfteren schon als Sportfotograf unterwegs gewesen. So habe ich Kontakt zu V-Race.at bekommen. Die bisherige Organisation und Abwicklung läuft bestens, es ist also der richtige Partner zur rechten Zeit.

War nicht die Hoffnung im Sommer da, den Lauf in der normalen Variante durchführen zu können?

Martin Theimer: Wir sind in den letzten Jahren mit bis zu 900 Teilnehmern zu einem der größten Läufe in Mittelhessen herangewachsen. Das Raumkonzept und die Hygiene- und Abstandregeln im Philosophikum hätten das nicht zugelassen. Es war somit schnell klar, dass wir einen anderen Weg gehen mussten.

Was ist so besonders an diesem anderen Weg?

Jörg Theimer: Der Wettkampftag verläuft anders als gewohnt: Die Leute können laufen, egal wo sie sind. Offizieller Start des Silvesterlaufs ist um 10 Uhr an der »virtuellen Startlinie« - auch wenn man die anderen nicht sieht, läuft man doch gedanklich gemeinsam los. Startpunkt, Streckenverlauf und Ziel legt man aber selbst fest. Es werden also überall in Mittelhessen Läufer mit Startnummern unterwegs sein, weit verstreut zwar, aber virtuell verbunden. Die Streckenaufzeichnung erfolgt mit einer Lauf-Uhr oder einer Lauf-App. Die Zeit wird mit einem Beweisbild über einen Upload-Link zur Ergebnislistenauswertung transferiert. Alle Teilnehmer können sich ihre Startnummer sowie später eine Urkunde ausdrucken.

Das Wettkampfprogramm wurde um das »Gassi gehen« erweitert. Was hat es damit auf sich?

Martin Theimer: Wir sind immer offen für neue Ideen, und so haben wir in der Corona-Zeit an die Hundebesitzer gedacht. Auf einer Distanz von 2,5 km können sich so nicht nur die Vierbeiner betätigen. Für alle anderen werden wie gewohnt die Strecken über fünf und zehn Kilometer sowie die Halbmarathondistanz angeboten.

Welcher Zeit- und Arbeitsaufwand steckt hinter der Organisation der diesjährigen Veranstaltung?

Jörg Theimer: Das ist in diesem Jahr viel mehr Zeitaufwand im Vorfeld als bei einem normalen Lauf. Am Veranstaltungstag ist es dann eher entspannt, denn es gibt keinen Auf- und Abbau, keine Einteilung der Streckenposten, keinen Verkauf vor Ort und vieles mehr. Bereits im Mai haben wir mit den Partnern gesprochen und unsere Idee kommuniziert. Es ist uns sogar gelungen, neue Unterstützer zu finden. Im Anschluss wurden die Printdokumente wie Flyer, Banner und die Urkunden produziert. Die Hauptarbeit startete ab Oktober, um den Lauf in die Öffentlichkeit zu bringen. Da der Volkslauf in Treis und die Winterlaufserien nicht stattfanden, musste das Internet herhalten.

Martin Theimer: Ich bin nicht so Social-Media-affin, doch die Idee ist, dass alle ein Teil des gemeinsamen Laufes werden. Das Ergebnis ist überwältigend: Die bislang gemeldeten 705 Teilnehmer kommen aus acht Ländern.

Wer hat sich um Social Media gekümmert?

Jörg Theimer: Das ist dann eher mein Aufgabengebiet. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Wir haben erstmalig Onlinewerbung in den Social-Media-Kanälen geschaltet. Auf unseren Instagram- und Facebook-Plattformen versuchen wir, dass die Teilnehmer aktiv in den Lauf eingebunden werden. Das passiert nach der Anmeldung und vor, während oder nach dem Lauf mit Bild- und Video-Posts. Die Teilnehmer haben in der heutigen Zeit ein Mitteilungsbedürfnis, das wir nutzen. So entsteht das »Sei dabei - werde ein Teil davon«-Gefühl.

Wie sieht die Planung für das nächste Jahr aus?

Martin Theimer: Wir haben den Lauf für den 31. Dezember 2021 terminiert und hoffen auf eine normale Durchführung. Sollte dies nicht funktionieren, haben wir ja jetzt eine gute Alternative.

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