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Sehnsucht nach dem Oberhaus

Die ersten drei Plätze in der 2. Fußball-Bundesliga sind vor dem letzten Spieltag am Sonntag (15.30 Uhr) vergeben an den VfL Bochum, Holstein Kiel und die SpVgg Greuther Fürth. Aber wer steigt direkt auf und wer geht in die Relegation?
21. Mai 2021, 22:01 Uhr
Redaktion
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Den Aufstieg in die Bundesliga will der VfL Bochum um Robert Zulj am Sonntag bejubeln. DPA

Der Sonntag verspricht im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg knisternde Spannung. Wir blicken voraus und wagen eine Prognose.

VfL Bochum: Es ist schon eine ganze Weile her, dass der Traditionsklub von der Castroper Straße in Bochum letztmals in der deutschen Eliteliga kickte. In der Saison 2009/10 war das, da verschliss der VfL gleich vier Trainer in 34 Runden. Marcel Koller, Frank Heinemann, Heiko Herrlich und schließlich gar die Bochumer Vereinsikone Dariusz Wosz - alle versuchten zu retten, was am Ende nicht zu retten war.

Seitdem hoffen sie in Bochum natürlich regelmäßig auf eine Rückkehr ins Oberhaus. Nach elf wechselhaften Jahren Zweitligafußball könnte es bald so weit sein: Ligaspiele gegen Bayern, Dortmund, Schalk... ach nee, da war ja was.

Wenn den Bochumer Profis in den vergangenen Wochen nicht regelmäßig die eigenen Nerven diverse Streiche gespielt hätten, stünden sie wohl schon längst als Erstligaersatz für den Ruhrpott-Rivalen aus Gelsenkirchen parat. Der VfL spielt eine herausragende Saison, rein fußballerisch war in dieser Runde kein Konkurrent besser. Aber: Von den vergangenen drei Partien gewann die Truppe von Trainer Thomas Reis eben nur eine, der einstmals riesige Vorsprung ist ein relativ kleiner geworden, die Angst davor, den Aufstieg noch zu vermasseln, dagegen gewachsen.

Letztes Spiel: SV Sandhausen (H). - Prognose: Tief im Westen wird am Sonntag die Zweitliga-Meisterschaft und der Aufstieg gefeiert.

Holstein Kiel: Der Kieler Trainer Ole Werner kann in diesen Tagen das machen, wofür er zwecks seines Postens auch vorgesehen ist: seine Mannschaft trainieren. Erstmals seit Februar gestaltet der jüngste Coach im deutschen Profifußball, 33, wieder eine komplette Übungswoche. »Toll« sei das, sagt Werner. So was hatte es bei den Norddeutschen schlicht nicht gegeben in den vergangenen Wochen und Monaten. Insgesamt 28 Tage Corona-Quarantäne verbannten die Kieler erst aufs Sofa und dann fast ausnahmslos aufs Grün. Seit Mitte April musste das Team in nicht mal einem Monat acht Spiel austragen, ein Monsterprogramm, in dem die Mannschaft erst heranrückte an die Konkurrenz, dann vorbeizog und sich auch vom Rückschlag am Sonntag in Karlsruhe (2:3) den verdienten Lohn nicht mehr nehmen lassen will. Müdigkeit hin, Nervosität her.

Ein Heimsieg gegen den SV Darmstadt, und der Kieler Aufstieg wäre fix. Trotz der immensen Bedeutung des Spiels verzichten die Kieler dabei auf Fans im Stadion. So hatte die Stadt einen Modellversuch angeregt, aufgrund der niedrigen Inzidenz doch einige Menschen ins Stadion zu holen, die KSV Holstein aber lehnte dankend ab und will keine Sonderrolle. Eine wohltuende Einschätzung der Lage, der Anerkennung gebührt - ebenso wie dem Team nach dieser storchenstarken Saison.

Letztes Spiel: Darmstadt 98 (H). - Prognose: Kiel gewinnt, Schleswig-Holstein bekommt seinen ersten Bundesligisten.

Spvgg. Greuther Fürth: Acht Jahre ist es her, dass die Fürther in der Bundesliga spielten, zum ersten und bislang einzigen Mal. Enttäuscht zwar, aber mit fränkischem Gleichmut ertrug die Spielvereinigung damals die Rückkehr in Liga zwei, ihrem natürlichen Habitat - unangefochten sind die Fürther der Rekordzweitligist, mit den meisten Spielen und den meisten Toren. Zu wissen, wo man herkommt, war noch nie die schlechteste Ausgangslage für Abenteuer, und es ist diese grundlegende Bodenständigkeit der Fürther, die sie nun erneut an die Schwelle zur Erstklassigkeit geführt hat.

Das solide Wirtschaften hat dazu geführt, dass die Franken entspannt beobachten konnten, wie ein paar Bundesligisten von oben an ihnen vorbeirauschten, auch der ungeliebte Nachbar aus Nürnberg. Die Verantwortlichen um Sportchef Rachid Azzouzi haben sich die Zeit genommen, ein Fundament aufzubauen, von dem aus Höheres erreichbar ist, ohne zum Zwang zu werden. Azzouzi sagt: »Für die Stimmung ist natürlich schon gut, dass du ein Etappenziel, und zwar unter den besten drei in der Liga zu sein, geschafft hast. Jetzt können wir nur gewinnen!« Soll der direkte Aufstieg her, ist ein Sieg gegen Düsseldorf Pflicht fürs stets offensiv ausgerichtete Team von Trainer Stefan Leitl. Der Rest ist Schicksal.

Letztes Spiel: Düsseldorf (H). - Prognose: Die Mittelfranken schlagen Düsseldorf, doch die Konkurrenz lässt sich nicht lumpen - Relegation.

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