24. Mai 2021, 19:54 Uhr

Abschied mit Anstand

Eintracht Frankfurts Führungscrew hat trotz der zuletzt aufgetretenen Dissonanzen mit Trainer Adi Hütter und Sport- Vorstand Fredi Bobic dem erfolgreichen Duo einen würdevollen Abschied bereitet.
24. Mai 2021, 19:54 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Gute Laune versprühen nach dem 3:1-Sieg gegen Freiburg Sportvorstand Fredi Bobic, Trainer Adi Hütter und Sportdirektor Bruno Hübner (v. l.), die Eintracht Frankfurt verlassen. IMAGO

Allen Misstönen, Unstimmigkeiten und einer großen Enttäuschung zum Trotz hat Eintracht Frankfurt Trainer Adi Hütter und Sport-Vorstand Fredi Bobic mit Anstand verabschiedet. »Für beide gilt: Sie haben überperformt im Sinne des sportlichen Erfolges. Sie haben den Club besser gemacht«, bilanzierte Axel Hellmann, Vorstandssprecher des Fußball-Bundesligisten. »Wer so erfolgreich arbeitet, geht bei der Eintracht durch das große Tor.«

Trotz der »Irrungen und Wirrungen der letzten Tage«, sei es eine »herausragende Zusammenarbeit« gewesen, an deren Ende er den Erfolg nicht »kaputtreden« wolle. Dennoch verhehlte Hellmann angesichts des schmerzlichen Verpassens des Einzugs in die Champions League nicht, »hin- und hergerissen zu sein« zwischen den Fakten und den Gefühlen. Nach dem blamablen 3:4 beim FC Schalke 04 hatte er Bobic und Hütter, die die Eintracht mit 60 Punkten auf Platz fünf und in die Europa League führten, Schönfärberei vorgeworfen.

»Wenn man sieben Spieltage vor Schluss sieben Punkte Vorsprung hat, kann man nicht gleich zur Tagesordnung übergehen«, bekräftigte Hellmann. Trotz der Dissonanzen habe es am Samstag nach dem 3:1 gegen den SC Freiburg eine würdevolle Verabschiedung gegeben: »Es gab keine Verstimmung und Distanzen. Keiner hat einen Bogen um den anderen gemacht.« Zugleich räumte er auch ein, dass »gewisse Dinge wechselseitig ein paar Tage brauchen, bis man über alles hinweg« sei.

Dies demonstrierten die Baumeister der sportlichen Erfolge schon während der Partie gegen Freiburg. Auf Einladung von Hütter verfolgten Bobic und der ebenfalls scheidende Sportdirektor Bruno Hübner das letzte Spiel von der Frankfurter Bank und nicht von der Loge. »Wir haben Einigkeit gezeigt. Wir wollten zeigen, dass wir sportlich eine Einheit sind«, erklärte Hütter. »Es hat Spaß gemacht.«

Abgesehen davon verzichtete der Österreicher auf eine Abrechnung und die Nennung der »wahren Gründe« für seinen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach. »Ich gehe mit einem guten Gefühl, mit viel Wehmut und einem weinenden Auge«, sagte Hütter. »Ich habe nach dem Spiel gespürt, dass die Tränen einfach da waren.«

Die Nachfolge für den zu Hertha BSC wechselnden Bobic wird Markus Krösche offiziell am 1. Juni als Sport-Vorstand am Main antreten. Für Hütter ist bisher noch kein neuer Chefcoach verpflichtet worden. »Noch kann kein weißer Rauch aufsteigen. Dies wird zeitnah erfolgen, in sieben bis zehn Tagen«, kündigte Finanz-Vorstand Oliver Frankenbach an - ohne auf Spekulationen um Oliver Glasner (VfL Wolfsburg), Domenico Tedesco (zuletzt Spartak Moskau) oder Raúl (Real Madrid) einzugehen.

Trotz des verpassten Königsklassen-Tickets erwartet Hellmann keinen Ausverkauf von Topspielern wie Torjäger André Silva, Daichi Kamada, Evan N’Dicka oder Filip Kostic. »Wir werden viele Spieler beim Trainingsauftakt wiedersehen«, sagte er. Ob dies auch für den Portugiesen Silva gelten wird, der mit 28 Toren zweitbester Stürmer nach Bayern-Star Robert Lewandowski ist? »Silva ist einer der heißesten Stürmer auf den europäischen Markt«, weiß auch Hellmann.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos