02. November 2019, 06:00 Uhr

Keltenwelt am Glauberg

Keltenfunde in 3D

In der Keltenwelt am Glauberg sind 3D-Scans von wertvollen Fundstücken gemacht worden. Diese Technik eröffnet der Forschung viele Möglichkeiten.
02. November 2019, 06:00 Uhr

An die 2500 Jahre hat die Schnabelkanne unter der Erde gelegen. Die Kelten vom Glauberg hatten sie einst bei der Bestattung ihres Fürsten in dessen Grab gelegt. Ebenso wie weitere prunkvolle Grabbeigaben - einen Goldhalsring, eine Fibel, ein Schwert. Doch dort unter der Erde gerieten sie für viele Jahrhunderte in Vergessenheit. Bis in die 1990er. Das Grab wurde entdeckt und geöffnet. Was zum Vorschein kam, war eine wissenschaftliche Sensation - und der Beginn der Keltenwelt am Glauberg. 2011 hat das Museum auf dem Berg eröffnet, auf dem einst die Kelten lebten. Archäologen haben zahlreiche Gegenstände aus einer längst vergangenen Zeit dort oben gefunden. Schmuck, Schwerter, Gefäße. All das steht heute in Vitrinen. Anfassen verboten. Transportieren nur unter größten Vorsichtsmaßnahmen.

So wie vergangene Woche. Die Stücke mussten zum Teil aus den Vitrinen herausgeholt werden. Ein Team vom Fraunhofer-Institut aus Darmstadt arbeitete in der Keltenwelt. Matevz Domajnko und Sara Akhlaq waren mit einem 3D-Scanner gekommen. Ihre Aufgabe: In stundenlanger Detailarbeit fertigten sie dreidimensionale Modelle von den Fundstücken des Museums an. Im Ergebnis bedeutet das: Wenn die 3D-Scans fertig sind, lassen sie sich digital begutachten, drehen, auf den Kopf stellen. So, als habe man sie direkt vor sich, aber ohne sie anfassen zu müssen. »Wir können jetzt mit den Objekten arbeiten, als hielten wir sie in der Hand«, sagt Dr. Axel Posluschny, Leiter des Forschungszentrums. Denn die Fundstücke, etwa die Kanne, können als 3D-Scan aus allen möglichen Perspektiven betrachtet werden. Wie sieht die Rückseite aus? Wie sehen die Verzierungen im Detail aus?

Wie Museumsleiterin Dr. Vera Rupp erklärt, hat diese Technik zwei Vorteile für die Keltenwelt. Einmal für Forscher auf der ganzen Welt. Wenn zum Beispiel ein Wissenschaftler in Frankreich zu den Kelten forscht und dazu Stücke vom Glauberg betrachten möchte, kann die Keltenwelt ihm die Digitalmodelle zur Verfügung stellen. Bisher gab es immer nur die Möglichkeit, zweidimensionale Fotos zu versenden.

Digitales Museum geplant

Doch nicht nur für die Forschung sei das von Vorteil, sagt Rupp. Auch für Museumsbesucher komme mit den Modellen eine neue Perspektive auf die Stücke hinzu. Sowohl vor Ort als auch im Internet. Geplant sei, die Scans auf der Homepage der Keltenwelt unter der Rubrik »digitales Museum« zur Verfügung zu stellen - eben auch, um mit der Zeit zu gehen. Ob das nicht den Museumsbesuch erspart? Im Gegenteil, glaubt Lars Corsmeyer von der Keltenwelt. Bestes Gegenbeispiel: die Mona Lisa. Sie ist überall als Replik anzuschauen, »und doch kommen jedes Jahr Millionen Besucher, um sie im Original zu sehen.«

Technisch gesehen entstehen die Scans aus unzähligen Fotos. Dazu werden die Objekte auf einem Drehteller installiert. An einem Roboterarm ist eine Kamera befestigt, die Fotos von dem Objekt aus sämtlichen Perspektiven macht. Diese Unmengen an Fotos, rund 1200, werden schließlich mit einem Computerprogramm zu einem virtuellen Objekt zusammengefügt.

Das klingt erst einmal nach einer recht automatisierten Technik. Tatsächlich aber steckt eine Menge Feinarbeit dahinter, erklärt Christoph Röder von der Keltenwelt. Die Objekte sind sehr alt, zerbrechlich und vor allem einzigartig. Um sie aus den Vitrinen zu holen, sind Restaurierungsexperten im Team, die wissen, wie sie einen 2500 Jahre alten Armreif anfassen, ohne dass er bricht. Auch ein Spezialist für Ausstellungstechnik, Jenz Volz, arbeitet mit.

Da es eine zeitaufwendige Sache ist und da die Landesmittel vorerst begrenzt seien auf 30 000 Euro, haben sich die Museumsmitarbeiter auf die wertvollsten Stücke konzentriert: die Kanne, das Schwert und die Fibel aus Fürstengrab eins. Lanzen aus dem zweiten Grab, die Fibel aus dem dritten Grab.

Langfristig jedoch, sagt Museumsleiterin Rupp, ist es geplant, alle Stücke zu scannen. Auch im Hinblick auf Kulturgüterschutz, um die Stücke für die Zukunft zu bewahren, ergänzt Posluschny: »Das hier sind Funde von einmaligem Wert, und wir wissen nicht, was in 50 oder 100 Jahren ist.«

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