30. Juli 2019, 20:17 Uhr

Für die Tagesalarmbereitschaft in zehn Jahren

30. Juli 2019, 20:17 Uhr
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Von Holger Hachenburger

Kinder für den Brandschutz zu sensibilisieren, kann nicht früh genug passieren. »Auch die Kleinen können im Notfall helfen, den Rettungsdienst rufen oder leichte Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen«, weiß Dorn-Assenheims Wehrführer Boris Dönges. Dank Kinderfeuerwehrwart Joshua Scoggins gibt es mittlerweile eine Kinderfeuerwehr - und die Nachfrage ist groß.

Den Kleinen wird dort die Arbeit der Einsatzabteilung kindgerecht erklärt. Sie lernen die Schutzausrüstung und Löschfahrzeuge kennen. Gefragt sind aber auch soziale Fähigkeiten oder die Integration am Wohnort. Während in der Jugendfeuerwehr Aufgaben und Techniken mit der Zielsetzung der Übernahme in die Einsatzabteilung formuliert werden, liegt bei den Kleinen der Fokus auf Spiel und Spaß. Sie erfahren zudem, dass Teamwork und Hilfsbereitschaft wichtige gesellschaftliche Werte sind.

Das »rote Auto mit dem blauen Licht« finde er besonders cool, erzählte einer der Jungen beim WZ-Besuch. Kürzlich war ein Feuerwehrmann in voller Atemschutzmontur zu bestaunen. Die junge Truppe durfte unter Blaulicht und Sirene im Löschfahrzeug mitfahren, das anschließend genau inspiziert wurde. Scoggins erklärte, wo Schläuche, Pumpe oder Atemschutzausrüstung zu finden sind. Kreativ führt er die Kleinen an die Aufgaben heran: Wie wird eine Schlauchleitung aufgebaut? Welche Strahlrohrvarianten und Hydranten gibt es? Das Löschfahrzeug dient dabei als Kulisse für Ratespiele. Einmal klebte er Zahlen an die Rolltore des Gerätehauses, damit die Kleinen mit dem Strahlrohr Zielgenauigkeit und Konzentration trainieren konnten.

»Wir müssen das von der Pike auf entwickeln«, sagt Scoggins. Bei der Brandschutzerziehung in der Kita werde er häufig gefragt: »Wann kann ich zur Feuerwehr kommen?« Bislang gab es nur eine Antwort: »Wenn du zehn bist.« Dann erst startet die Jugendfeuerwehr - was für den potenziellen Nachwuchs eine Wartezeit von oft fünf Jahren bedeutet. Konsequenz: Die Kinder gehen anderen Hobbys wie Fußballspielen nach. Die Jugendarbeit dort habe ihn motiviert, sagt Scoggins. Statt auf Konkurrenz setzte er auf Kooperation, stimmte Übungspläne und Spiele ab, um »Fußball und Feuerwehr unter einen Hut zu bekommen«.

Dass letztere ein Nachwuchsproblem hat, sorgt auch Stadtbrandinspektor Nicklas Pipperek. »Noch steht es um die Reichelsheimer Wehren gut, doch der demografische Wandel ist bereits zu spüren.« Gewinne man jetzt nicht die ganz Kleinen, habe man in zehn Jahren ein Problem - nicht nur mit der Tagesalarmbereitschaft. Pipperek regt stadtteilübergreifende Alarmübungen an, denn die aktuell fünf Kinderfeuerwehren sind dezentral organisiert. »Ich bin sehr dankbar, was hier passiert«, lobt er das Engagement von Scoggins. Er differenziere bei den Aufgabenstellungen und nehme so Rücksicht auf die persönliche Entwicklung der Kinder.

Der Nachwuchs scheint nur darauf gewartet zu haben: Die Nachfrage ist groß, 13 Kinder sind derzeit dabei. Der Übungsplan hängt in der Kita aus, die Kleinen bringen Freunde mit. Bei der letzten Übung waren wieder zwei neue dabei. »Die Kinder fragen auf der Straße nach dem nächsten Termin.« Das freue ihn am meisten, sagt Scoggins.

Geübt wird jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 15.30 Uhr. Wer Lust hat, kommt vorbei. Eltern können sich unter kindergruppe@ff-dorn-assenheim.de melden.



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