20. August 2019, 08:00 Uhr

B-Plan geändert

Ärztehaus auf dem Raiffeisengelände kann kommen

Einstimmig haben die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung die Änderung des Bebauungsplans für das ehemalige Raiffeisengelände beschlossen. Nun ist der Weg frei für ein Ärztehaus.
20. August 2019, 08:00 Uhr
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Von Oliver Potengowski

Diese Anpassungen waren notwendig, wie Bürgermeister Bertin Bischofsberger erläuterte, um einerseits die Veränderungen, die sich seit der Aufstellung des letzten Plans 2011 ergeben hatten, zu berücksichtigen. Andererseits musste der Plan abgeändert werden, um den Bau des geplanten Ärztehauses zu ermöglichen (die WZ berichtete).

Ein eingeschossiges Praxisgebäude mit rund 400 Quadratmetern Grundfläche und Pultdach möchte Dr. Matthias Herrmann zusammen mit dem Bindsachsener Installateur Michael Kessler an der Ecke Bad Nauheimer Straße/Raiffeisenstraße errichten. Dies wäre nach dem bisherigen B-Plan für das Grundstück aber nicht genehmigungsfähig gewesen. Weder die Baufenster (die Bereiche, des Grundstücks, auf denen gebaut werden darf) noch die Dachform hätten dem Entwurf des Praxisgebäudes entsprochen. Bisher waren im B-Plan keine Pultdächer vorgesehen.

Weder Sex-Shops noch Spielhöllen

Deshalb werden in dem neuen Plan mehrere Baufenster zu einem zusammengelegt. Auch die Mindestwandhöhe wird reduziert, da das Praxisgebäude niedriger werden soll, als es der B-Plan bisher vorsah. Außerdem wird eine stärkere Grundstücksausnutzung als bisher vorgesehen zulässig. Das sei notwendig, um eine ausreichende Zahl Stellplätze auf dem Grundstück unterbringen zu können, erläuterte Bischofsberger.

Eine nahezu eben so große Zahl an Änderungen im B-Plan, wie sie für die Genehmigung des Praxisgebäude erforderlich sind, sei durch die Entwicklungen in dem Gebiet seit der Aufstellung des letzten B-Plans notwendig. Dazu zähle, dass der Grenzabstand zu einer inzwischen von der Bahn errichteten Fahrradabstellanlage geringer als nach der Hessischen Bauordnung vorgeschrieben sein darf, nannte der Bürgermeister ein Beispiel. Weiterhin sollen künftig im gesamten Plangebiet Einzelhandelsgeschäfte zulässig sein. Bischofsberger betonte, auch künftig sollten aber keine »Sex-Shops« oder »Spielhöllen« in dem Gebiet eröffnet werden.

»Die Vorlage ist aus Sicht der CDU nur eine Minimallösung«, sagte Dr. Erich Sehrt. Dennoch werde seine Fraktion zustimmen, um die Ärzte in Reichelsheim zu halten. Alle Schwierigkeiten, die sich ergäben, müssten diesem Ziel untergeordnet werden. »Es ist für uns ein bitterer Beigeschmack, dass ein Gesamtkonzept in weite Ferne rückt.« Sehrt kritisierte, dass für die Realisierung des Ärztehauses der Bebauungsplan in 17 Punkten geändert werden müsse. Als die Firma Depant ein Konzept zur Entwicklung der gesamten Brachfläche vorgelegt habe, seien die Stadtverordneten nicht zu einer entsprechenden Änderung bereit gewesen. »Wir erleben, dass die Wirtschaft sich abkühlt«, sagte Sehrt. Daher sei es wenig wahrscheinlich, dass ein neuer Investor Interesse an den restlichen Flächen habe. »Die 40 Wohnungen, die Einzelhandelsgeschäfte, die sind weg«, bedauerte er den Verlust des Depant-Projekts.

Rainer Schauermann (SPD) meinte, dass es in kleinen Kommunen immer schwerer sei, eine große Lösung zu finden, als in großen Städten. Bereits mit der Ansiedlung des Netto-Marktes habe man eine Teilentwicklung des Gebiets nach Prioritäten begonnen, die mit der jetzigen Arztpraxis fortgesetzt werde. »Welche Möglichkeit hätten wir gehabt, wenn ein Investor nach zehn Jahren der Arztpraxis gekündigt hätte?«, nannte er ein Argument, das nach seiner Ansicht gegen das Projekt sprach. Ein Investor denke immer wirtschaftlich. »Das, was hier realisiert wird, ist eine dauerhafte Lösung weit über die 15 Jahre hinaus«, erläuterte er, warum er bevorzuge, dass Dr. Herrmann seine eigene Praxis baue. Die notwendigen Änderungen im B-Plan seien vergleichbar gering.

Hans-Günter Scholz (FW) betonte, dass mit dem Praxisneubau auch die ärztliche Versorgung über Reichelsheim hinaus gesichert werde. Er erinnerte daran, dass das Depant-Projekt bereits ansässigen Geschäften wie der Eisdiele oder der Apotheke Konkurrenz gemacht hätte.



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