06. Juni 2013, 10:48 Uhr

Open-Air-Kino: »Gemütlich knatternd und undigital«

Friedberg (jw). Der Juni wird in Friedberg zum Kino-Monat. An sechs Abenden werden beim Open-Air-Kino im Rathauspark drei deutsche und drei internationale Filme gezeigt, vom ersten Teil der »Hobbit«-Trilogie bis zum Blockbuster »Django Unchained« von Quentin Tarantino. Dazu gibt es an vier Abenden Livemusik, die Jugendfeuerwehr hält Essen und Getränke bereit und der Rathauspark sorgt für ein unvergleichliches Ambiente.
06. Juni 2013, 10:48 Uhr
Open-Air-Kino unter Linden und Kastanien (v. l.): Hans-Albert Wunderer, Peter Ziebarth und Jürgen Umsonst präsentieren drei Plakate von insgesamt sechs Filmen. (Foto: Wagner)

Erster Stadtrat Peter Ziebarth, Jugendpfleger Jürgen Umsonst und Kinobetreiber Hans-Albert Wunderer stellten jetzt im Rathaus das Programm vor. Das Wetter, das in letzter Zeit verrückt spielt, bereitet ihnen keine Sorge: Erstens wird’s besser und zweitens gilt: »Gespielt wird immer.« So, meinte Ziebarth, könne das Motto der Open-Air-Reihe lauten. Selbst wenn’s in den letzten Jahren regnete, der historische 35-Millimeter-Projektor in Wunderers nicht minder historischem Campingwagen surrte und zauberte Geschichten auf die Leinwand. Ziebarth schwärmt vom einzigartigen Ambiente im Rathauspark mit den alten Kastanien und den duftenden Linden, wo man sich während der Vorstellung Bier und Knabberzeug gönnt und sich, wenn’s kühler wird, in eine mollige Decke einmümmelt. 4 D-Kino, sozusagen.

Die 3D-Technik kommt im Rathauspark allerdings nicht zum Einsatz. Das gibt der alte Projektor nicht her, der ausgewählte Werke der Filmkunst »gemütlich knatternd und total undigital« (Ziebarth) an die Großleinwand wirft. Dass es diesmal statt vier sogar sechs Filme sind, hängt laut Wunderer damit zusammen, dass der logistische Aufwand größer ist. Die Pavillons im Park wurden abgerissen, in ihnen lagerten bislang die Materialien. Ein knallroter Doppelachsen-Bauwagen der Jugendfeuerwehr, die von Anfang an beim Open-Air-Kino ehrenamtlich dabei ist, soll für Abhilfe sorgen.

Jetzt zum Programm: Am Freitag, 14. Juni, läuft der »Schlussmacher«, eine Komödie mit Matthias Schweighöfer über eine Trennungsagentur. Sehr witzig und klasse gespielt. Im Vorprogramm ab 21 Uhr (die Filme beginnen gegen 22.15 Uhr bei Einbruch der Dunkelheit) spielt der Singer-Songwriter »Domi, Bade!« (beim Wetterauer Bandcontest gerade erst mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet) mit seiner Band Lieder »über Freundschaft, Frauen und das Leben«. Am Samstag, 15. Juni, folgt der »Hobbit«, der mit Gandalf, Thorin Eichenschild und den anderen Zwergen den Drachen Smaug bekämpft. Ein Bildersturm, auch ohne 3 D. »Viele ältere Kinobesucher ziehen die normale Version vor«, weiß Wunderer. Der Film hat Überlänge, daher entfällt das Vorprogramm.

Sechs Filme, vier Mal Musik

Weiter geht’s am Freitag, 21. Juni, mit »Oh Boy«, eine schwarz-weiß fotografierte und mit Jazzmusik unterlegte Tragikomödie mit einer ganzen Reihe erstklassiger Schauspieler wie Tom Schilling, Katharina Schüttler oder Friederike Kempter. Im Vorprogramm spielt Stage Flakes, deren Sängerin Nadine Dannehl gewissermaßen zum Inventar des Open-Air-Kinos gehört, und das nicht ohne Grund. Am Samstag, 22. Juni, läuft das mit vier Oscars ausgezeichnete Abenteuer-Drama »Life of Pi« von Ang Lee: Ein Junge und ein Tiger allein auf einem Rettungsboot – ein überraschender Film. Im Vorprogramm (wenig überraschend und von den Fans erwartet): Nadine Dannehl solo. Den Schlusspunkt setzen wieder ein deutscher und ein amerikanischer Film: »Jesus liebt mich«, eine romantische Komödie mit der bezaubernden Jessica Schwarz und Frauenschwarm Florian David Fitz, der den nahenden Weltuntergang am nächsten Dienstag vorbereitet. Zuvor (vor Weltuntergang und Filmvorführung) spielt das musikalische Multitalent Luke Monis, der als Instrumentalpädagoge und durch Auftritte im Friedberger Junity bekannt ist.

Am Samstag, 29. Juni, gibt’s dann noch mal Kino pur: Der mit zwei Oscars ausgezeichnete Western »Django Unchained« von Quentin Tarantino war, wie die Verantwortlichen verrieten, ihr gemeinsamer Wunschfilm. »Papa, den musst du dir ansehen«, hörte Ziebarth von seinem Sohn, und auch Umsonst und Wunderer haben den Film noch nicht gesehen, in dem Christoph Waltz als Kopfgeldjäger und Jamie Foxx als entlaufener Sklave einen Rachefeldzug starten. Ein gewaltiges Kinoerlebnis, allerdings erst ab 16 Jahren.

Der Stadtjugendring unterstützt die Veranstaltungsreihe, die in den letzten Jahren stets gut besucht war. Meist kommen 150 bis 200 Zuschauer, Rekord war 2009 »Ice Age 3« mit 600 Zuschauern. Die Reihe werde fortgesetzt, versprachen die Kinomacher, allerdings werden immer weniger Filmkopien im 35-Millimeter-Format in den Verleih gegeben. Irgendwann hat das alte Filmvorführgerät ausgedient. Ein Grund mehr, sich noch einmal von ihm im Rathauspark verzaubern zu lassen – gemütlich knatternd und total undigital.

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