Vogelsbergkreis

Zeitsoldat als Augenzeuge

Eine Informationsveranstaltung zum Thema »Afghanistan-Einsatz« fand jetzt im »Jägerhof« statt. Zu der von Lars Krüger, Reservistenkameradschaft (RK) Lanzenhain organisierten Veranstaltung waren zahlreiche Mitglieder der RK Lanzenhain, Maar, Lautertal, Alsfeld und Eiterfeld sowie vom DRK Kreisverband Lauterbach Kreisbereitschaftsleiter Björn Keilwerth erschienen.
24. Juni 2022, 21:39 Uhr
Dieter Graulich
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Referent Ronny Liewehr (Mitte) erhält von Edwin Stein und Lars Krüger ein Präsent. FOTO: AU

Eine Informationsveranstaltung zum Thema »Afghanistan-Einsatz« fand jetzt im »Jägerhof« statt. Zu der von Lars Krüger, Reservistenkameradschaft (RK) Lanzenhain organisierten Veranstaltung waren zahlreiche Mitglieder der RK Lanzenhain, Maar, Lautertal, Alsfeld und Eiterfeld sowie vom DRK Kreisverband Lauterbach Kreisbereitschaftsleiter Björn Keilwerth erschienen.

Als Referent hatte Krüger den Hauptfeldwebel (HFw) d. R. Ronny Liewehr gewinnen können, der 2007 für sechs Monate mit dem 14. Einsatzkontingent in Afghanistan im Feldlager Masari-Sharif im Bereich Logistik eingesetzt war.

Liewehr war als Zeitsoldat zwölf Jahre bei der Bundeswehr und bei der einst in Nordhessen stationierten Panzerbrigade 14 überwiegend in Stabsverwendungen eingesetzt.

In einem Powerpoint-Vortrag gab der Referent zunächst einen Überblick über die Geographische Lage und die Klimatischen Verhältnisse des Einsatzgebietes. So sei die Bundeswehr im Norden des Landes eingesetzt gewesen und habe überwiegend die Ortskräfte wie zum Beispiel eine Wäscherei unterstützt. Bilder aus dem Lager Masari-Sharif zeigten unter anderen den Aufbau eines Krankenhauses in dem auch zivile afghanische Menschen durch die Bundeswehr, nach deutschem Standard behandelt wurden. Arztbesuche der einheimischen Bevölkerung seien fast unmöglich, da rund 80 Prozent der Ärzte in Kabul tätig seien.

Liewehr verdeutlichte, dass die Menschen dort unter völlig anderen Umständen lebten: »Afghanistan ist wie im Mittelalter, nur mit Handy. Die Menschen sammeln Plastikflaschen und verbrennen sie, zwecks Wärmegewinnung«.

Fotos zeigten auch eine Patrouillentätigkeit mit einem ungepanzerten Geländewagen »Wolf«, die damals noch an der Tagesordnung waren. Dies sei ab 2009 nicht mehr möglich gewesen, da die Angriffe auf die Bundeswehr zugenommen hätten. Rund 60 gefallene deutsche Soldaten insgesamt seien die traurige Bilanz des Afghanistan Einsatzes.

Bilder der einheimischen Bevölkerung und von der Unterstützung einer Operation der US-Armee mit dem Aufbau einer SAN-Station, sowie einem Sandsturm beeindruckten die Anwesenden. Kleine Videoclips lockerten den Vortrag auf. Im Anschluss erfolge eine Aussprache. Lars Krüger und Edwin Stein überreichten dem Referent abschließend ein Präsent als Dank für den sehr informativen Vortrag. Als Gast nahm Oberst i. G. der Reserve Dr. Ulf Köster an der Veranstaltung teil. Er ist Reserveoffizier und im Bundesministerium der Verteidigung in der Abteilung Strategie und Einsatz als Referatsleiter beordert und zurzeit auch dort aktiv.

Er war im Internet auf den Vortrag aufmerksam geworden und hatte sich dann bei Oberst d. R. Willi Dechert angemeldet, da er an diesem Tag in Hessen unterwegs war. Beide kennen sich schon seit über 20 Jahren und haben in verschiedenen Einheiten gemeinsam gedient.

Bei einem anschließenden Kameradschaftsabend im »Eulenfang« wurde noch lebhaft über den Vortrag diskutiert.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/zeitsoldat-als-augenzeuge;art74,820868

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