27. Mai 2022, 21:43 Uhr

Wald-Klima-Tour eröffnet

27. Mai 2022, 21:43 Uhr
GKM
Dr. Martin Jatho an einer der Info-Tafeln im Wald. FOTO: GKM

Das 1990 entstandene Naturerlebnishaus Heideberg in Kirtorf nahm jetzt den Start eines neuen Projekts zum Anlass, seinen Gründer Adolf »Dolf« Böhm besonders zu ehren. Am Gebäude des Ausbildungs-Zentrums für Natur- und Umweltbildung im Vogelsbergkreis (AZN), wie der vollständige Titel der Einrichtung lautet, wurde in Anwesenheit der Witwe Ingrid Böhm eine Erinnerungstafel angebracht. Anschließend eröffnete der Leiter des Bildungszentrums Dr. Martin Jatho die neue »Wald-Klima-Tour.«

Bevor es auf die knapp zweistündige Tour durch den Kirtorfer Stadtwald ging, würdigten die an dem Projekt mitwirkenden Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung den Gründer des AZN und dessen heutiges Wirken für die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Insbesondere auf die verschiedenen Angebote des Landes, die über Einrichtungen wie das AZN vermittelt werden, ging Andreas Öhlschläger vom Referat des Hessischen Umweltministeriums ein. Das »AZN ist ein echter BNE-Leuchtturm« lobte er zusammenfassend dessen Engagement und Angebotsqualität.

Neue lokale Strategie

Neben dem Ministerium unterstützen auch der Vogelsbergkreis und die Stadt das AZN. Für den Kreis würdigte Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak (CDU) den Beitrag des AZN zur Vermittlung von Wissen zu den wichtigen Zusammenhängen von Klima- und Umweltschutz insbesondere auch durch die neue Wald-Klima-Tour. Er wies darauf hin, dass diese aus Mitteln des LEADER-Programms der Europäischen Union gefördert wurde und ordnete sie in die Politik des Vogelsbergkreises für den Natur- und Umweltschutz ein. Aktuell habe sich dieser eine »neue lokale Entwicklungsstrategie« gegeben, die als wichtiges Ziel die Förderung der Artenvielfalt (Biodiversität) beinhalte. Dafür werde der Landkreis ab dem nächsten Jahr jeweils eine Million Euro bereitstellen.

Der Erste Kreisbeigeordnete würdigte Dolf Böhm als »Pionier« der Bildung für Natur- und Umweltschutzzusammenhänge und verband damit den Auftrag, »dieses Erbe weiterzugeben«.

Auch Kirtorfs Bürgermeister Andreas Fey (SPD) stellte die Verdienste des AZN-Gründers heraus und begründete damit die Enthüllung einer Gedenktafel am Gebäude des Bildungshauses. Im Zusammenhang mit der Wald-Klima-Tour machte er deutlich, wie sehr sich die Bedeutung des Waldes als Wirtschaftsfaktor bereits geändert habe.

Am Beispiel des Haushalts der Stadt erläuterte er, dass dieser zwar immer noch Einnahmen von 80 000 Euro pro Jahr bringe, der Aufwand für seine Erhaltung jedoch mittlerweile bei 120 000 Euro liege. »Wir müssen mehr in den Wald investieren, damit er uns überhaupt erhalten bleibt.«

Für den Förderverein hob dessen Vorsitzender Prof. Peter Ebke die Bedeutung der Idee des AZN-Gründers, mit dem Wissen um ökologische Zusammenhänge in die Schulen zu gehen, besonders hervor. Wie er würdigten andere Weggefährten des Geehrten, wie der ehemalige Leiter des Forstreviers Karl-Heinz Zulauf dessen persönliches Engagement.

Menschen zum Handeln bewegen

»Seine Vision einer Bildung mit Herz, Hand und Verstand, die mehr möchte als Wissen vermitteln, sondern auch Menschen zum Handeln bewegt,« sei weiterhin prägend für die Arbeit des AZN, die heute im Begriff der Bildung für nachhaltige Entwicklung Niederschlag gefunden habe, schloss sich dessen Leiter Martin Jatho an. Er betonte, dass ein Projekt wie die Wald-Klima-Tour nur als »Gemeinschaftsaktion« möglich geworden sei und dankte allen Beteiligten.

Anschließend begaben sich die rund 60 Teilnehmenden auf die erste Waldtour. Auf einem etwa drei Kilometer langen Rundweg hat das AZN zehn Stationen eingerichtet, die Zusammenhänge zum Thema erläutern. Dabei geht es nicht nur um die grundlegende Funktion des Waldes als wichtiger CO2-Speicher, sondern auch um Holzprodukte, den Wald als Wasserspeicher und das Ärgernis von im Wald abgelagertem Müll.

Die einzelnen Info-Tafeln erläutern anschaulich, worum es geht. So wird beispielsweise die Leistung einer Buche für die CO2-Speicherung mit 12,5 Kilogramm pro Jahr angegeben. Das entspreche der Menge des Treibhausgases, die bei der Produktion von zwei Kilo Rindfleisch, der Herstellung einer halben Jeans oder einer Autofahrt von 83 Kilometern entsteht.

Der einzelne Mensch erzeuge, so erfährt der interessierte Waldbesuchende weiter, jährlich etwa 10 000 Kilo CO2. Um diese Emission auszugleichen, wäre die Anpflanzung von 20 Buchen pro Jahr nötig. Über Fragen des Klimaschutzes im engeren Sinn hinaus richtet die Wald-Klima-Tour die Aufmerksamkeit auch auf eine nachhaltige Nutzung der Ressource Holz. So wird erläutert, wo sich eine Kaskadennutzung diese wertvollen Rohstoffs anbietet - statt ihn »nur« in den Ofen zu stecken. »Je länger ein Holzprodukt im Kreislauf bleibt, desto größer ist der positive Effekt für das Klima«, erläutert Tafel Nr. 5 und erwähnt den Weg vom Holzbalken über Tisch und Bilderrahmen als mögliche Folgenutzungen.

Diskussionen anregen

Konkrete Handlungsempfehlungen verbinden die Tafeln mit den gegebenen Informationen nicht. »Ziel ist es, wissenschaftlich gesicherte Informationen zu dem Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Wald zu geben und zum Nachdenken anzuregen. Wir sind zuversichtlich, dass sich daraus im Freundeskreis, der Familie und anderen Zusammenhängen Diskussionen ergeben, die zu einem Handeln in Richtung nachhaltiger Entwicklung führen«, erläutert Jatho.



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