15. Februar 2021, 21:10 Uhr

Wärmt am Fuß und im Garten

Lockdown gefühlt ohne Ende - und vieles, was man sonst in der Freizeit macht, geht gerade nicht. Gut, wenn man auf dem Land lebt und ein Hobby hat, das absolut coronakonform ist. Corinna Marx kann sich in diesen Tagen in Homberg an ihren Webstuhl oder das Spinnrad setzen und Feines aus Wolle entstehen lassen.
15. Februar 2021, 21:10 Uhr
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Von Kerstin Schneider
Corinna Marx an ihrem Webstuhl in der Neumühle bei Homberg. FOTO: KS

Schon vor 30 Jahren hat Corinna Marx das textile Gestalten für sich entdeckt, und das Spinnrad, das früher in den Dörfern zur Grundausstattung gehörte. Die »Spinnstube« war der Treffpunkt, wo man auch die neuesten Nachrichten austauschte.

Eine Tante und die beste Freundin hatten Corinna Marx das Stricken beigebracht: »Bei den beiden war immer etwas auf der Nadel.« Die Lieferanten für die Wolle laufen bei Marx und ihrem Ehemann an der Neumühle zwischen Büßfel und Homberg direkt vor der Haustür herum. Dort züchten die beiden unter anderem die Rasse Coburger Fuchs, die vom Aussterben bedroht ist.

Die Vierbeiner liefern eine robuste Wolle, die unter den geschickten Händen von Corinna Marx nicht nur zu Socken wird, sondern beispielsweise zu strapazierfähigen Läufern für Treppenaufgänge.

Einmal pro Jahr werden die Schafe geschoren und die Wolle weiterverarbeitet. Was das so gewonnene Produkt angeht, so beklagen etliche Züchter seit Jahren den Verfall der Preise. »Aber es ist schade, wenn ein so guter Rohstoff weggeworfen wird«, sagt Marx. Eine sehr stark verschmutzte Ausgangsware, die nicht für die Weiterverarbeitung taugt, wird nicht weggeworfen. Sie dient bei den Gartenfreunden im Winter als Frostschutz für empfindliche Pflanzen. Auch »Schafpellets« kann man daraus herstellen und als Dünger im Garten nutzen.

Für Wolle hat Marx inzwischen viele Verwendungsmöglichkeiten entdeckt. Die Fäden werden außer zu Socken oder Pullovern zu Bankauflagen, Stuhlkissen oder Katzenkörben. Eine weitere originelle Idee sind spezielle Handschuhe für Arthrose-Geplagte, bei denen sich die Fingerkuppen abklappen lassen. »Für Jäger eignen die sich auch gut«, fügt Marx an.

Und was ihre Socken auszeichnet, ist ein weiteres Plus: die Ferse, die naturgemäß schneller als andere Stellen durchscheuert, kann einfach wieder neu angestrickt werden. Sogar als Einlage für Bettwaren wird ihre Wolle geschätzt, hier arbeitet sie mit einem Hersteller aus Görlitz zusammen: »Ist ja auch alles super Bio, nichts mit Pestiziden.« Am Webstuhl entstehen zudem Handtücher oder Tischdecken.

Regelmäßig war Marx in den vergangenen Jahren mit ihren Waren auf dem Weihnachtsmarkt in Homberg oder beim Markt in der Alten Kelterei in Arnshain, beides fiel im vergangenen Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. Deshalb wurde auf Vorrat produziert, im Winter verkaufen sich die Wollsachen erfahrungsgemäß besser.

Sie hat auch schon Spinnkurse angeboten, und in normalen Zeiten außerhalb der Pandemie treffen sich interessierte Frauen aus Homberg und Umgebung bei ihr in einer offenen Gruppe. »Wir machen uns dann einen vergnügten Nachmittag«, so Marx in der Hoffnung, dass dies nach dem Überwinden der Corona-Krise wieder möglich sein wird.

In den Vorjahren betrieb sie eine Herdbuchzucht, aber der Schafbock musste irgendwann weichen, zumal sie »keine Tiere mehr schlachten wollte«. Einige Lämmer, es gab viele Zwillinge, waren zudem »Flaschenkinder« und entsprechend betreuungsintensiv. Die promovierte Tierärztin stammt ursprünglich aus Königstein im Taunus, pendelte über Jahre zwischen Praxis und Wohnort in der ehemaligen Mühle bei Homberg hin und her, die 2004 bezogen wurde: »Wir wollten einfach mehr Platz für die Tiere haben.« Neben Schafen tummeln sich im Sommer auch Vertreter des Roten Höhenviehes auf den Weiden rund um den Hof, gezüchtet von ihrem Mann. Drei Pferde, Hühner, eine Gans, zwei Katzen und ein Hütehund machen die vierbeinige Bewohnerschar auf dem Hof komplett. »Natürlich macht jedes Tier Arbeit«, erzählt Marx. Und trotzdem komme so viel zurück: »Gerade Schafe sind so brave und freundliche Tiere. Die kommen sogar nachts angelaufen, wenn ich sie rufe.«



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