16. Juni 2022, 19:07 Uhr

Szenen aus acht Jahrhunderten

16. Juni 2022, 19:07 Uhr
BUL
Turbulent geht es zeitweilig beim Theater der Marktspielgruppe zu, wie sich bei den Proben zeigt. Die Aufführungen mit passenden Kostümen und Requisiten sind am Samstag und Sonntag auf dem Marktplatz. FOTO: JOL

Hut ab - 800 Jahre Stadt Alsfeld, die Highlights der Feierlichkeiten gehen weiter: Am Samstag und Sonntag um 17 Uhr präsentiert die Alsfelder Marktspielgruppe auf dem Marktplatz ein besonderes Geschenk. Auf dem Programm steht die Bühnen-Revue durch acht Jahrhunderte« Alsfelder Zeitgeschichte.

»Zur Feier des Stadtjubiläums ein großes Marktspiel oder nicht?«, stellte sich für die Regisseurinnen Johanna Mildner und Jenny Wagner, Kostümbildnerin Ruth Henkel und Requisiteurin Inge Zuschlag bereits im Frühjahr 2021 die Frage aller Fragen. »800 Jahre epochale Zeitgeschichte vom Mittelalter bis in die heutige Moderne liefert aber eine Fülle an Stoff«, waren sich Mildner und Wagner einig. Findig-kreativ wie sie sind, fanden die Frauen eine zauberhafte Lösung zur Komprimierung der Historie auf bedeutsame Streiflichter aus acht Jahrhunderten im szenischem Spiel. Eine Stippvisite im Nähatelier von Ruth Henkel zeigt, dass sie nun im Endspurt sind.

Mildner und Wagner haben sich durch die historische Geschichte der Stadt gekämpft. Erst schrieben sie ihr Gedankengut und szenische Vorstellungen dazu für die Marktspielgruppe mit humorvollen, mitunter nachhallender Würze für Erwachsene und Kinder auf. Kostüm-Spezialistin Ruth Henkel setzte die Ideen in über 80 den Zeiten adäquat angepasste Kleider mithilfe der Maßschneiderinnen der Max-Eyth-Schule um. Mittelalter, Renaissance, Barock, Romantik, Biedermeier, Gründerzeit und die Moderne haben ihren eigenen Stil.

Gut ausgestattet

Weit über 250 Meter Stoff hat die fleißige Modistin dabei allein für die Ausstattung von zehn nagelneuen Kostüm-Sets für die 25 Darsteller im Alter von 11 bis 73 Jahren neu vernäht. »Den Stoffballen ausgerollt, kommt die Länge dessen etwa dem Streckenbereich Obergasse, Marktplatz bis Anfang Mainzer Tor gleich«, sagt das Theater-Trio. Dabei arbeitete die bereits im Ruhestand befindliche Schneiderin Marianne Keißner mit, die kurzerhand ältere Kostüme zur Freude aller ausbesserte, plaudert Ruth Henkel aus ihrem Nähkästchen.

Wie seit vielen Jahren war bei den Requisiten Inge Zuschlag am Werk. »Wir sagen nur so viel - vom traditionellen Salzekuchen bis zur Totenhand«, bringt Jenny Wagner deren breite Ideenspanne auf den Punkt. Nicht unerwähnt darf der Beitrag des städtischen Bauhofs um Bernd Schmidt bleiben, mit ihrem offenen Ohr für »Special Effects« wie einen mobilen Triller. Mit dabnei ist auch Musiker Dirk Lindemann mit seinem Sound zur Bereicherung der Revue.

In der Marktspielgruppe wirken mehr als zwei Dutzend bekannte und neu hinzu gekommene Persönlichkeiten mit, ohne deren Spielfreude auf der Bühne alle Vorbereitungen vergebens wären. Damen, Herren und Kinder ziehen allesamt an einem Strang. Sie stellen sich der Herausforderung von der Rollenverteilung, über das Auswendiglernen der Texte, bis hin zu den intensiven Proben, bis alles sitzt.

»Trotz parallel gelaufenem Wintermärchen«, erinnern die vielseitig involvierten Regisseurinnen an die monatelange Doppelbelastung ihrer Freizeit-Schauspieler mit einem dicken Lob: »Hier sind Profi-Amateure am Werk - unsere Marktspielgruppe ist einfach spitze!«

Weitere Termine

Die heiße Bühnenphase zur Revue sei längst angelaufen, jetzt werde lediglich noch bis zur Premiere am Samstag an den Feinheiten gebügelt und geschliffen, spricht Jenny Wagners Bügelfreude Bände.

Der Countdown also läuft und dann werden am Samstag ab 17 Uhr bei der Premiere die Mühen aller sichtbar: dann räumt die Alsfelder Marktspielgruppe zum ersten Mal auf der Bühne am Marktplatz auf mit den geschichtsträchtigen Episoden und Kapiteln über ein mittelalterlich geprägtes Leben in der Stadt Alsfeld in den letzten acht Jahrhunderten. Und das Publikum darf gespannt sein und staunen, wie sich manches historische Ereignis nach der intensiven Recherche der Kulturschaffenden dargestellt oder ereignet hat. Nicht immer waren die Kassen der Stadt leer, die Menschen egoistisch oder in Notzeiten am Jammern…

Mit dem Startschuss als Premiere findet bis zum ersten Juli-Wochenende an jedem Samstag und Sonntag um 17 Uhr eine Open-Air-Aufführung auf dem Marktplatz statt. Der Eintritt ist frei.



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