20. Mai 2022, 21:55 Uhr

Laborergebnisse zu Baustopp an der A 49 liegen vor

20. Mai 2022, 21:55 Uhr
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Aus der Redaktion
Abgedeckte Erdhügel auf der Trasse der A 49 im Herrenwald bei Stadtallendorf. Nach dem Fund von Sprengstoffspuren im Boden sind die Bauarbeiten zur A49 stellenweise gestoppt worden. FOTO: DPA

Nachdem kürzlich bei Erdarbeiten an der Artilleriestraße im Trassenbereich der Autobahntrasse der 49 kleine gelbe »Klümpchen« im Bodenaushub gefunden wurden, ist dort ein Baustopp verhängt worden. Ziel ist es, die altlastenfachlich relevante Feststellung des Sachverhalts sicher zu gewährleisten. Die hierzu vom Regierungspräsidium (RP) Gießen geforderten beauftragten Analytik-Ergebnisse liegen nun vor.

Mehrere Proben aus dem Haufwerk wurden laboranalytisch auf sprengstofftypische Verbindungen untersucht, mit dem Ergebnis, dass im ausgehobenen und analysierten Bodenmaterial nur geringe Mengen Hexyl nachgewiesen wurden. So ergab die Analyse der repräsentativen Beprobung mit insgesamt 14 Mischproben aus 56 Einzelproben des Haufwerks Hexyl-Gehalte zwischen 0,36 mg/kg und 15 mg/kg. In drei Proben konnte kein Hexyl nachgewiesen werden. Die nachgewiesenen Gehalte in den Mischproben unterschreiten deutlich den Grenzwert von 50 mg/kg für Hexyl, der als Bewertungsgrundlage dient und als Zielwert bei den bisherigen Sanierungen im Wasag-Gebiet maßgeblich war.

Die optisch auffälligen, gelben »Klümpchen«, die vereinzelt im Bodenaushub bzw. Haufwerk vorgefunden wurden, sind separat beprobt worden. Sie weisen hohe Hexyl-Belastungen von 1800 mg/kg und 4200 mg/kg auf. Weitere analysierte sprengstofftypische Verbindungen konnten in keiner Probe nachgewiesen werden.

»Vorher keine Verdachtsmomente«

Das ausgehobene Erdmaterial mit gelben Klümpchen und den bestätigten Hexyl-Funden entstammt dem Straßenunterbau der Artilleriestraße im Trassenbereich der A 49 bis in eine Tiefe von circa einem Meter. »In diesem klar abgegrenzten Bereich lagen bislang keine Verdachtsmomente vor«. Deshalb seien im Vorfeld der A 49-Bauarbeiten dort keine Untersuchungen auf sprengstofftypische Verbindungen durchgeführt worden.

»Dieser Abschnitt war deshalb auch nicht Gegenstand der vor Baubeginn erfolgten Altlastensanierung,« so das Regierungspräsidium. Für den betroffenen Bereich gelte nach wie vor der seit vergangener Woche verhängte Baustopp. Zudem wurde das belastete Bodenmaterial separiert und durch Folienabdeckung gegen Verwehung und Auswaschung gesichert. Außerdem wurden auch am Ausbauort vorsorglich mehrere Sicherungsmaßnahmen ergriffen, um dort ebenfalls eine Ausbreitung potenziell vorhandener Verunreinigungen zu unterbinden.

Wegen der bisherigen Ergebnisse stehen jetzt zum einen weitergehende Erkundungen an, um eine mögliche stoffliche Verunreinigung im Baufeld einzugrenzen. Zum anderen ist das separierte Bodenmaterial in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Gießen ordnungsgemäß zu entsorgen.

Das RP Gießen werde die Öffentlichkeit über den weiteren Verlauf informieren. Eine mögliche Erklärung für die Hexyl-Funde ist, dass die Artilleriestraße in den 1950er-Jahren dort in Form einer Überbauung auf einer alten, aus Kriegszeiten stammenden Straße errichtet wurde und hierbei mit Hexyl belastetes Auffüllmaterial verwendet worden sein könnte.

Alte Straße?

Das heißt, es wurde seinerzeit aus bautechnischen Gründen auf die damals dort bereits bestehende Straße eine Untergrundschicht für die neue Artilleriestraße aufgetragen. Das hierfür verwendete Material stammte vermutlich aus dem Wasag-Gebiet und enthielt deshalb wahrscheinlich punktuell Hexyl-Belastungen, etwa aus Bauwerken, die nach dem Krieg dort gesprengt worden sind. Genau rekonstruieren lasse sich dieser Zusammenhang nach inzwischen rund 70 Jahren allerdings nicht mehr.



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