08. Juli 2022, 22:13 Uhr

Klezmer und Lied für die Ukraine

08. Juli 2022, 22:13 Uhr
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Von Joachim Legatis
Elizabeth Schwartz, Sasha Yasinski und Yale Strom begeistern bei Konzerten in Ober-Gleen und Schotten. FOTO: JOL

Da tanzten die Besucher in der Alten Synagoge. Das Yale Strom-Trio sorgte beim Konzert im Kulturhaus Ober-Gleen dieser Tage für beschwingte Stimmung. Mit einem Mix aus südosteuropäischer Klezmermusik, weißrussischen Melodien und Liedern von hessischen Hochzeiten kam das Ensemble aus San Diego und Prag sehr gut an. Weitere Stationen waren in Schotten, wo die Musiker in der Grundschule und der Liebfrauenkirche begeisternde Auftritte lieferten.

Die kleine Konzertreihe zeigt ganz nebenbei, wie sich Kulturinitiativen im Kreis ergänzen. Veranstalter in Ober-Gleen war der Heimatverein Kirtorf mit Unterstützung der Kulturförderung Vogelsberg, in Schotten ermöglichten TraVogelsberg und der Förderverein Jüdische Geschichte die beiden Auftritte.

Anrührend schon der Beginn des Konzerts in Ober-Gleen. Mit einem »Happy Birthday« begrüßten die gut 50 Besucherinnen und Besucher Yale Strom. Er und seine Frau Elizabeth Schwartz treten bereits zum dritten Mal in der ehemaligen Synagoge auf, wie Helmut Meß vom Heimatverein sagte. In der Liebfrauenkirche Schotten erlebten gut 70 Menschen das Konzert. Diesmal begleitete sie Sasha Yasinski auf dem Akkordeon. Der ausgebildete Konzertmusiker aus Weißrussland, der in Prag lebt, bildete mit dem vielseitigen Instrument eine wunderbare Rythmussektion und zeigte bei Soli seine Klasse. Ein Solostück nach einer weißrussischen Melodie widmete er den Opfern des Krieges in der Ukraine und den Menschen, die in Weißrussland gegen eine Diktatur kämpfen.

Gewohnt vituos zeigte sich Yale Strom auf der Geige und mit Gesang. Er lebt geradezu die südosteuropäischen Lieder, die er bei Besuchen in Rumänien und Nachbarländern gesammelt hat. Dabei sind die Klezmerstücke oft eine Mischung aus alten Volksliedern und Melodien, die jüdische Musiker aus ihrer Umgebung aufgenommen haben. So spielten jüdische und Roma-Musiker in einigen Bands zusammen. Es verband sie, dass beide Volksgruppen Minderheiten in Tschechien und Rumänien bildeten, wie Strom erläuterte. Gefragt waren sie bei Hochzeiten und Festen der eigenen Volksgruppen.

Strom hatte auch hessische Stücke im Repertoire, die Regionalforscherin Monika Felsing gefunden hat. Sie sind ruhiger und nicht so dynamisch wie die südosteuropäischen Beiträge. Sängerin Elizabeth Schwartz zeigte sich mit ihrer warmen Altstimme in bester Form. Zum Tragen kam dies besonders bei einem Stück aus der Bukowina, das zum Festtag Simchat Thora gesungen wird. Darin wird erzählt, wie begeistert die jüdische Gemeinde feiert, wenn die Thora einmal durchgelesen ist und die Gemeinde wieder mit dem ersten Abschnitt beginnt. Das ist Anlass für ein Fest mit Tanz und Wein, »alls sind glücklich«, so Schwartz.

Eine Besonderheit bildete das Gesprächskonzert in der Grundschule Schotten. Yale Strom und Sasha Yasinski spielten und bezogen die knapp 90 Kinder mit ein, sie sangen zusammen und hatten Spaß. Ganz nebenbei schlugen sie musikalische Brücken zwischen West- und Osteuropa, zwischen jüdischer Tradition und christlichem Alltag.



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