04. August 2022, 21:12 Uhr

Für lichte Kronen im Apfelbaum

04. August 2022, 21:12 Uhr
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Von Herbert Schott
Mit Tipps von Manfred Schlosser machen sich Teilnehmer an das Beschneiden der Äste. FOTO: HSO

Fachwart Manfred Schlosser vom Obst- und Gartenbauverein Groß-Felda/Kestrich (OGV) favorisiert eindeutig den Sommerschnitt an den Obstgehölzen und erläuterte besonders die Ausdünnung der Fruchtstände. Dies wurde beim jüngsten Schnittlehrgang des Vereins in der Obstbaumanlage »Im Saugarten« deutlich. Zu diesem Termin trafen sich zahlreiche Interessierte, um ihr Wissen in Bezug auf den Obstbaumschnitt zu vertiefen oder zu erlangen.

Vorsitzende Kerstin Wahl begrüßte besonders Vorstandsmitglied Ingo Klar, der den Fachwarte Lehrgang erfolgreich abgeschlossen hat. Schlosser erläuterte das Konzept »Arbeiten mit der Natur und nicht gegen die Natur«. So wies er auf die Bedeutung der Streuobstwiesen für Natur- und Umweltschutz hin. Diese seien für die Vogelwelt und viele Kleintiere bevorzugte Rückzugsorte. Im Hausgarten sollte man ruhig eine Ecke naturbelassen stehen lassen und man werde sehen, wie schnell sich hier die ganze Insektenwelt wohlfühlt. Bei der Neupflanzung von Obstbäumen sollte man unbedingt ein Drahtgeflecht (am besten Hasendraht) gegen Wühlmäuse anbringen, so der Experte. Dabei sei darauf zu achten, dass der Draht bis zum Stamm hochgezogen wird. Auch auf das richtige Werkzeug beim Baumschnitt ging er ein. Er plädierte für den Herbst als die beste Pflanzzeit der jungen Bäume.

Der Sommerschnitt gehört zu den wichtigsten Pflegemaßnahmen eines Baumes, da durch ihn das Wachstum des Baumes reguliert wird. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Einmal um im nächsten Jahr einen besseren Blütenansatz zu bekommen und zweitens um in diesem Jahr bessere Früchte zu bekommen.

Deshalb sei es wichtig, so Schlosser, bei voll hängenden Apfelbäumen jetzt eine Fruchtausdünnung vorzunehmen. Bei kurzstieligen Sorten wie Goldparmäne, Cox Orange, Renette und Berlepsch sollte möglichst jede Frucht einzeln hängen. Bei langstieligen Sorten können zwei Früchte nebeneinander hängen. Dichtere Fruchtbüschel bei Äpfeln, Birnen und Pfirsichen sind auf jeden Fall auszudünnen.

Vorrangig werden kleine, schlecht gefärbte, verkrüppelte, schorfkranke, aufgerissene und wurmige Früchte entfernt. Da gelte die Faustregel, wobei die Früchte eine Faustbreit Platz haben sollten. Man erreiche dadurch eine gute Qualität des Apfels und besseren Geschmack. Dieser sei dann auch für die Qualität des Apfelsaftes und Apfelweins verantwortlich.

Der ideale Zeitpunkt für den Sommerschnitt ist laut Schlosser die Zeit von Mitte Juli bis August, wenn das Triebwachstum abgeschlossen ist und neue Blütenknospen für das nächste Jahr angelegt werden. Bei dem Sommerschnitt werden vor allem senkrechte und nach innen wachsende Triebe entfernt. Dabei sollte aber nicht zu viel aus der Krone herausgenommen werden, damit die Früchte weiter gut ernährt werden. Weiterhin findet in der Krone eine bessere Belüftung statt, die den Pilzbefall durch schnellere Abtrocknung nach Regen verringert. Mit mehr Licht können die Früchte besser ausreifen. Man sollte aber darauf achten, dass nicht zu viele Triebe entfernt werden, so Schlosser. Bei stark wachsenden Apfel- und Birnensorten sollten aufrecht wachsende Wasserschosse entfernt werden. Im Juli sind diese jungen Triebe noch krautig und können leicht ausgerissen werden.

Spätestens, wenn man anfängt zu schneiden, ist man sich unsicher, was ab soll oder was nicht. Da hilft nur Routine, die man sich durch Teilnahme an solchen Informationsveranstaltungen aneignen kann. Fachbücher helfen weiter, aber nur die Praxis bringe die Sicherheit für den Baumschnitt, so die Meinung Schlossers. All diese Empfehlungen konnten nun von den Besuchern geübt werden.



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