09. August 2022, 21:27 Uhr

Fragil, flexibel und standhaft

09. August 2022, 21:27 Uhr
BUL
Textilien, Wolle und Papier kombiniert die Künstlerin auch mit härteren Materialien. FOTO: BUL

Kunst als Repräsentation und Ausdruck von Emotionen und Wünschen? Zum Auftakt der Kulturwochen »Ohm Sweet Ohm« (OSO) macht die Künstlerin Dina Zavodovska mit ihrer Kunstausstellung »Landschaft der Gefühle« alltägliche emotionale Erlebnisse und Erfahrungen in den oberen Räumen des Homberger Schlosses sicht- und erlebbar.

»Mehr als zwei Jahre konnte sich der Kulturbetrieb auch in Homberg durch die Corona-Pandemie nicht so entfalten, wie es ihm gebührt. Jetzt allerdings sehen wir mit Freude und gespannter Erwartung dem vielfältigen Programm unserer Kulturwochen »Ohm Sweet Ohm« entgegen«, freute sich am Sonntag Hombergs Bürgermeisterin Simke Ried, die erlesene Ausstellung der Multitasking-Künstlerin aus dem Ebsdorfergrund in rundum sonniger Stimmungs- und Gemütslage aller Anwesenden am Homberger Schloss zu eröffnen.

Die Kulturreihe OSO biete ein vielfältiges Programm, das alle Generationen und alle Sinne anspreche, dem Kulturbetrieb der Stadt den Raum und die Aufmerksamkeit einbringe, den er verdiene. »Ohm Sweet Ohm ist ein Gewinn, ein Stück Lebensqualität, eine kulturelle Bereicherung für Homberg - und die gesamte Region«, brachte die Rathauschefin ihre Wertschätzung offen zum Ausdruck - verbunden mit einem großen Dankeschön an alle ehrenamtlich Engagierten, Unternehmen, Privatpersonen und maßgeblich Beteiligten für deren Einsatz, Unterstützung und Zuwendungen auf unterschiedliche Art und Weise.

Sodann schlüpfte Beate Goßfelder-Michel für das OSO-Team in die Rolle der Laudatorin und stellte den mehr als 30 Gästen die Künstlerin näher vor. Geboren in der Ukraine, wuchs sie in einer sehr musikalischen Familie auf, und der Funke sprang natürlich auch auf das Mädchen über.

Bereits mit 14 Jahren führte Zavodovskas Weg zum Start eines Musikstudiums, das schlussendlich mit dem Erwachsenwerden in den Beruf der staatlich examinierten Musiklehrerin, Chorleiterin und Klavierlehrerin mündete. Weitere Studiengänge in Geografie und Ökologie sollten folgen.

2007 dann die Übersiedlung nach Deutschland. In Gießen knüpfte die lernwillige Frau ein Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an, gefolgt vom Master für Kunstpädagogik, dem Examen als Kunst- und Musikerzieherin und zu guter Letzt der Ausbildung zur Organistin. Aber auch ihr Händchen für die malerisch-gestaltende Kunst blieb nicht im Verborgenen.

Taktiler Dialog im Entstehungsprozess

Ein »taktiler Dialog« zwischen ihr und dem Material, basierend auf der Aussagekraft des Materials, wurde irgendwann zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Arbeiten. Die Dinge berühren, mit den Händen erforschen, erarbeiten, Neues entstehen lassen mit der Schöpfung, der Schönheit, den Gefühlen und den Werten des Lebens wurden zu einem Abbild der Künstlerin. Freude, Euphorie, Gelassenheit, Geborgenheit, Liebe, Wärme, Gedankenlauf und Grübeln, Ängste, Selbstdisziplin, Selbstkontrolle und Willensstärke wurden zu den großen Themen ihrer Werke.

Im Streben nach einer lebendigeren, plastischen Ausdrucksform der menschlichen Existenz experimentierte sie mit unterschiedlichen Materialien, darunter Papier, Pflanzen, Glas, Holzmehl, Schaumstoff, verschiedene Folien, Textilien und Wolle, um gewissermaßen das beste (Wohlfühl) Mittel ihrer Werkarbeiten zu finden.

Vornehmlich die weichen Materialien (Textilien, Papier und Wolle) gaben in ihrer Beschaffenheit der Kunstschaffenden das zurück, was sie suchte - ein Stoff, der genauso fragil, verletzbar, vergänglich, aber auch flexibel, biegsam, veränderbar und standhaft sein kann wie der Mensch. Härtere Materialien wie Holz oder festere Strukturen kommen erst dann ins Spiel der Gestaltung, wenn es um menschliche Züge wie Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle, dominante, gewaltige oder strenge Gedanken geht.

Der anschließende Gang durch die Ausstellung gab gehörten Informationen zugleich ein beachtenswertes Gesicht: Gut 40 Exponate, verteilt auf mehrere Räume, fesselten in ihrer Einzigartigkeit das Auge des Betrachters. Hier ein alter, kunterbunt umgarnter Stuhl als Abbild jung gebliebener Fröhlichkeit. Da die Kombination von Baumwolle, Seide und Schafwolle als »Fluss der Zufriedenheit«. In einer Mischtechnik mit Textil, Reispapier und Aquarell gelang der Künstlerin ein anziehender »Tanz der Freude«.

An anderer Stelle der Kunstausstellung wiederum setzt auf einer Staffelei die kreative Umsetzung von menschlichem »Grübeln« in Assoziation mit »Würmlingen« aus Schurwolle das Gedankengut des Beobachters sofort frei. »Wie der Inhalt einer sommerlichen Biotonne«, fand ein junger Herr aus Homberg eine bezeichnende Beschreibung mit Würze.

Die plastische Gestaltung der emotionalen Bandbreite war für das anwesende Publikum in ihrer Ästhetik und Aussagekraft rundum gelungen. Die Kunstausstellung kann nun bis 11. September in Augenschein genommen werden.



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