13. April 2021, 21:45 Uhr

Feuerwehr mahnt Impfen an

Im Ernstfall treffen sie alle aufeinander: Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute. Sie helfen, um Leben zu retten. Deshalb konnten sich Polizisten und Sanitäter impfen lassen. Feuerwehrleute wurden allerdings nicht als bevorzugte Gruppe eingeordnet und machen diesen Umstand nun vehement publik. Alsfelds Wehrführer Carsten Schmidt schildert den Einsatz- und Übungsalltag mit Maske und Abstandsregeln.
13. April 2021, 21:45 Uhr
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Von Rolf Schwickert
Die Feuerwehr Alsfeld Mitte bei einer der wenigen praktischen Übungen 2020 bei der Firma Gorsler. FOTOS: PM

In den letzten zehn Einsätzen waren es drei Verkehrsunfälle und zwei Unterstützungen des Rettungsdienstes. Dabei arbeitet man Hand in Hand mit hauptberuflichen Rettern. Polizei, Rettungsdienst, Rettungshubschrauberbesatzungen, alle schon geimpft. Die Feuerwehren warten immer noch«, entrüstet sich Carsten Schmidt, Wehrführer der Feuerwehr Alsfeld-Mitte.

? Wie oft wird in Alsfeld ausgerückt, wie schützt man sich?

Rund 50-mal rückten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus dem Feuerwehrhaus in diesem Jahr schon aus. Auf das Jahr gesehen sind es 200 bis 250 Einsätze, selten um die 300. die Einsatzzahl liegt häufig am Wetter, Unwetter bedeuten eine zusätzliche Belastung. »Das, was die Stadt Alsfeld für ihre Retter tun kann, um sie zu schützen, ist schon lange passiert«, konstatiert Schmidt. Der praktische Übungsdienst wurde untersagt, es gab Infektionsschutzkleidung für Patietentransport. »Was man mit Geld kaufen kann, das ist gemacht«, bilanziert der Wehrführer.

? Was wurde bei den Einsätzen geändert?

Die Fahrzeuge sind nicht mehr voll besetzt, um Abstand zu halten, Statt neun sitzen jetzt sechs Personen im, aber die anderen Aktiven kommen nach mit einem anderem Fahrzeug der Feuerwehr Und bei Ankunft an der Einsatzstelle heißt es, Fahrzeug verlassen. Diese Anfahrt mit zwei Fahrzeugen gab es auch schon vor der Pandemie. Das sogenannte Additionsverfahren mit Mannschaftstransportwagen, ist flexibler. Selbstverständlich geworden sind inzwischen die zur Verfügung gestellten FFP 2-Masken, das richtige Verhalten wird geschult. »Viel mehr geht nicht«, konstatiert Schmidt. Immer wieder würden Maßnahmen angepasst und die Feuerwehrmitglieder über Newsletter informiert.

? Welche Folgen haben die fehlenden Übungen?

Im Einsatzalltag müssen die Handgriffe sitzen, und die wichtigen Übungen finden seit Monaten nicht mehr statt - nur noch online. Die meisten Kommunen haben sie ausgesetzt, auch wenn sie von Landesseite nie verboten waren. Warum üben die Feuerwehren dann nicht? »Die meisten Führungskräfte in Alsfeld haben zwei- oder vierwöchige Vollzeit-Lehrgänge im Bereich atomare, biologische und chemische Gefahren besucht. Sie wissen um die Gefahr von Viren. Also warten sie, vermeiden Kontakte, begrenzen die Aufenthaltsdauer. Sie schützen sich, um andere noch retten zu können«, berichtet Wehrführer Schmidt.

? Es gibt Coronaleugner, tangiert das auch die Feuerwehr?

Manchmal werden Aktive von Kollegen am Arbeitsplatz belächelt, weil sie ihre Sache so ernst nehmen. Warum das? »Weil wir die Notwendigkeit nachvollziehen können«, sagt Schmidt, »Feuerwehrleute sind belastbar, wir haben ein anderes Sachverständnis, die Pandemie ist uns klarer, als anderen, und auch weil wir mit dem Rettungsdienst zusammenarbeiten, haben wir ein anderes Grundverständnis, einen besseren Einblick. Vor diesem Hintergrund lassen sich viele Einsatzkräfte testen, freiwillig, mehrmals die Woche.

? Sind Übungen wieder absehbar?

Im Mai will man wieder praktisch üben, die Pläne liegen bereits in der Schublade. Dann allerdings mit vorherigem Schnelltest. Das hessische Innenmisterium hat laut Schmidt 600 000 Schnelltests gekauft. Problem ist allerdings der Atemschutz. Dazu gibt es Ausnahmeerlasse, und mittlerweile kann man auch das üben. Das ist nach Einschätzung von Schmidt insbesondere für kleine Wehren von Bedeutung, denn die 70 Aktiven von Alsfeld Mitte rücken fast täglich aus.

? Gibt es erschwerte Einsatzlagen unter Coronabedingungen?

Manchmal ist es schwierig, Abstand zu halten. Bei Verkehrsunfällen krabbelt ein Feuerwehrmann ins Unfallwrack - der innere Retter. Er beruhigt den Verunfallten, erklärt was passiert, assistiert noch dem Rettungsdienst. Und die Unterstützung des Rettungsdienstes ist zu einem festen Bestandteil der Feuerwehrarbeit geworden. Ob die hilflose Person in einer Wohnung, hinter der sich eine ganze Bandbreite an Einsätzen verbirgt, oder die Tragehilfe mit der Drehleiter. Dabei werden erkrankte Personen mit der Drehleiter aus den Häusern gerettet, wenn der Weg durchs Treppenhaus zu schmal oder nicht möglich ist. Abstand in einem knapp zwei Meter langen und 1,2 Meter breiten Korb zu halten ist doch recht schwierig.

? Wie äußert sich der Protest der normalen Feuerwehrleute?

»Feuerwehrleute klagen selten«, weiß Schmidt. Sie packen an. Dafür seien sie bekannt. Bei Unfällen und in Katastrophen komme immer zuerst die Feuerwehr. Viele Aktive haben allerdings inzwischen als »stillen Protest« ihre Social-Media-Accounts mit Hinweisen auf den mangelnden Impfschutz versehen, die Landesfeuerwehrverbände weisen auf den Missstand hin. »Passiert ist allerdings bisher wenig. Impfgruppe 3 bleibt, da wäre man ja schon priorisiert. Im Kreis Olpe und im Hochsauerland werden die Feuerwehren mit Impfresten geimpft. Schon heute bleiben Feuerwehrleute Einsätzen fern, weil sie die Gefahr einer Ansteckung im Einsatz scheuen«, bedauert Wehrführer Schmidt.

? Bleiben Aktive wegen Ansteckungsgefahr Einsätzen fern?

»Wir haben Leute, die bei kleineren Einsätzen nicht kommen, die haben auch bereits 2020 gesagt, dass sie nicht kommen. Wenn Partner zum Beispiel in der Pflege arbeiten ist das so. Oder sie wollen ihre Großeltern im Haushalt schützen,« Schmidt kann das nachvollziehen und sieht auch keinen Engpass mit 70 Aktiven.

? Gibt es eine Perspektive beim Impfen?

»Leider fehlt der Feuerwehr die Lobby an der richtigen Stelle«, bedauert der Wehrführer. Der Verband habe zwar insistiert, finde aber kein Gehör. Vielleicht liegt es auch daran, dass es rund 1,2 Millionen Feuerwehrleute gibt und zu wenig Impfdosen, mutmaßt Schmidt. Und er hat von Nachbarkreisen gehört, wo Einsatzkräfte mit Impfresten versorgt worden sein sollen.



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