24. März 2017, 14:00 Uhr

Ursulum und Eulenkopf

US-Armee hinterlässt riesige Altlast

Neben der Autobahnabfahrt Ursulum erhebt sich ein bewaldeter Hügel. In ihm schlummert eine unschöne Hinterlassenschaft.
24. März 2017, 14:00 Uhr

Wenn im Zuge der Umnutzung des früheren US-Depots irgendwann die Straßen am Autobahnzubringer Ursulum aufgebaggert werden, wird man womöglich erfahren, welches Ketchup und welches Bier die US-Soldaten und ihre Angehörigen in den 1960er- und 70er-Jahren bevorzugten. Denn unter dem gesamten Bereich Ursulum/Eulenkopf schlummert eine riesige Altlast mit Hausmüll, den die US-Streitkräfte dort zwischen 1957 und 1971 in einer alten städtischen Sandgrube entsorgt hatten.

Dass in dem hügeligen Wald neben der Autobahnauffahrt Ursulum etwas schlummert, geht aus den Unterlagen hervor, die Stadt nunmehr im Rahmen der Offenlegung des Bebauungsplanentwurfs »Alter Flughafen I« veröffentlicht hat. In einer Stellungnahme des städtischen Umweltamts ist von einer bis zu sechs Meter dicken Müllschicht die Rede, die sich vor allem unter dem Waldhügel neben der Nordabfahrt der A 485 und dem Wäldchen auf der Ostseite des Oberlachwegs verbirgt. Hausmüll und Bauschutt luden die Amerikaner aber auch auf der anderen Seite der heutigen Rudolf-Diesel-Straße in der Sandkaute ab. Später entstanden dort das Sportgelände des ACE und eine Kleingartenanlage. Das Umweltamt spricht übrigens nicht von einer Deponie, sondern von einem »Müllplatz«, der den US-Streitkräften ab 1957 von der Stadt »ohne Vertrag« zur Verfügung gestellt worden sei.


Keine akute Gefahr

Akute Gefahren gehen von dieser Altlast nach Einschätzung der Behörde nicht aus. Gutachterlich untersucht worden sei der einstige Müllplatz zuletzt 2001 und 2002. Da bei diesen Untersuchungen von Boden und Grundwasser nur geringe »Prüfwertüberschreitungen« festgestellt worden seien, sei kein Handlungsbedarf gesehen und die Altablagerung aus der umwelttechnischen Überwachung entlassen worden. Das Umweltamt rät aber zu Bodenluftmessungen, um Methangasbildungen auszuschließen, falls baulich in den Bereich des früheren Müllplatzes eingegriffen wird.

Depot-Eigentümer Daniel Beitlich ist für diese Altlast nicht zuständig, weil sie außerhalb des neuen Gewerbegebiets liegt. Die Revikon GmbH hat genug zu tun mit ihren eigenen Verdachtsflächen innerhalb des Depots. Mehr als 100 »kontaminationsverdächtige« Punkte waren von den Behörden im Vorfeld des Bebauungsplanverfahrens festgestellt worden. Um die 300 Sondierungen fanden statt, teilweise reichten sie bis zu 18 Meter tief in die Erde. Angesichts von fast 30 Umwelt- und Geologiegutachten, die seit 1977 zum US-Depot eingeholt wurden, wird man kaum behaupten können, es habe keine Überwachung stattgefunden.


850 Bombentrichter

Das vorerst letzte Gutachten wurde 2014 von der Revikon GmbH eingeholt. »Wir säubern das Gelände von Grundstück zu Grundstück abschnittsweise. Für jede einzelne Fläche erfolgt eine Altlastenfreigabe«, erläutert Geschäftsführer Beitlich. Dazu gehört auch der Einsatz von Kampfmittelräumern, denn immerhin 850 Bombentrichter und 184 Verdachtsfälle auf Blindgänger waren festgestellt worden. Beitlich: »Kriegsschrott wie Flugzeugmotoren und -propeller waren schon dabei, aber noch keine Bombe.« Wie er betont, wird die Säuberung der Grundstücke von Altlasten und Kampfmitteln von der Revikon beauftragt und auch bezahlt. Das gelte auch für das an Stadt und Kreis verkaufte Grundstück, auf dem bis 2020 der neue gemeinsame Stützpunkt für Feuerwehr und Katastrophenschutz entstehen wird.

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