05. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Erste Häuser in zwei Jahren

Gießen (mö). Wo sich jetzt noch eine gerodete Fläche mit ein paar Bäumen befindet, sollen in zwei Jahren Straßen verlaufen und die ersten Wohnhäuser in die Höhe wachsen. So sieht es der noch grobe Fahrplan der Stadt für das knapp acht Hektar große frühere Motorpool-Areal der US-Armee an der Grünberger Straße vor. »Mit dem Bau der ersten Wohnhäuser wird wohl frühestens Anfang 2019 begonnen«, sagte der städtische Planungsamtsleiter Holger Hölscher am Freitagabend bei einer gutbesuchten Bürgerinformationsveranstaltung im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung (ZiBB) in der Hannah-Arendt-Straße. Rund 100 Anwohner und weitere Interessierte drängten sich im Veranstaltungssaal.
05. Dezember 2016, 12:00 Uhr
In gut zwei Jahren sollen auf dem gerodeten Motorpool-Areal erste Häuser entstehen. Rund 100 Anwohner und weitere Interessierte kamen am Freitagabend zu einer Informationsveranstaltung ins ZiBB. Präsentiert wurde dabei auch zwei Testpläne, hier eine Projektion mit dem, Blick in die Hauptstraße Richtung Wichernkirche. (Fotos: Schepp/mö/Büro bb22)


Mehr Verkehr bereitet Sorge

Eine erste wichtige Erkenntnis für den komplett anwesenden hauptamtlichen Magistrat war, dass es gegen ein Wohngebiet auf der letzten noch ungenutzten Gießener Konversionsfläche keine grundsätzlichen Bedenken der Anwohner aus den Gebieten Pendleton, Dulles und Evangelischer Siedlung gibt. Die zweistündige Veranstaltung verlief durchweg sachlich, die Anwesenden stellten vor allem Verständnisfragen und hakten bei einigen Themen nach.
Sorge bereitet den bereits rund ums Motorpool-Gelände lebenden Menschen die Zunahme an Verkehr. Bei einer Wohnungszahl von 200 bis 360 und dem Stellplatzschlüssel von 1,5 Parkplätzen pro Wohnung ergäben sich hunderte zusätzlicher Fahrten pro Tag, rechnete ein Bewohner der Pendleton-Siedlung vor. Auch Rainer Stoodt, Geschäftsführer der Gesellschaft für Soziales Wohnen, der die Pendleton-Siedlung gehört, legte dem Magistrat ein leistungsfähiges Verkehrskonzept ans Herz. Man dürfe nicht außer Acht lassen, dass ja auch auf dem Gelände der US-Zahnklinik weitere rund 70 Wohnungen entstehen werden.
Zu Beginn hatte Matthias Genth vom Stadtplanungsamt zunächst noch einmal den bereits bekannten Planungsstand referiert.Zwei von der Stadt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Auftrag gegebene Testplanungen sehen den Bau von knapp 200 bzw. 360 Wohnungen vor, darunter bei der einen Planung gut 40 Sozialwohnungen, der anderen gut 70, was etwa jeweils einem Fünftel entspricht.
Zu wenig, meinte der Stadtverordnete Michael Janitzki (Gießener Linke) mit Blick auf das Wohnraumversorgungskonzept. SPD-Oberbürgermeisterin und Sozialdezernentin Dietlind Grabe-Bolz pflichtete Janitzki bei und verkündete ihre Zielmarke von »25 plus x Prozent«. Bei der vom Planungsamt bevorzugten Variante mit den 360 Wohnungen wären das also so um die 100 Sozialwohnungen. Ob sich Grabe-Bolz damit bei ihren Koalitionspartnern CDU und Grüne durchsetzen kann und was eine solche Festlegung für die Vermarktung des Gesamtgebiets bedeuten würde, bleibt abzuwarten.
Obwohl die Planung noch ganz am Anfang steht, machte Planungsdezernent Peter Neidel deutlich, dass einige Dinge gesetzt sind. Der CDU-Stadtrat zählt dazu einen fünfgruppigen Kindergarten, integriert in ein Familienzentrum, die Festlegung auf einen bestimmten Anteil an Sozialwohnungen und den Übergang des Wohngebiets Richtung Gießener Ring in ein Gewerbegebiet, um einen Puffer zwischen Wohnhäusern und Autobahn zu schaffen. Laut Amtsleiter Hölscher könnten die Gewerbebauten bis zu viergeschossig werden, um einen Lärmschutzeffekt zu erzielen. Auf konkretes Interesse stieß die Ankündigung, »besondere Wohnformen« anzubieten. Darunter sind Projekte des gemeinschaftlichen, generationenübergreifenden und inklusiven Wohnens zu verstehen. Etwa ein Dutzend Anwesende können sich vorstellen, in so einer »WG« zu leben.

Warum wurde jetzt gerodet?

Weitere Fragen und Wünsche aus dem Publikum betrafen die Einrichtung einer Apotheke und von E-Tankstellen, die Altlastenproblematik und die laufende Rodung, die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Noch-Eigentümerin veranlasst hat. Zu einer möglichen Bodenverunreinigung sagte Hölschers Vertreter Stephan Henrich, dass die US-Armee das Areal 1991 saniert habe, Restrisiken indes bestünden bei Militärflächen immer. Die Rodung wiederum sei jetzt aus zwei Gründen durchgeführt worden: erstens, weil solche Arbeiten aus artenschutzrechtlichen Gründen nur im Winter erledigt werden dürften, zweitens, weil der Bewuchs auf dem Gelände kurz davor war, den forstrechtlichen Status eines Waldes zu erreichen. Um ihn zu beseitigen, hätte es einer zusätzlichen Genehmigung durch die Obere Forstbehörde bedurft.
Die Frage, ob dies den Zeitplan ins Wanken gebracht hätte, ist angesichts der fast vollständigen Rodung müßig. In der ersten Jahreshälfte 2017 soll es weitergehen mit der Vorlage eines Bebauungsplanvorentwurfs, mit Workshops zum Thema »besondere Wohnformen«, mit einer weiteren Bürgerversammlung und einer Wertermittlung, auf deren Grundlage die Stadt das Gelände von der Bima kaufen wird. Bis Ende des Jahres wird ein Planentwurf erwartet, dem 2018 dann die Satzung folgen soll. Bis dahin wird das Gebiet wohl auch einen neuen Namen haben. Stadtrat Neidel bittet um Vorschläge.

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