30. Dezember 2009, 23:30 Uhr

Jubiläumsjahr ist heute zu Ende

Lollar (jk). Seit 175 Jahren Unterricht. Seit 175 Jahren Hausaufgaben. Seit 175 Jahren ein Schulhaus in Salzböden. 175 Jahre - eine lange Zeit, in der eine schier unüberschaubare Vielzahl von Kindern lesen, schreiben und rechnen gelernt hat.
30. Dezember 2009, 23:30 Uhr
Die Kinder aus Salzböden und Odenhausen, die in der Regel vier Jahre lang in der Salzbödetal-Schule unterrichtet werden, haben das große Glück, den Kinderliedermacher und Kinderbuchautor Fredrik Vahle (Prof. Dr. Friedrich Vahle) häufig als Besucher, Musik- und Bewegungslehrer begrüßen zu können. Der Ehrenbürger der Stadt Lollar sieht die visuelle Konzentration heutzutage als sehr stark an und sieht das Auditive vernachlässigt. Mit Kindern studiert er Lieder ganz bewusst auf kleinen Instrumenten, wie beispielweise der Ukulele, ein. (Fotos: jk)

Lollar (jk). Seit 175 Jahren Unterricht. Seit 175 Jahren Hausaufgaben. Seit 175 Jahren ein Schulhaus in Salzböden. 175 Jahre - eine lange Zeit, in der eine schier unüberschaubare Vielzahl von Kindern lesen, schreiben und rechnen gelernt hat. Und es ist kein Ende in Sicht. Zurzeit besuchen 125 Schülerinnen und Schüler aus Salzböden und Odenhausen in sieben Klassen die ehemalige Volks- und heutige Grundschule in Salzböden. Seit 2004 wird die Schule von Rektorin Anne von Westerholt geleitet. Seit 2006 ist sie auf den Namen »Salzbödetal-Schule« getauft. In Hessen gehört sie zu den Grundschulen, die sich speziell der Förderung hochbegabter Kinder widmen. Neben dem 175-jährigen Bestehen der Schule wurde in diesem Jahr auch »15 Jahre flexibler Schulanfang« gefeiert. Die »Allgemeine Zeitung« blickt auf ein besonderes Jahr zurück, das heute Vergangenheit wird.

Die Gemeinschaft der Salzbödetal-Schule hatte im Jahr 2009 wahrhaft Gründe zum Feiern. In der Woche vom 11. bis zum 15. Mai bereiteten sich die Kinder in einer Projektwoche, die mit einem Fest beendet wurde, auf das Jubiläum vor. Im Lauf der Woche gab es Angebote zum Thema »Schule früher« wie Handarbeiten anfertigen und alte Volkslieder kennenlernen. Die Viertklässler boten für die jüngeren Schüler die Projekte »Erlebe einen Schultag wie früher«, »Entdecke die alte Schrift - Schreiben wie Oma und Opa« oder »Alte Spiele« an. »Wir basteln die alte Schule aus Papier und Pappe« und »Schule früher im Karton« sensibilisierte die Kinder für das alte Schulgebäude. Erfreulicherweise konnte wenige Tage vor der Projektwoche eine Fotografie gefunden werden, die das alte Gebäude zeigt, das erst um 1974 abgerissen wurde. Wider Erwarten war das Fachwerk des Hauses verputzt und somit nicht sichtbar. Nachbar Ernst Steiß erklärte sich bereit, das alte Schulgebäude mit Sandsteinsockel und Fensterrundbögen aus seinen Erinnerungen fast maßstabsgetreu zu zeichnen, um damit eine Vorlage für die Nachbauten der Schule zu liefern.

Im Vorfeld hatte die Schulgemeinschaft die Bevölkerung um alte Fotos der Schule und der Schulklassen, um alte Schulbücher und Hefte gebeten. Sehr genau wurde in den Bänden der Schulchronik gelesen. Interessantes konnte auch bei Zeitzeugen über die alte Schule herausgefunden werden. »Das gesamte Jubiläum hätte ohne Ursula Rolshausen gar nicht stattgefunden, weil wir gar nicht wussten, dass wir 175 Jahre alt sind«, freut sich Rektorin von Westerholt noch immer. Die langjährige Kommunalpolitikerin aus der Salzbödener Familie Bodenbender ist die Schulsek retärin und an der Geschichte ihres Heimatdorfes und der Schule interessiert. Ursula Rolshausens Entdeckungen ist zu verdanken, dass in Salzböden die Erinnerung an das erste Schulgebäude aus dem Jahr 1834 wiedererwachte.

Die Einrichtung der Schule - in der Schäfergasse unterhalb der evangelischen Kirche - war für die damaligen Verhältnisse höchst fortschrittlich. Salzböden war 1834 eine zwar selbstständige, aber kleine Gemeinde mit etwa 450 Einwohnern, davon 50 Kinder. Rektorin von Westerholt erklärt diese Modernität mit der Zugehörigkeit zum Königreich Preußen, in dem früh Wert auf Bildung auch im ländlichen Raum gelegte wurde.

Die Kinder fanden anhand der Schulchronik und in Gesprächen mit Großeltern heraus, dass in der alten Volksschule vieles anders war als heute. Es fing beim Inventar an. Schiefertafeln, Holzofen und Zeigestock für Schläge auf die Finger kennen die Kinder von heute nicht mehr. Auch die Trennung von Jungen und Mädchen war damals »an der Tagesordnung«. Unvorstellbar für heutige Schüler und Lehrer ist, dass bis zu 80 Kinder unterschiedlichen Alters in einem Schulsaal unterrichtet wurden. Mit steigenden Schülerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Unterricht in zwei Schichten statt. Die alte Schule war zu klein. 1952 wurde das neue Schulhaus eingeweiht, das den Kern der heutigen Salzbödetal-Schule bildet. Die damalige Schule war weiter eine Volksschule bis zur achten Klasse mit Lehrerwohnung und Plumpsklos bis 1976. Ende der 1960er Jahre bildeten die Schulen Odenhausen und Salzböden einen Verbund, der zum Träger der Grundschule wurde. Die neue Mittelpunktschule (heute: Clemens-Brentano-Europaschule) in Lollar besuchen seit 1967 die Kinder von der fünften Klasse an. In den 1980er Jahren beschloss der Kreistag aus Kostengründen die Schließung des Schulstandortes Odenhausen, um einen Erweiterungsbau in Salzböden errichten und alle Kinder an einem Standort unterrichten zu lassen. Nach erbittertem Widerstand wurde der Erweiterungsbau in Salzböden 1988 eröffnet und sieht der heutigen Salzbödetal-Schule schon sehr ähnlich.

Das Schulfest bildete den krönenden Abschluss der informativen Projektwoche. Präsentiert wurden Ergebnisse der Projekte und die Dokumentation der Schulgeschichte. Als einen Gast, den sie öfter sieht, begrüßte die Schulgemeinde zu ihren Feiern den in Salzböden wohnenden Kinderliedermacher und Kinderbuchautor Fredrik Vahle. In der Projektwoche leitete er das Projekt »Wir singen und spielen Märchen, Lieder und Gedichte rund um Salzböden«. Mit Vahle samt Gitarre musizierten rund 30 Kinder mit Trommeln, Schellenkränzen und Triangeln. Die einstudierten Lieder und die Theateraufführung ernteten beim Schulfest viel Applaus. Zum Höhepunkt wurde die Uraufführung des einzigartigen Schulliedes der Salzbödetal-Schule, von Fredrik Vahle eigens komponierte und getextet. »Schule, Schule im Salzbödetal. Rechnen, lesen, schreiben, Buchstabe und Zahl, spielen, lachen, singen, lernen Wort für Wort. Uns’re Schule ist dafür g’rad der richt’ge Ort«, heißt es darin.

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