10. Dezember 2016, 12:00 Uhr

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»Café Society«
10. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Menschen diverser Milieus verkehren in den 1930er Jahren im New Yorker Nachtclub »Café Society«; elitäre Adlige ebenso wie Playboy-Millionäre, Politiker und Kriminelle. Bis Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg) mit seinem Bruder Ben (Corey Stoll) die Leitung des Lokals übernimmt, ist es ein weiter Weg. Aufgewachsen in der Bronx, zieht es ihn zunächst nach Hollywood, dort will er bei seinem Onkel arbeiten, dem Filmagenten Phil (Steve Carell). Auf dessen Partys tauscht die Upperclass Gerüchte aus und schmiedet Geschäftspläne.
Welch soziales Gefälle zwischen dem einfachen Burschen und dem erfolgreichen, gewandt auftretenden Onkel liegt, führt Regisseur und Drehbuchautor Woody Allen in seiner neuen Komödie recht anschaulich vor Augen. Dabei erweist sich das Personengefüge als streng durchdacht: Nicht zufällig gleicht Bobbys jüdische Familie einem Querschnitt der Gesellschaft en miniature. Seine Eltern Marty und Rose sind biedere Kleinbürger. Eher schon kann ihm seine reflektiertere Schwester, die mit einem Philosophieprofessor verheiratete Lehrerin Evelyn, nützliche Ratschläge geben. Auf die schiefe Bahn geraten ist hingegen sein Bruder Ben, ein skrupelloser Gangster.
Ästhetisch anspruchsvoll, fängt Allen den Zauber der damaligen Zeit ein. Die makellosen Aufnahmen sind in warmen, satten Farben gehalten und verleihen den Figuren besonderen Glanz. Zuweilen unterstreicht beschwingte Jazzmusik die Leichtigkeit des Daseins. Bobby eignet sich in Hollywood spielerisch Umgangsformen der Oberschicht an und kostet die Freiheit fernab des einengenden Elternhauses aus.
Urkomisch wirkt, wie er ein naives Mädchen zu sich ins Hotel für ein sexuelles Abenteuer gegen Bezahlung bestellt, beide allerdings kaum wissen, wie sie sich verhalten sollen. Wenig später verliebt er sich in Phils Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart) und geht mit ihr aus. Die Zweisamkeit könnte so schön sein, doch scheut Vonnie, die Affäre mit einem verheirateten Mann zu beenden. Genüsslich lässt Allen die Figuren seelische Qualen erleiden – sie träumen von dem, was sie gerade nicht besitzen. Dabei setzt der Altmeister auf ein erstklassiges Ensemble. Jesse Eisenberg überzeugt als sehnsuchtsvoller Jüngling gleichermaßen wie Kristen Stewart als begehrenswerte, hin- und hergerissene Schönheit oder Steve Carell als von Selbstmitleid gezeichneter Onkel.
»Café Society« ist weit mehr als eine romantische Liebesgeschichte, entpuppt sich darüber hinaus als nüchternes, schonungsloses Porträt einer egoistischen Gesellschaft, die in mancher Hinsicht an die Gegenwart erinnert.
Bestechend der trockene Humor und die Spontaneität der Dialoge. Bis zum Schluss virtuos inszeniert, bietet der Film rundum anregendes Vergnügen. Sascha Jouini Foto: Verleih

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