02. November 2022, 22:18 Uhr

Selbsthilfe wird digitaler

02. November 2022, 22:18 Uhr
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Aus der Redaktion

Wiesbaden/Marburg - Pflege, Beruf, Haushalt, Organisation, Termine bei Ärzten, Ämtern oder Behindertenwerkstätten - Angehörige von Menschen mit Beeinträchtigungen stehen vor vielen Herausforderungen. Unterstützung können Selbsthilfegruppen bieten. Doch viele Betroffene sind zeitlich extrem eingespannt und können zum Beispiel abends nicht das Haus verlassen, weil sie keine Betreuung für ihre Kinder haben.

Für sie und andere Interessierte baut der Lebenshilfe Landesverband Hessen moderierte digitale Gruppen auf, wie der Geschäftsführer des Verbandes, Alexander Mühlberger, kürzlich sagte. Für 2023 seien fünf bis sechs Gruppen das Ziel. Sie seien eine Ergänzung, um mehr Leute in Hessen zu erreichen, und sollen Angebote vor Ort nicht ersetzen, so Mühlberger. Neben einer Plattform für Treffen ist die Nutzung eines Chat-Programms geplant.

Eine wichtige Rolle werden die Moderatoren spielen. Etwa zehn Freiwillige hätten dafür bereits Interesse signalisiert. Auch Nicole Preuss - alleinerziehende Mutter, Erzieherin und im Landesvorstand der Lebenshilfe aktiv - will sich schulen lassen. Sie steht hinter dem Projekt: »Wir brauchen Zeitfenster, in denen mehr Menschen teilnehmen können.« Am Abend beispielsweise, wenn die Kinder schlafen, böten sich digitale Sitzungen an. In der Hochphase der Corona-Pandemie ist dies bereits erprobt worden.

Ziel ist intensiver Austausch

Bei dem Projekt kooperiert die Lebenshilfe mit der Krankenkasse Barmer, die 23 000 Euro bereitstellt. Schirmherrin ist Sozialstaatssekretärin Anne Janz (Grüne). Ihrer Ansicht nach verbindet die Initiative wichtige Anliegen wie digitale Teilhabe und Inklusion. Eine direkte Landesförderung gibt es bislang nicht, auch weil sie nicht beantragt wurde. Janz verweist darauf, dass das Land die Selbsthilfekontaktstellen in Hessen mit rund 300 000 Euro pro Jahr unterstütze.

Mit der Summe von der Kasse sollen laut Mühlberger die Moderierenden ausgebildet werden. Zudem werde das Geld für eine Projektstelle auf geringfügiger Basis, Supervision, Öffentlichkeitsarbeit - und ein Treffen aller Gruppen verwendet. Sie sollen sich zumindest einmal im Jahr nicht nur virtuell begegnen. Nach den Worten Mühlbergers sollen die Online-Gruppen etwa acht bis zehn Mitglieder haben. Bei Bedarf könnten sie einen thematischen Fokus mit Tipps von Experten bekommen. Für Menschen, die in der digitalen Welt unsicher sind, soll es eine Einführung geben. Den Angaben zufolge hatten Ende 2018 rund 633 000 Bürgerinnen und Bürger Hessens einen Schwerbehindertenausweis aufgrund einer Behinderung mit dem Grad 50 oder mehr. Gregor Haschnik



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