04. August 2022, 21:51 Uhr

Partikeltherapie ohne Zukunft

04. August 2022, 21:51 Uhr
Für die Partikeltherapie in Marburg stehen die Zeichen schlecht. ARCHIVFOTO: DPA

- Das defizitäre Marburger Ionenstrahl-Zentrum wird auf lange Sicht keine Zukunft haben. Das sagte der Rhön-Vorstandsvorsitzende Dr. Christian Höftberger in einem Interview mit der »Oberhessischen Presse« (OP). Sollte das Defizit nicht länger getragen werden können oder ein Defekt an der Anlage auftreten, müsse sie abgeschaltet werden. »Die Herstellerfirma Siemens hat den Fortbetrieb und die Weiterentwicklung der Anlage eingestellt. Es ist also eine Technik, die an ihr Ende kommen wird, weil sie anscheinend einfach zu komplex ist. Man kann ein Ersatzteil nicht einfach auf der Werkbank zusammenschrauben, weil es unter anderem eine atomrechtliche Genehmigung benötigt«, sagte er.

Im Gespräch mit dieser Zeitung ergänzte Höftberger, dass sich die Technik nicht durchgesetzt habe, weltweit gebe es neben Marburg nur noch in Shanghai eines dieser Geräte. Eingesetzt wird die Partikeltherapie vor allem bei unzugänglichen Tumoren.

Schon vor der Inbetriebnahme im Jahr 2015 hatte es Probleme gegeben. Eigentlich sollte die Anlage bereits 2012 die Arbeit aufnehmen, dann war das Projekt aber aus wirtschaftlichen Gründen zunächst gestoppt worden. Drei Jahre später wurde eine drohende Insolvenz abgewendet.

Im OP-Interview sagte Höftberger nun: »Wir haben 107 Millionen Euro auf eine Technik gesetzt, die sich nicht durchgesetzt hat. Es gibt nur wenige Anlagen, aber alle leiden unter der Tatsache, dass die Vergütung, die man erzielen müsste, um eine schwarze Null zu schreiben, deutlich höher sein müsste als die von vergleichbaren Therapien.«

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor beim Betrieb der Anlage sei deren hoher Energieverbrauch. »Sollte es … in Deutschland zu einer großen Energieknappheit kommen, dann könnten wir dadurch gezwungen sein, die Partikeltherapie vom Netz zu nehmen«, sagte Höftberger. bf



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