Hessen

Kritik an Marburger Brunneninstallation Wissenschaftler fordern mehr Geld für Klimaschutz 146 der geplanten Zählstellen für Radverkehr aktiv Corona-Inzidenz steigt wieder Lokale Unwetter früher erkennen Wettrennen mit Sonnenenergie Lagerarbeiter bei Arbei

Unwetter wie Gewitter, Starkregen und Stürme nehmen im Zuge des Klimawandels zu, sind Experten sicher. Genauere Vorhersagen könnten Leben retten. Eine neue Satelliten-Generation soll den Meteorologen unter die Arme greifen und viel exaktere Daten liefern.
09. Juni 2022, 22:19 Uhr
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Die Späher im All: Ein Modell des Satelliten MTG-I 1 (Meteosat 12) (r.) hängt in einem Saal der europäischen Agentur für meteorologische Satelliten (Eumetsat). Diese zwischenstaatliche Organisation betreibt Wettersatelliten. FOTO: DPA

Wiesbaden/Marburg - Der Bund der Steuerzahler Hessen hat die Brunneninstallation Wasserband in Marburg als Verschwendung von Steuergeldern kritisiert. Dass durch das Wasserband 20 Millionen Liter Trinkwasser versickert waren, bezeichnete Joachim Papendick, Vorsitzender des Vereins in Hessen, am Donnerstag als »Schlag ins Gesicht der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler«. In den vergangenen Monaten war publik geworden, dass Trinkwasser aus dem Wasserband in der Marburger Straße Ketzerbach abgelaufen war.

Die Stadt Marburg widersprach den Vorwürfen: »Die Umgestaltung der Ketzerbach mit dem Wasserband ist keine Steuerverschwendung«, sagte eine Sprecherin der Stadt. Nach »unerwartet hohen Wasserverlusten« im Jahr 2019 habe die Stadt neben einer Reparatur engmaschigere Kontrollen des Wasserverbrauchs eingeführt. Derzeit stünden noch letzte Arbeiten an der Sensorik der Brunnenlage an. Der Steuerzahlerbund hatte kritisiert, dass das Leck erst nach einem derart großen Wasserverlust entdeckt worden war.

Die Reparaturen am Wasserband kosteten nach Angaben der Stadt Marburg bisher rund 22 000 Euro. Insgesamt habe die Umgestaltung der Straße Ketzerbach 2,68 Millionen Euro gekostet. dpa

Frankfurt - Aus Sicht von Wissenschaftlern sollten in Hessen mindestens zehn Prozent des Landeshaushalts für den Klimaschutz reserviert werden. Das erklärte der Zusammenschluss »Scientists for Future Hessen« in einem offenen Brief an die Landesregierung laut einer Mitteilung vom ges-trigen Donnerstag. Klimaschutz müsse eine kommunale Pflichtaufgabe werden. Die Forscher setzen sich auch für einen sozialverträglichen Klimaschutz ein. dpa

Wiesbaden - Von den insgesamt 270 geplanten Zählstellen für den Radverkehr in Hessen sind mittlerweile 146 im Einsatz. An ihnen wurden von März 2022 bis zu diesem Mittwoch (8. Juni) insgesamt 3 206 883 Fahrräder gezählt, wie eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Wiesbaden mitteilte. Dies ergebe einen täglichen Durchschnitt von 441 Fahrrädern je Zählstelle. dpa

Wiesbaden - Bei den wichtigen Kennziffern zur Beurteilung der Corona-Lage in Hessen gibt es ein Auf und Ab. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gestern (Stand: 3.15 Uhr) bei 394,8. Eine Woche zuvor hatte sie 309,5 betragen. Die Zahl der Menschen, die landesweit seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind, liegt demnach bei 10 211. Das sind 55 mehr als vor einer Woche. Die Hospitalisierungsinzidenz ging laut Gesundheitsministerium innerhalb einer Woche von 1,83 auf 1,73 zurück. Auf den Intensivstationen der hessischen Kliniken lagen am Donnerstag 64 Corona-Patienten, vier weniger als vor einer Woche. dpa

Eine Unwetterkatastrophe kostete im April dieses Jahres in Südafrika mehr als 400 Menschen das Leben. Binnen 24 Stunden fällt so viel Regen wie sonst im ganzen Jahr, die Folgen sind Schlammlawinen und Überschwemmungen. Im Juli 2021 kommt es durch Starkregen im Ahrtal zu meterhohen Sturzfluten, die eine Schneise der Verwüstung ziehen. Mehr als 130 Menschen werden getötet. Im Zuge der Klimaerwärmung steigt die Gefahr für solche Katastrophen.

Um künftig die Entstehung und die Gefahren von Unwettern besser erkennen und lokalisieren zu können, geht deshalb bald eine neue Generation von Wettersatelliten an den Start. »Sie haben eine wesentlich höhere Auflösung«, sagt Alexander Schmid, Programmleiter für die neuen Meteosat-Satelliten bei der europäischen Agentur für meteorologische Satelliten (Eumetsat) in Darmstadt. Aus dem Kontrollzentrum in Darmstadt sollen die Satelliten, die auch für die Klimabeobachtung eingesetzt werden, künftig gesteuert werden.

Blick auf Europa und Afrika

Das Training hierfür soll im Juni starten. Im November soll dann der erste von insgesamt drei Satelliten ins All geschossen werden. 2024 und 2025 folgen die anderen beiden. Insgesamt 20 Jahre sollen die Satelliten Daten liefern.

»Mit der höheren Auflösung kann man eine höhere Genauigkeit erzielen«, sagt Schmid. Eine extrem verbesserte Vorwarnzeit bekomme man mit dem für 2024 geplanten Satelliten. »Da sind zwei sogenannte Sounder-Instrumente an Bord. Das eine kann Temperatur- und Feuchtigkeitsprofile der Erdatmosphäre liefern.« Die anderen beiden sind bildgebende Satelliten.

Sie überwachen das Wettergeschehen in Europa und Afrika und haben Kameras für Blitze an Bord, Instrumente, die es bislang für die Wetterbeobachtung für Europa nicht gibt.

»Man kann erwarten, dass die Qualität der Wettervorhersage signifikant besser wird«, ist sich auch der Experte für Satellitendaten beim Deutschen Wetterdienst (DWD), Richard Müller, sicher. »Alle Überschwemmungen, die aus Gewittern resultieren, könnte man dann früher und besser vorhersagen, vor allem zeitlich und räumlich genauer.« Ein Grund hierfür seien auch die neuen Blitzmessgeräte. Die verheerende Sturzflut im Ahrtal hätte man seiner Meinung nach aber auch mit den neuen Satelliten wohl nicht punktgenau vorhersagen können.

Die drei Satelliten sollen künftig in einem geostationären Orbit in 36 000 Kilometer Höhe fliegen und werden immer auf Europa und Afrika schauen. Sie senden alle zehn Minuten einen Scan von Afrika und einen binnen zweieinhalb Minuten von Europa.

Mit den stark verfeinerten Kameras kann man nach Angaben von Eumetsat-Ingenieurin Katja Hungershöfer dann auch Algenteppiche und wesentlich besser Vulkanasche aus dem All beobachten. »Bislang ist schwer zu unterscheiden, was sind Wolken, was Vulkanasche.« Es sei wie eine wesentlich schärfere Brille. Schmid vergleicht den Fortschritt mit dem Sprung von früherer TV-Qualität hin zu Ultra-HD.

»Die Bedeutung der Satelliten-Messungen sind für die weit bedeutender als für uns«, sagt Schmid über die Wetterbeobachtung von Afrika. Es gebe dort Messstationen, die aber veraltet seien. Nun kommen die Daten auch der Afrikanischen Union zugute, der alle anerkannten afrikanischen Staaten angehören. Eumetsat und die Union unterzeichneten unlängst eine Kooperationsvereinbarung zur Klimaüberwachung, für die auch die Daten der neuen Satelliten-Generation genutzt werden sollen. Mit den Satelliten können Eumetsat zufolge unter anderem Vegetationsverschiebungen und die Ausbreitung von Wüsten langfristig erkannt werden.

Müller vom DWD erwartet für Europa, dass der für Wettermodelle wichtige Startpunkt von Gewittern besser bestimmt und dadurch auch früher gewarnt werden kann. »Die Ingenieure, die daran gearbeitet haben, machen einen sehr guten Job, wenn das alles funktioniert. Das ist sehr, sehr anspruchsvoll.«

Frankfurt - Rund 600 Schüler haben in Frankfurt solarbetriebene Boote und Fahrzeuge gegeneinander ins Rennen geschickt. Das Solarrennen Frankfurt RheinMain wurde gestern unter dem Motto »Sonne bewegt!« zum vierzehnten Mal veranstaltet, wie die Stadt Frankfurt mitteilte. Dabei traten Schüler aus acht Grundschulen und 16 weiterführenden Schulen mit selbst gebauten Solarbooten und -autos an.

Gekürt wurden das schnellste Fahrzeug, die intelligenteste Konstruktion und das schönste Gefährt. Insgesamt waren 80 Solarboote und 350 Solar-Autos bei dem Rennen dabei.

Das Solarrennen ist ein Bildungswettbewerb und soll Kindern und Jugendlichen Naturwissenschaft im Bereich Solarmobilität in der Praxis näherbringen. Im Kleinen solle so die »Zukunftstechnologie« Solarmobilität erlebbar gemacht werden. dpa

Heppenheim - Ein 60 Jahre alter Mann ist bei einem Arbeitsunfall in Heppenheim (Kreis Bergstraße) ums Leben gekommen. Nach derzeitigen Erkenntnissen fielen am Donnerstag in einem Fachmarkt für Haus, Tier und Garten auf Paletten gestapelte, gepresste sogenannte Streuballen auf den Lagerarbeiter herab, wie das Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt mitteilte. dpa

Frankfurt - In Frankfurt-Höchst ist am Mittwochabend ein Linienbus unter einer Bahnunterführung auf einen anderen Bus aufgefahren. Wie die Polizei gestern mitteilte, wurden insgesamt 13 Menschen leicht verletzt, darunter die beiden Busfahrer.

Ein Linienbus habe vor dem Linksabbiegen anhalten müssen, um Verkehr passieren zu lassen, als ein weiterer Bus von hinten mit dem Fahrzeug kollidierte. dpa

Kassel - Bei einem Unfall mit einer Straßenbahn in Kassel ist ein Fußgänger ums Leben gekommen. Wie die Polizei mitteilte, kam am Donnerstagvormittag für den 81 Jahre alten Mann wegen der schweren Verletzungen jede Hilfe zu spät. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Fußgänger im Bereich der Haltestelle »Weserspitze« zwischen Straßenbahn und Bordsteinkante geraten und von der Bahn mitgeschleift worden. dpa

Schwalmstadt - Der 58-jährige Mann, der in einem Lebensmittelmarkt in Schwalmstadt seine Ex-Partnerin und sich selbst erschossen haben soll, war nicht legal im Besitz der Schusswaffe. Wie er an diese kam, sei derzeit Gegenstand der Ermittlungen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg. Nach bisherigen Erkenntnissen habe der 58-Jährige in dem Discounter vier Schüsse auf die Frau abgegeben, bevor er sich selbst das Leben nahm. dpa

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