13. Mai 2022, 18:50 Uhr

Kein Verlass auf Frankfurter Parkleitsystem

13. Mai 2022, 18:50 Uhr
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Aus der Redaktion
Die Zahl der angezeigten freien Plätze entspricht nicht immer der Wirklichkeit. FOTO: MÜLLER

- Die Angaben auf den Info-Tafeln des Parkleitsystems für die Frankfurter Parkhäuser sind weitgehend falsch. Ursache ist, dass die Technik veraltet ist und von den übrigen Systemen abgekoppelt werden musste. Eine neue Lösung ist bisher nicht in Sicht. Alle diese Fakten räumt Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) ein. Zuvor hatte CDU-Fraktionschef Nils Kößler in der Fragestunde der Stadtverordneten bei ihm nachgehakt. Dem Christdemokraten kam es spanisch vor, dass das Parkhaus Dom-Römer häufig als besetzt oder nahezu besetzt angezeigt werde, dann aber doch viele Parkplätze frei seien. »Die Informationstafeln über freie Plätze in den Parkhäusern zeigen seit Monaten völlig falsche Zahlen an.«

Dass das Parkleitsystem falsche Zahlen anzeigt, hat einen simplen Grund: Es stellt gar nicht mehr die tatsächliche momentane Belegung der Parkhäuser dar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Verkehrsleitzentrale geben die Daten nämlich nur noch händisch ein, erklärt Dezernent Majer. Vor 30 Jahren, als die Technik für das Parkleitsystem im Dezember 1992 in Betrieb gegangen ist, wurde es dagegen viel gelobt, weil die Angaben dynamisch waren und stets den tatsächlich aktuellen Stand anzeigten.

Kritische Sicherheitslücke

Die veraltete Technik wurde aber vor kurzer Zeit gefährlich. Die Software enthält einen Programmierungsteil namens »Log4j«, für das das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Mitte Dezember eine Warnung aussprach. Wegen der extrem kritischen Sicherheitslücke sei das Parkleitsystem »als Sofortmaßnahme« von der Verbindung zur Verkehrsleitzentrale getrennt worden, sagt der Dezernent. Die Folge: Seither müssen die Daten komplett per Hand ins Parkleitsystem übertragen werden. Das war in den vergangenen Jahren ohnehin bereits in mehreren Parkhäusern nötig geworden - immer dann, wenn Parkhäuser erneuert und die Zahl der Stellflächen verändert wurde, so Majer. Meist passiert das, weil breitere Parkplätze markiert werden, die Anzahl der Stellplätze also sinkt.

Sowieso umfasst das Parkleitsystem nicht alle Parkhäuser und Tiefgaragen. Vor allem jene der städtischen Parkhausbetriebsgesellschaft (PBG) sind eingebunden, private Parkhäuser sind teilweise nicht enthalten.

Auch online sind die aktuellen Belegungszahlen der Parkhäuser inzwischen nicht mehr zu finden. Ein Weiterbetrieb des Parkleitsystems »kann nicht sichergestellt werden«, betont deshalb Stefan Majer, und es »verursacht unverhältnismäßige Betriebskosten«. Deshalb soll es von einem neuen System abgelöst werden - und zwar gleich im großen Stil: Die Stadt arbeitet daran, ein gänzlich neues Verkehrsleit-Informationssystem aufzubauen. 2018 sei das Gesamtkonzept dafür erstellt worden, erläutert der Dezernent.

Mit den falschen Angaben werden die Autofahrerinnen und Autofahrer allerdings wohl noch eine ganze Zeit lang leben müssen. Allzu weit scheint die Erneuerung der Technik seit 2018 während der Amtszeit von Majers Vorgänger Klaus Oesterling (SPD) nicht vorangetrieben worden zu sein. Der heutige Mobilitätsdezernent teilt zum aktuellen Sachstand lediglich mit: »Aktuell befindet sich ein Antrag zur Planungsmittelfreigabe in der Bearbeitung.« Sprich: Es gibt in der Verwaltung noch nicht einmal eine konkrete Planung für ein neues Parkleitsystem. Dennis Pfeiffer-Goldmann



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