10. Juni 2022, 20:49 Uhr

Drei neue Werber für Mittelhessen Gelassen, aber isoliert Durch die Mäuler

Die Frankfurter Stadtverordneten haben ihrem Oberbürgermeister das Vertrauen entzogen und einen Misstrauensantrag beschlossen. Peter Feldmann (SPD) warnt vor einer »Schlammschlacht«.
10. Juni 2022, 20:49 Uhr

- Am Mittwochabend setzte der Verein Mittelhessen eine gute Tradition fort, indem er mit mehr als 200 Gästen im revitalisierten Industriekultur-denkmal des Marburger Lokschuppens seinen neunten Parlamentarischen Abend feierte. Der Höhepunkt des Abends war das Nominieren von drei neuen Botschaftern der Region. Die Wahl fiel auf Anika Decker, Professor Harald Lesch und Andreas Steinhöfel.

Sie haben ihre Wurzeln in der Region, sind in dieser oder auch außerhalb Mittelhessens erfolgreich und werden nun wie 35 andere Botschafter auch über ihre Region sprechen und so für Mittelhessen werben. Einer von ihnen, der den Abend moderierende Kabarettist, Autor und Verfasser von Regionalkrimis Dietrich Faber, unterhielt die Gäste mit seinen humorigen Einlagen und brachte ihnen durch tiefgründige Fragen die neuen Repräsentanten nahe.

Alle drei eint der Stolz, auserwählt zu sein, um etwas für die Region zu tun, auch oder gerade, weil sie diese in jungen Jahren vielleicht nicht sehr zu schätzen wussten. Der per Videokonferenz zugeschaltete Prof. Harald Lesch begeisterte die Gäste mit seinem lebendigen Beitrag, berichtete über seine Verbindungen, die er noch zu Gießen hat, und wie er eine Kehrtwendung von Astronomen und damit vom Himmel weg zum Klimawandel auf Erden vollzog.

Mit »auf nichts ist meine Familie stolzer, als auf diesen Abend«, brachte die in Marburg geborene Anika Decker ihre Freude zum Ausdruck. Die Verwurzelung mit der Region habe mittlerweile auch dazu geführt, dass sie in jedem Interview erzähle, aus Mittelhessen zu stammen. Die in Berlin lebende Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin von Kinofilmen wie »Keinohrhasen« hat auch eine berufliche Verbindung zur Universitätsstadt, schließlich gehöre das Marburger Cineplex-Kino »deutschlandweit zu den Rennern«.

Den Lesern die Menschen erklären

Mit Andreas Steinhöfel rückt ein Mittelhesse in die Riege der Botschafter auf, der wieder hierher zurückgefunden hat. Er hänge an der Region und habe ob in Norddeutschland oder in Berlin immer Heimweh gehabt, berichtete er. Nun freue er sich darauf, in diesem »gigantischen Netzwerk« daran mitzuwirken, die Region zu stärken, die sich oft unter Wert verkaufe. Er erklärte, dass er zum Film wollte, um Geschichten zu erzählen. Mittlerweile habe es sich aber ergeben, dass seine Bücher die Geschichten für Filme seien. Er versuche in seinen Kinderbüchern, den Lesern »die Menschen zu erklären« und verriet, auch einen Roman über Zwangsarbeiter zu schreiben.

Die Laudatoren der neuen Botschafter waren Prof. Alfred Beutelspacher, Direktor des Mathematikums in Gießen, für Professor Harald Lesch, Marion Closmann, Geschäftsführerin des Cineplex-Kinos in Marburg, für Anika Decker sowie Inge Maisch in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende und Gründungsmitglied von »Mentor - Die Leselernhelfer Region Marburg-Biedenkopf« für Andreas Steinhöfel. G. Fain

Zehn Minuten vor Beginn der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag betritt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) den Plenarsaal im Römer - umringt von zahlreichen Fernsehkameras und Fotografen. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit schüttelt er aber nicht die Hände der Anwesenden, plaudert hier und da, sondern läuft schnurstracks zu seinem Platz, setzt sich hin, blättert in seinen Unterlagen und lächelt.

Später wird sich eine Debatte der Stadtverordneten auch um ihn drehen, um den wegen des Verdachts der Vorteilsannahme angeklagten Oberbürgermeister, der sich in einem Strafprozess vor Gericht verantworten muss und dem Koalition und Opposition mit großer Mehrheit an diesem Abend das Vertrauen entziehen werden, kombiniert mit einem Ultimatum: Entweder tritt Feldmann zurück, oder die Stadtverordneten werden in ihrer nächsten Sitzung ein Abwahlverfahren einleiten.

Feldmann selbst wirkt gelassen an diesem Abend, aber auch isoliert. Nur seine Mitarbeiter kommen zu ihm, flüstern ihm etwas ins Ohr. Wenn er sich zu den unterschiedlichsten Themen wie der kostenlosen Betreuung von Zweijährigen in Krabbelstuben äußert, applaudieren lediglich die Mitglieder der Linke-Fraktion. Selbst die Sozialdemokraten klatschen nicht.

»Peter Feldmann kann nicht länger Oberhaupt dieser Stadt bleiben«, sagt später Dimitrios Bakakis, Fraktionsvorsitzender der Grünen, unter tosendem Applaus. »Er ist nicht in der Lage, Frankfurt angemessen zu repräsentieren.« Er begründet dies mit den Vorwürfen im Zusammenhang mit der Affäre rund um die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und den Fehltritten in den vergangenen Wochen wie den Pokalklau beim Empfang der Frankfurter Eintracht im Römer sowie den sexistischen Äußerungen im Flugzeug nach Sevilla.

Das angestrebte Abwahlverfahren kommentiert Bakakis mit den Worten: »Hässlicher kann Kommunalpolitik nicht sein. Aber Herr Feldmann lässt uns keine andere Wahl, als diesen Schritt zu gehen.« Eine Abwahl nennt er »einen destruktiven Prozess«. Über Wochen und Monate müsse »eine Negativkampagne« gegen den OB geführt werden, um »die Empörung der Bürger aufrechtzuerhalten«. Um dies zu verhindern, fordert er Feldmann deshalb abermals auf: »Ziehen Sie die Konsequenzen und stellen Sie Ihr Amt zur Verfügung.«

Auch andere Redner äußern diesen Wunsch. SPD-Fraktionschefin Ursula Busch spricht den OB sogar direkt an: »Peter, bitte tritt zurück.« Dieser Satz fällt ihr sichtlich nicht leicht. »Das kostet uns eine große Überwindung und schmerzt uns sehr«, sagt sie denn auch.

Feldmann reagiert darauf jedoch nicht. Einen Rücktritt lehnt er weiterhin ab. Stattdessen stellt er seine Befindlichkeiten ins Zentrum seiner Rede zum Misstrauensantrag. So berichtet er etwa, dass er sich in Gegenwart seiner Tochter vor einem Café »wüste Beschimpfungen« anhören musste. Den Fraktionen bietet er an, »noch einmal ins Gespräch zu kommen, um zu einer themenorientierten, respektvollen Zusammenarbeit zurückfinden zu können«. Er wolle sich aber nicht für alles »die Schuld in die Schuhe« schieben lassen. Aber: »Ich bin bereit, meine Rolle zu überdenken«, so Feldmann, der gleichzeitig vor einer »Schlammschlacht« warnt, wenn es zum Bürgerentscheid kommt. »Es ist kein Scherbengericht über den Menschen Peter Feldmann - und Sie sollten es nicht dazu machen«, so Feldmann.

Yanki Pürsün, Fraktionsvorsitzender der FDP, bezeichnet die Rede hinterher als »niveaulos«. Und Markus Fuchs (AfD) stellt einen »roten Faden« fest, der sich durch die Amtszeit des OB ziehe: »Es geht Peter Feldmann um Peter Feldmann.«

Yannick Schwander (CDU) weist darauf hin, dass man gar nicht über eine Abwahl diskutieren müsse, »wenn eine Person es sehen würde wie wir alle: Dass nichts größer ist als unser Frankfurt«. Im Gegensatz zu den anderen Rednern enthält sich Nico Wehnemann (Die Fraktion) bei der Abstimmung des Misstrauenantrags. Statt den OB abzuwählen, schlägt er vor, Feldmann bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2024 zu ignorieren. »Das wird uns allen am besten zu Gesicht stehen«, so Wehnemann. »Und dem Ego von Peter Feldmann am meisten schaden.«

Earscht emo herzliche Grüße oon Grimmicher Verkehrsverein, ean failmols besten Dank für de herzliche Empfang. Eas woar oarg schie bei auch. Aich ziern geweas noch ea poar Doag defo. Danke aach o all däi, däi do wonn. Bis wirre emo…

So, eatz muss aich auch earscht noch emo aut vezehn. Mir hu Nachwuchs gritt. Eam Hierhaus (nitt eam Hinkelstall). Also doas woar easo: Geast fier fäier Woche sasst sich ee vo ihsen Henne eans Neast ean fing o se broie. Vo dean annern Henne mocht kee Ostaalte, ower däi sass ean sass ean sass. Kearle, mir woan ganz offgerecht. Mear harre jo do goar kee Erfahring. Die Ealern vo moiner Fraa ean aach moi Ealern harre Hinger (kee Hoier ean aach kee Hingel). Säi deere saich die junge Henne käfe. Wann ea Hu ea Gluck wean wollt, wurd se efach voom Neast earoabgesasst. Mir läise ihs Gluck seatze. Ean die annern Henne deare ihr als noch ea poar Äjer innerschiewe. Was soll aich soa: De letzte Sonnowed gengs luus. Zwäi Küken soi geschlüpft. Soi also nitt viele, ower däi zwä Wattebällerchen soi wonnerschie. Ach, se piepse, ean mache ean du. Etz wean se baal irn erschte Ausgang hu. Eas alles fierberät. Eam Aachebleack wuhn se noch meat ihrer Modder eam Goardehaus. Ihs Deachter soi ausem Häusi, moi Fraa ean aich ach. Piep, piep, piep…

Aut annersch: Aich geawe eas ihrlich zou: Aich soi meat moiner Buchfihring ewing durcheananner gekomme. Wer also vo de Leser noch mead keem Beitroag hai zou Woard gekomme eas, der soll saich bitte noch emo mean. Wier jo schoad, wann do deas eane ower anner Mundartjuwelche nitt ean die Zeiring keem.

So, hau eas wirre Goade ogesaat. Ean nadierlich bei de kleene Hieerchen gucke. Däi woase jeden Doag. Daued gor nitt lang, dann see se oarg struwellich aus. Ean spädesdens dann weas mear jo aach earscht, was eas eas: Ean Geagelear ower ea Hu. Mear weans froi genung gewoare. So, bei deem Wearrer häst’s sich eans Zeuch geleecht, domead mear aach alles packe daut. Groas mewe, Beikräuterchen zupfe (ower nitt all), Struße kiern. Das eas jo offem Dearf noch Pflicht. Do gitt de Bemeester owends noch durch alle Stoadtdäle ean kondrolliert. Wear nitt gekuurt hott, dear muss ea deack Bußgeald bezoan. Also mier Stockhäuser soi do nitt bedroffe, mier mache ihs Ärwed. Mier soi dreue Staatsbürcher. Ean wann’s eener emo nitt mächt, dann säd de Nochbear: »Ai dou hosst hau goar nitt gekuurt.« Eam Dearf, do funktioniert die soziale Kontrolle noch. Ean ea jeder hält sich aach dro. Mear will jo nitt de Leu durch die Mäuler gieh. Wann mear schu de Moie kiert, dann häßt’s: »Dou beast ower froi hau.« Wann mear earscht owends kiert, dann häst’s: »Dou beast ower oarg speed. Was host de dann de läiwe lange Doag gemoacht?« So lääft das, ean so lääft das gout. Während däi Städt verwoarluse, eas bei ihs alles gout. Fast alles. Joa, goar manches kennt besser soi. Ower eas kiern, das klappt. Ea sonnich Wochenend wünscht

auen Kutschersch Burkhard



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