03. Mai 2022, 20:24 Uhr

Arbeitsmarkt weiterhin krisenfest

03. Mai 2022, 20:24 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA

Nürnberg/Frankfurt/Gießen - Die Beschäftigung ist auf einem Hoch, die Zahl der Arbeitslosen sinkt: Der Ukraine-Krieg hat den deutschen Arbeitsmarkt bisher nicht erschüttern können. »Dem Grunde nach sehen wir ehrlich gesagt keine Anzeichen für einen grundlegenden Trendwechsel in dem positiven Ausblick, trotz des Krieges«, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, gestern in Nürnberg.

Die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt könnte nach seiner Einschätzung am ehesten durch einen Lieferstopp für russisches Gas in Schieflage gebracht werden.

Dank einer weiteren Frühjahrsbelebung sank die Arbeitslosigkeit in Deutschland im April weiter auf 2,309 Millionen Menschen ohne Job. Das sind 53 000 weniger als im März und 462 000 weniger als vor einem Jahr. Die Quote sank um 0,1 Punkte auf 5,0 Prozent. Im Vergleich zum April 2021 sank sie sogar um einen kompletten Prozentpunkt. Die Statistik stützt sich auf Datenmaterial, das bis zum 12. April vorlag. »Erfreulich ist auch, dass der positive Trend beim Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit weiter anhält«, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD).

Fachkräfte dringend gesucht

Auch in Hessen ist die Arbeitslosigkeit im April zurückgegangen. Zum Stichtag am 12. April waren 156 245 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur gestern in Frankfurt berichtete. Das waren gut 2500 weniger als im März und knapp 32 000 weniger als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote sank vom Vormonat um 0,1 Punkte auf 4,5 Prozent. Damit wurde das Vorkrisen-Niveau (4,4 Prozent im April 2019) nahezu erreicht. Nach wie vor steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, und die Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Die Agenturen kennen aktuell über 53 000 unbesetzte Stellen. Direktionschef Frank Martin sagte, auch die Möglichkeit zur Kurzarbeit stabilisiere den Arbeitsmarkt. »Trotz Preissteigerungen und Lieferengpässen entwickelt sich der hessische Arbeitsmarkt robust. Dennoch stellen ein möglicher Stopp der russischen Energielieferungen und weiter steigende Rohstoffpreise deutliche Unsicherheitsfaktoren dar.«

Für die kommenden Monate erwartet die Agentur einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen wegen der Flüchtlinge aus der Ukraine. Sie seien zwar gut qualifiziert, benötigten aber in vielen Fällen zunächst Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und Sprachkurse. Davon hänge ab, wie schnell die Menschen in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden könnten.

Auch in der Region ist die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Im April waren im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen, also in den drei Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg, 15 691 Menschen erwerbslos registriert. Im Vormonat waren 175 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosigkeit ist in allen drei Landkreisen gesunken.

Frühjahrsbelebung in der Region

Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 4,2 Prozent. Im April des Vorjahres waren noch 3171 Erwerbslose mehr registriert. Die Quote lag damals bei 5,0 Prozent. »Die Beständigkeit unseres regionalen Arbeitsmarktes zeigt sich in wirtschaftlichen Krisenzeiten sehr deutlich«, kommentierte Eckart Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Gießen. Nach den Einbußen infolge der Corona-Pandemie trotze der hiesige Arbeitsmarkt bislang auch den Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Die Zahl der erwerbslos gemeldeten Menschen sei den dritten Monat in Folge gesunken und die aktuellen Stellenmeldungen befänden sich auf hohem Niveau. 693 kurzarbeitende Betriebe haben im April einen Antrag auf Auszahlung von Kurzarbeitergeld (KuG) gestellt und auch bewilligt bekommen. Das waren 60 betroffene Betriebe mehr gegenüber dem Vormonat. Im abgelaufenen Monat wurden 37 Neuanzeigen für die Bewilligung von Kurzarbeitergeld gestellt. Die tatsächliche Kurzarbeit fällt meistens geringer aus. 453 Anträge auf Saisonkurzarbeitergeld wurde von den Winterbau-Betrieben im Monat April für den Monat März gestellt.

Im Kreis Gießen waren im abgelaufenen Monat April insgesamt 7287 Menschen erwerbslos gemeldet, 48 Arbeitslose weniger als im Vormonat März. Im Vorjahr waren 1483 Personen oder 16,9 Prozent mehr registriert. Die Arbeitslosenquote sank im April von 5,0 auf 4,9 Prozent. Im Vorjahr hatte die Quote bei 5,9 Prozent gelegen.

Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im April um 88 Personen auf jetzt 6336 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren damals 1530 oder 19,5 Prozent mehr Arbeitslose gemeldet. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 auf 3,7 Prozent zurück. Im April des Vorjahres lag die Quote bei 4,6 Prozent.

Im Vogelsbergkreis waren im April 2068 Personen erwerbslos gemeldet, 39 weniger zum Vormonat. Im April des Vorjahres waren 158 oder 7,1 Prozent mehr Menschen registriert. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 auf 3,6 Prozent zurück. Im Vorjahr lag die Quote bei 3,8 Prozent. dpa/pi/pm



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos